Die deutsche Volkswirtschaft wird im Jahr 2026 vor allem aufgrund staatlicher Investitionen zur Ertüchtigung der Infrastruktur und zur Verbesserung der Verteidigungsfähigkeit erstmals seit 2022 wieder ein nennenswertes Wachstum verzeichnen. Ein selbsttragender Aufschwung mit steigenden privaten Investitionen und einem dynamischeren Konsum ist jedoch bisher nicht absehbar, auch wegen einer weiter schwachen Exportnachfrage. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Bundesregierung doch noch grundlegende Strukturreformen zur Stärkung der Standortqualität lanciert, denn der Druck von Wirtschaft, Verbänden, Wissenschaft und nicht zuletzt durch schwache Umfragen und die anstehenden Landtagswahlen dürfte weiter zunehmen.
Während die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen vorerst unverändert belassen dürfte, sind in den USA angesichts zunehmender politischer Einflussnahme auf die Geldpolitik weitere Zinssenkungen zu erwarten – trotz anhaltend hohem Inflationsdrucks. Den Sorgen über stark steigende Lebenshaltungskosten und damit den sinkenden Zustimmungswerten für die Politik Donald Trumps könnte die US-Regierung mit Blick auf die im Herbst anstehenden Mid-Term-Elections durch fiskalische Impulse (bspw. „2.000-Dollar-Schecks“) begegnen.
Weniger unabhängige Notenbanken und damit höhere Inflationsraten sind im Zuge global steigender Staatsschulden auch in anderen Regionen eine realistische Perspektive. Die Erreichung des realen Kapitalerhalts, also einer positiven Rendite nach Abzug der Inflation, mithilfe von bonitätsstarken verzinslichen Anlagen wird dadurch schwieriger. Bei Anlegern dürften daher realwertorientierte Kapitalanlagen wie Aktien, Edelmetalle und Immobilien gefragt bleiben.
Einige Unternehmen werden zudem von staatlichen und privatwirtschaftlichen Aufträgen zur Steigerung der Resilienz profitieren, bspw. im Segment der Infrastruktur, des Gesundheitswesens oder der Digitalisierung. Der Fokus bei Künstlicher Intelligenz wird sich zunehmend auf die Implementierung in bestehende Prozesse in nahezu allen Branchen und damit erhoffte Produktivitätsfortschritte richten.
Bitcoin dürfte von immer mehr Menschen als Wertspeicher und zur Risikodiversifikation genutzt werden. Beim US-Dollar hingegen sind weitere Abwertungen wahrscheinlich. Dessen Status als „sicherer Hafen“ der Kapitalanlage und das Ansehen als Weltleitwährung nehmen durch die unberechenbare Politik der Trump-Administration zusehends Schaden.
Ein Beitrag von Carsten Mumm
Er ist Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel. Das Traditionshaus mit Sitz in Hamburg und München setzt auf qualifizierte und umfassende Beratung für vermögende Privatkunden, Unternehmer, Immobilienkunden und institutionelle Kunden.
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