Bildquelle: Pressefoto GM © General Motors

Es war eine Meldung wie ein Donnerschlag: GM = General Motors (WKN: A1C9CM / ISIN: US37045V1008) = ehemals der Welt größter Automobilbauer = Ur-US-amerikanische Legende und Ikone, will mehrere Werke schließen, die Rede ist von sieben bis acht, drei bis fünf davon in der Heimat. Rund 15.000 Stellen sollen dabei wegfallen, bis 2020 sollen so 6 Milliarden US-Dollar eingespart werden. Das macht Sinn, denn während der Absatz vor allem im heimischen Markt schwächelt, sind die Fertigungs- und Materialkosten gestiegen. Letzteres auch durch die vom US-Präsidenten erhobenen Strafzölle auf etwa Stahl und Aluminium, zufällig zwei Komponenten, die im Autobau (noch) unerlässlich sind. Selbstverständlich haben besagte Strafzölle rein gar nichts mit der Entscheidung des GM-Managements zu tun, beeilte sich die Vorstandsvorsitzende Mary Barra zu versichern. Ziel sei es vielmehr, „das Unternehmen für langfristigen Erfolg zu positionieren“, so Barra. Will heißen: Weg mit den Ladenhütern, her mit innovativen E- bzw. AutonoMobilen. Toller Plan, echt jetzt, und so straight, da scheint Barra tatsächlich nicht noch einmal denselben Fehler wie 2008 machen zu wollen, als GM zu lange an alten Geschäftskonzepten festhielt und im Zuge des (unvermeidlichen) Insolvenzverfahrens mit staatlicher Hilfe gerettet werden musste. Der US-Präsident hieß damals Barrack Obama, was den aktuellen Amtsinhaber nicht davon abhält, Barra an den Pakt mit der Regierung zu erinnern: „Very disappointed with General Motors and their CEO, Mary Barra, for closing plants in Ohio, Michigan and Maryland. Nothing being closed in Mexico & China. The U.S. saved General Motors, and this is the THANKS we get! We are now looking at cutting all @GM subsidies, including for electric cars. General Motors made a big China bet years ago when they built plants there (and in Mexico) – don’t think that bet is going to pay off. I am here to protect America’s Workers!”, wetterte Trump auf Twitter. Allein, es hilft nichts. Denn der Anfang vom Ende ist damit gemacht. Trumps „America First“-Strategie geht ebenso wenig auf wie die Hoffnung der Automobilbranche, die (ebenfalls unvermeidlichen) Umwälzungen und Neuausrichtungen in eine (ferne) Zukunft zu verschieben. Das gilt auch für VW & Co:

Matchball

Denn auch die deutschen Autobauer müssen zusehen, den Anschluss nicht zu verpassen. Und dabei das Augenmaß nicht zu verlieren. Neben den rund 820.000 Beschäftigten in der deutschen Automobilindustrie kommen noch einmal mindestens genauso viele mittelbar Beschäftigte on top, Menschen, die indirekt von der Automobilbranche abhängig sind. Im Jahr 2004 lag der sogenannte „indirekte Beschäftigungseffekt“ in Deutschland bei einem Faktor von 2,2, es wird angenommen, dass sich dieser Faktor mittlerweile erhöht hat. Da ist Einsatz und Inspiration gefragt, von allen Beteiligten, womit an dieser Stelle die Politik mit ins Boot geholt wird. Aber, und das ist das Schöne an der Börse, nichts ist so nebensächlich wie der Kursverlauf vom Vortag, und so ist dem Fed-Chef Jerome (gute Freunde nennen ihn Jay) Powell am späten Mittwochabend ein perfektes Manöver geglückt: Gerade erst hatte der US-Präsident in einem aufschlussreichen Interview mit der Washington „Democracy dies in Darkness“ Post erklärt, er sei nicht glücklich über die Fed und deren Chairman („I’m just saying, I’m not happy with the Fed. So far, I’m not even a little bit happy with my selection of Jay. Not even a little bit.”), da verkündet der Gescholtene, die eigentlich bereits eingeplanten Zinserhöhungen eventuell auf einen späteren Zeitpunkt verschieben zu wollen. Oder so. An der Wall Street wurde dieser Matchball vom Dow Jones sofort in den größten Tagesgewinn (+2,5%) seit dem 26. März umgewandelt, der DAX zog am Donnerstag – deutlich verhaltender zwar, aber immerhin besser als gar nicht – nach, zeitweilig zumindest. Das macht die Erwartungen an die letzten gut vier Wochen im (Börsen-)Jahreskreislauf nicht kleiner, aber: die Hoffnung auf eine (wie auch immer geartete) Jahresendrallye zumindest ein µ bzw. Mü größer. Zumal The Real-Deal Trump beim G20-Gipfel in Buenos Aires beim Handelsstreit-Poker mit Chinas Präsident Xi Jinping noch ein As aus dem Ärmel schütteln könnte!

PrimequantsEin Beitrag von Sebastian Jonkisch von Prime Quants

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Bildquellen: Prime Quants / Pressefoto GM © General Motors

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