Gold: Warum der Rekordlauf noch nicht vorbei ist

Der Goldpreis kratzt an der 4.300-US-Dollar-Marke und viele fragen sich: Ist das noch gesund? Goldfinger analysiert, warum das Edelmetall trotz Rekordjagd weiter steigen könnte – und wo die größten Risiken lauern. Die Fed-Sitzung wird zum Lackmustest.

(Bildquelle: Pixabay / stux)

Der Goldpreis steht bei 4.200 US-Dollar, die Stimmung ist elektrisiert und die Analysten überschlagen sich mit Prognosen. Während die einen bereits die 5.000-US-Dollar-Marke zum Jahresende ausrufen, warnen andere vor einem dramatischen Absturz auf 2.400 US-Dollar. Selten war die Goldgemeinde so gespalten wie jetzt. Zeit für eine nüchterne Bestandsaufnahme.

Die Rally des Jahres – und ihre Treiber

Mit mehr als 60 Prozent Jahresperformance liefert Gold 2025 eine Show ab, die selbst Tech-Aktien vor Neid erblassen lässt. Das Allzeithoch bei 4.381 US-Dollar im Oktober war kein Zufall, sondern das Ergebnis perfekt orchestrierter Faktoren: Geopolitische Spannungen von der Ukraine bis in den Nahen Osten, eine dovische Fed mit Zinssenkungsambitionen und – nicht zu unterschätzen – massive spekulative Long-Positionen am Terminmarkt in Höhe von über 50 Mrd. US-Dollar.

Vom Höchststand hat Gold zwar 8 Prozent verloren, doch die Marke von 4.000 US-Dollar hält wie ein Bollwerk. Das ist bemerkenswert, denn während die Warnungen vor einem KI-Kollaps die Finanzmärkte erschütterten, blieb Gold stabil. Immer noch notiert das Edelmetall 55 Prozent höher als zu Jahresbeginn – eine Performance, die Fragen aufwirft: Ist dieser Kurssprung nachhaltig?

Bitcoin versagt im Sicherheitstest

Eine interessante Beobachtung macht dazu homas Stucki von der St. Galler Kantonalbank: Bitcoin, das von vielen als „digitales Gold“ gefeiert wird, hat den Sicherheitstest nicht bestanden. Schon im April, als die US-Zölle verkündet wurden, brach er zusammen mit den Aktien ein. Gold hingegen legte zu. Der Unterschied könnte klarer nicht sein: Gold ist und bleibt der sichere Hafen in Krisenzeiten. Bitcoin ist Spekulation.

Angebot und Nachfrage: Die überraschende Stabilität

Das Angebot an Gold ist eine überraschend stabile Größe. Die Minenproduktion lässt sich kurzfristig kaum ausweiten, und das Recycling von Altgold – etwa durch Einschmelzen von Schmuck – ist zwar gestiegen (von 270 auf 340 Tonnen pro Quartal seit 2023), doch diese Zunahme konnte die gestiegene Nachfrage nicht decken. Viele Goldbesitzer warten offenbar auf noch höhere Preise. Auch die Gold-ETF-Volumina stagnieren – große Verkaufswellen bleiben aus. Das Angebot reagiert träge, selbst bei Rekordpreisen.

Auf der Nachfrageseite dominiert die Schmuckindustrie, die unter dem hohen Preis leidet. Minus 17 Prozent im Jahresvergleich sind das Ergebnis. Doch hier wirkt ein interessanter Mechanismus: In vielen Schwellenländern wird Goldschmuck auch als Anlage gekauft. Die Nachfrage bricht also nicht völlig ein.

Zentralbanken: Das Trauma der russischen Sperrung

Die wahre Stütze des Goldpreises sind und bleiben die Zentralbanken. Seit der Sperrung der Devisenguthaben der russischen Zentralbank durch den Westen haben viele Notenbanken ihre Diversifikationsbemühungen dramatisch verstärkt.

Der US-Dollar gilt nicht mehr als absolut sicher. Solange das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der amerikanischen Politik angekratzt bleibt, werden Zentralbanken weiter Gold kaufen – auch bei hohen Preisen. Diese strukturelle Nachfrage gibt dem Goldpreis eine solide Basis.

Die Fed als Zünglein an der Waage

Der Dezember wird zeigen, wohin die Reise geht. Die Fed-Sitzung am 17. Dezember hat eine Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent für eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte. Kommt sie, dürfte Gold Rückenwind bekommen. Bleibt sie aus, könnte der Markt enttäuscht reagieren. Niedrige Zinsen sind der beste Freund des Goldes, denn sie senken die Opportunitätskosten.

Gold steht am Scheideweg. Die technischen Indikatoren sind bullish, die Fundamentaldaten gemisch, die Risiken real. Hinter der Rally steckte auch Spekulation, und diese Positionen werden teilweise aufgelöst. Für Anleger, die bereits Gold besitzen, macht es Sinn, einen Teil der Gewinne mitzunehmen, damit der Goldanteil im Portfolio nicht zu groß wird. Am Gold als Sicherheitsposition sollte jedoch festgehalten werden.

Und wer noch nicht investiert ist? Dr. Stucki von der St. Galler Kantonalbank hat einen klugen Rat: Gold neu zu kaufen braucht auf dem aktuellen Niveau Mut. Deshalb empfiehlt er, den angestrebten Goldanteil in verschiedenen Tranchen über die nächsten sechs bis zwölf Monate aufzubauen. Keine Hauruck-Aktionen, sondern strategischer Vermögensaufbau.

Mein Fazit

Der Aufwärtstrend ist intakt, solange die 4.000-US-Dollar-Marke hält. Die nächsten vier Wochen werden über das Goldpreis-Jahr 2025 entscheiden. Schnallen Sie sich an.

Herzlichst,
Ihr
Goldfinger

Diese Kolumne stellt keine Anlageberatung dar, sondern ein Stimmungsbild mit goldenem Augenzwinkern.