Wie Sie Ihr Geld planen – ohne das Leben zu verpassen

Um sich Luxus leisten zu können, sollten Sie Geld zurück- und anlegen. Vergessen Sie dabei nur nicht, auch im Hier und Jetzt zu leben.

(Bildquelle: Pixabay / TungArt7)

Ein simpler Finanzplan aus der Jugend brachte dem Autor finanzielle Freiheit. Was wir

Vor 27 Jahren hatte ich meinen finanziellen Erweckungsmoment: Ich erstellte eine Tabelle und analysierte meine Vermögensentwicklung. Wenn ich jeden Tag 90 DM sparte und das Geld bei 6,2 Prozent Rendite anlegte, würde ich mit 50 Jahren zwei Millionen haben und mit 60 Jahren vier. Das waren für mich erstaunliche Summen, und der Unterschied zur staatlichen Rente enorm. Falls einer der beiden Parameter nicht klappen sollte, musste ich eben den anderen erhöhen. Damit hatte ich einen Plan.

Wenn ich heute die Ruhestandsplanung mit Mandanten bespreche, gehen wir zunächst davon aus, dass die Ausgaben im Alter so hoch sein werden wie jetzt. Bei jungen Leuten auch gerne doppelt so hoch. Ein aktuell abzustotterndes Häuschen mag bis dahin bezahlt sein, aber die freie Zeit lässt sich gut mit teuren Hobbys füllen, bevor die Gesundheitskosten möglichst spät steigen. Im Lauf der Jahre kann man den Plan nach unten oder oben anpassen.

Bei Luxus gibt es keine Obergrenze: Wie oft wollen wir essen gehen? Darf es ein Sterne-Restaurant sein? Könnte die Stadtwohnung etwas größer und direkt im Zentrum sein? Haben wir für die Villa mit Park und Schwimmbad ausreichend Personal? Welchen Konzertsaal der Welt haben wir noch nicht gesehen? Sie wissen, dass Sie angekommen sind, wenn Sie kein Selfie mehr aus dem Privatflieger posten, sondern die Reise so entspannend finden wie eine Busfahrt.

Um sich Luxus leisten zu können, sollten Sie Geld zurück- und anlegen. Vergessen Sie dabei nur nicht, auch im Hier und Jetzt zu leben. Einen Teil des unnötigen Geldes dürfen Sie ruhig ausgeben. Aber wofür eigentlich? Was macht glücklich, was kostet das? Wenn Sie hierauf keine Antwort haben oder die Frage nicht interessant finden, kann ich wärmstens einen Ikigai-Workshop empfehlen. Diese japanische Methode hilft bei der Entdeckung des persönlichen Lebenswerts.

Vielleicht merken Sie dabei, dass Sie gar keinen materiellen Luxus brauchen. Vielleicht möchten Sie im Ruhestand lieber mehr Zeit mit der erweiterten Familie verbringen. Oder endlich wieder Klavier spielen, selber kochen und regelmäßig Sport treiben. Was spricht dagegen, das heute schon zu tun? Gehen Sie noch jeden Tag in eine Arbeit, die Sie hassen, nur weil Sie damit Geld verdienen? Spätestens wenn Sie sich Ihrem Lebensfinanzziel nähern, sollten Sie das lassen. Jagen Sie bei Bedarf Ihren Chef zum Teufel, gehen Sie in Teilzeit, wechseln Sie zu neuen Aufgaben. Sie müssen sich nicht mehr verkaufen. Und der Ruhestand muss nicht punktuell beginnen.

Einen Job aber, den Sie lieben, sollten Sie nicht aufgeben, nur weil Sie schon genug Geld haben. Mit mehr Geld könnten Sie ja eine Stiftung zum Wohle der Welt gründen, die egomanische Unruhestifter in den Ruhestand schickt, wo sie beim Golfen die geistige Platzreife ohne Schummeln schaffen müssen. Ich selbst freue mich jeden Tag, mit meiner Erfahrung anderen helfen zu dürfen, ihre finanziellen Ziele zu erreichen. Mein Vermögensplan von damals brachte mir viele Freiheiten. Ich pflege ihn heute noch.

Ein Beitrag von Tobias Weiß

Er ist Vermögensberater aus Ludwigsburg. Der unabhängige Honorarberater erstellt für seine Mandanten individuelle Depots und übernimmt auf Wunsch die langfristige Betreuung. Mit einem öffentlichen Musterdepot gibt er Einblick in seine Anlagestrategien.
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