Kommen die Reformen oder geht die Industrie? Und was macht die Börse?

Echte und nachhaltige Senkungen von Steuern, Abgaben und Abbau von Bürokratie wären dringend geboten, stattdessen werden teure Wahlversprechen eingelöst.

(Bildquelle: unsplash / mostafa meraji)

Die schwarz-rote Koalition hat langsam aber sicher das erste Jahr ihrer Regentschaft „hinter sich gebracht“, und über die Erfolgsbilanz der Regierung, die sicher mehr „Zweckgemeinschaft“ als „Liebesheirat“ ist, kann schon jetzt diskutiert werden.

Relativ klar sind dabei zwei Dinge: Die wirtschaftliche Lage mit einer bereits historisch langen Rezession ist hoch problematisch, während gerade wirtschaftliche Reformen weiterhin höchst zögerlich angepackt werden. Echte und nachhaltige Senkungen von Steuern, Abgaben und Abbau von Bürokratie wären dringend geboten, stattdessen werden teure Wahlversprechen an die seniore Kernwählerschaft eingelöst.

Die Konsequenzen dieser Politik werden 2026 möglicherweise durch das große schuldenfinanzierte Infrastruktur- und Rüstungspaket übertüncht. Aber in der Sache, sprich der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, ändert sich ohne die bereits ausgeführten Reformen sicherlich nichts, zumal der internationale Wettbewerb insbesondere aus Fernost sich dramatisch intensiviert hat, was deutsche und europäische Firmen schon unabhängig von der Politik unter Druck setzt.

Wenn die Politik nicht oder viel zu zögerlich handelt, und diesen Eindruck kann man am Ende des Jahres 2025 sicher nicht abstreifen, dann handeln andere: Es ist leider zu befürchten, dass weiter Wertschöpfung ins Ausland verlagert wird. Seit Jahren lässt sich deutlich beobachten und objektiv etwa an den aggregierten Investitionsströmen messen, dass erhebliche Produktionskapazitäten ins Ausland verlagert werden.

Die Standort-Thematik wird uns also erhalten bleiben. Als Staatsbürger muss man dies befürchten. Und als Anleger? Tatsächlich nicht. „Deutsche Aktien“ sind schon jetzt eher Anteile an multinationale Konzerne mit Firmenstammsitz in Deutschland. Die Abkopplung der wesentlichen deutschen Aktienindizes von der trüben wirtschaftlichen Lage der Nation, die wir bereits seit Jahren sehen, ist komplett rational. Weitere Verlagerungen in günstigere und wirtschaftsfreundliche Regionen sind oftmals sogar werttreibend. Aktionäre können deshalb mit Bezug auf den Standort Deutschland tatsächlich ruhig schlafen, Politiker sollten es nicht.

Bildquelle: pfp Advisory

Ein Beitrag von Roger Peeters

Er ist ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Christoph Frank steuert der seit über 25 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten DWS Concept Platow Fonds (WKN: DWSK62) sowie den pfp Advisory Aktien Mittelstand Premium (WKN: A3CM1J). Peeters ist weiterhin im Ehrenamt stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) e.V.

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Twitter: @Roger_Peeters

 

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