Die Goldlöckchen-Ära hält weiterhin an

Europäische Unternehmensanleihen trotzen allen Risiken – stabile Fundamentaldaten, starke Nachfrage und neue Impulse für 2026 zeichnen ein überraschend positives Bild. Doch hinter der Goldlöckchen-Fassade wächst auch die Unsicherheit. Wie lange hält das Gleichgewicht?

(Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG)

Die Goldlöckchen-Ära hält weiterhin an. Obwohl die Bewertungen angesichts der Spreads, die wieder auf ihrem Jahrestief und nahe dem 18-Jahres-Tief liegen, hoch erscheinen, ist die renditetechnische Nachfrage der Käufer in Verbindung mit soliden Fundamentaldaten ein wichtiger erforderlicher Faktor, damit die Spreads nachhaltig aus ihrer jüngsten Handelsspanne ausbrechen können.

Die Gesamtrenditen bleiben ein wichtiger Treiber für die Nachfrage in dieser Anlageklasse. Die Fundamentaldaten der Unternehmen sind weiterhin solide: Die Verschuldung und andere wichtige Indikatoren sind im Allgemeinen besser als im langfristigen Durchschnitt, selbst nach dem Renditeanstieg. Dies steht im Gegensatz zur Verschlechterung der Staatshaushalte, wo sich die Haushaltsdefizite und die steigende Staatsverschuldung immer deutlicher bemerkbar machen. Wir befinden uns daher in einer Situation, in der trotz enger Spreads ein Handel innerhalb einer engen Bandbreite auf kurze bis mittlere Sicht weiterhin möglich ist.

Mit Blick auf die Zukunft erwarten wir für 2026 ein höheres Bruttoangebot, das durch den Finanzierungsbedarf für KI-Rechenzentren, die erhöhte Emissionstätigkeit US-amerikanischer Emittenten und eine Belebung der M&A-Aktivitäten in Europa getrieben wird. Allerdings dürften längere Laufzeiten und höhere Kuponzahlungen einen bedeutenden Ausgleich schaffen, sodass das Nettoangebot im historischen Vergleich überschaubar bleibt. Wichtig ist, dass der Markt bisher höhere Emissionen ohne Schwierigkeiten absorbiert hat; die Nachfrage bleibt stark, und Hyperscaler haben weiterhin Zugang zu Finanzmitteln mit begrenzten Zugeständnissen – ein Bereich, den wir weiterhin beobachten werden.

Wir sind leicht long positioniert, halten es jedoch für sinnvoll, einige Absicherungen beizubehalten, da Marktstörungen, verursacht durch Zölle, KI-getriebenes Angebot, Geopolitik und andere Faktoren, wieder auftreten könnten. Im Kreditbereich bevorzugen wir weiterhin Finanzwerte – sowohl Banken als auch Versicherungen – sowie ausgewählte Industriesektoren, die ein attraktives relatives Wertpotenzial und ein begrenztes Risiko in Bezug auf Zölle oder Konjunkturschwankungen bieten (z. B. Transport). Wir bleiben bei Emittenten und Sektoren, bei denen wir der Ansicht sind, dass makroökonomische, strukturelle oder zollbezogene Risiken nicht angemessen eingepreist sind, wie z. B. Automobile, untergewichtet.

(Bildquelle: T. Rowe Price)

Ein Beitrag von Howard Woodward

Er ist Co-Portfoliomanager der T. Rowe Price European Corporate Bond Strategies.

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