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Wichtige Förderländer denken darüber nach, ihre Ölproduktion zu reduzieren. Doch reicht das aus, um den Absturz beim Ölpreis aufzuhalten? Kündigt der Einbruch beim Ölpreis eine Rezession der Weltwirtschaft an?

Nach einem dramatischen Rückgang in den vergangenen Wochen sorgt zu Wochenbeginn die Nachrichtenlage zunächst für eine Erholung beim Ölpreis. Saudi-Arabien will die Ölexporte im Dezember um eine halbe Million Barrel pro Tag gegenüber November reduzieren, um so den Preisrückgang aufzuhalten. Am Rande eines Treffen der sogenannten OPEC-Plus-Gruppe hieß es von Delegierten zudem, dass eine Senkung der täglichen Fördermenge um eine Million Barrel „eine gute Zahl wäre“, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Der saudische Öl-Minister Khalid al-Falih sprach davon, dass die Fördermenge im kommenden Jahr um eine Million Barrel pro Tag unter dem Oktober-Niveau liegen müsse, um einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage herbeizuführen.

Die Aussicht auf eine leicht sinkende Ölmenge reicht aus, um den Ölpreis zu Beginn der neuen Wochen deutlich nach oben springen zu lassen. Doch der Einbruch der vergangenen Wochen wird damit kaum korrigiert. Zumal Russland sich deutlich zurückhaltender geäußert hat und bei einer Reduktion der Ölproduktion scheinbar nicht mitziehen will.

Vor Kurzem machten noch Prognosen die Runde, der Ölpreis könnte zum Jahresende bei über 100 Dollar je Barrel stehen. Doch innerhalb von nur vier Wochen ist der Ölpreis um mehr als 20 % eingebrochen und hat damit die gesamten Gewinne seit Jahresbeginn korrigiert. Für den Rückgang beim Ölpreis werden verschiedene Gründe angeführt: US-Präsident Trump hatte die OPEC aufgefordert, ihre Öl-Produktionsmenge zu erhöhen, was diese vorübergehend auch getan hat. Außerdem fielen die in der vergangenen Woche in Kraft getretenen Öl-Sanktionen der USA gegen den Iran nicht so streng aus wie erwartet, weil die USA Ausnahmen für wichtige Abnehmerländer wie China angekündigt haben.

Doch hinter dem dramatischen Rückgang beim Ölpreis könnte noch etwas anderes stecken, nämlich eine drohende Rezession der Weltwirtschaft. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Rückgang beim Ölpreis eine deutlichen Konjunktureinbruch ankündigt. Im Jahr 2008 kletterte der Ölpreis zeitweise auf über 140 Dollar je Barrel. Nur, um sich dann nach Ausbruch der Finanzkrise innerhalb weniger Monate mehr als zu dritteln und auf unter 40 Dollar je Barrel abzustürzen.

Auch aktuell ist nicht auszuschließen, dass der Ölpreisrückgang in Wahrheit auf eine Nachfrageschwäche in der Weltwirtschaft zurückzuführen ist. Dazu passt auch, dass die OPEC ihre Produktion jüngst noch ausgeweitet hat, nun aber bereits darüber diskutiert wird, ob beim OPEC-Treffen im Dezember nicht eine erneute Kürzung beschlossen werden könnte.

Für einen weiteren Rückgang spricht auch, dass viele Hedgefonds und andere Spekulanten von dem Preisverfall auf dem falschen Fuß erwischt werden. Wie die Daten aus dem sogenannten Commitments of Traders Report (CoT) zeigen, wetten die großen Spekulanten am US-Terminmarkt weiter auf einen Anstieg beim Ölpreis – auch wenn die Long-Positionen in den vergangenen Monaten bereits deutlich reduziert wurden. Sollten die Hedgefonds angesichts der jüngsten Schwäche ihre massiven Long-Positionen weiter reduzieren wollen, könnte dies für zusätzlichen Verkaufsdruck sorgen.


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Am 5. Dezember treffen sich die wichtigsten Öl-Förderländer beim 175. OPEC-Gipfel in Wien. Auch wichtige Nicht-OPEC-Mitglieder wie Russland werden als Teil der OPEC-Plus-Gruppe wieder an den Verhandlungen teilnehmen. Bis Anfang Dezember dürfte zunehmend klar werden, wohin die Reise am Ölmarkt geht. Sollte die Weltwirtschaft tatsächlich vor einem deutlichen Nachfragerückgang stehen, werden aber auch die wichtigsten Öl-Förderländer einen Preisverfall kaum aufhalten können.


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Autor: Oliver Baron, Redakteur bei GodmodeTrader.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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