Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

In der Handelswoche vor Weihnachten gab es noch einmal starke Bewegungen – auf der Unterseite. Von einer Weihnachtsrallye musste man sich in diesem Jahr somit verabschieden. Sie war auch nicht wirklich in Sicht, wie ich bereits in der Vorwoche skizzierte. Unser DAX (ISIN DE0008469008 | WKN 846900) verbuchte einen Verlust von 2,1 Prozent doch noch stärker erwischte es die Wall Street. Knapp 7 Prozent verlor der Dow Jones in der vergangenen Woche und der Technologiesektor Nasdaq büßte sogar mehr als 8 Prozent ein.

Doch wie vor einer Woche startete der DAX auch in dieser Handelswoche noch recht optimistisch, leitete aber recht schnell den Rückzug ein. Jeder Handelstag eröffnete im Vergleich zum Vortag tiefer und sorgte damit für eine Abwärtstendenz:

 

 

Während bis Mittwochabend noch der Bereich von 10.830 Punkten immer wieder angelaufen werden konnte, brachen nach der dort stattfindenden FED-Sitzung alle Dämme im Sinne des Kaufinteresses. Es kam zur vierten Zinsanhebung in diesem Jahr, was an der Wall Street erwartet wurde. Sie basiert auf der Einschätzung der US-Notenbank, dass die US-Wirtschaft weiterhin robust wächst. In der Pressekonferenz war vom:

…stärksten Jahr seit der Finanzkrise…

die Rede, wie das Handelsblatt im Nachgang zitierte. Dabei ließen sich die Währungshüter nicht von US-Präsident Donald Trump beeinflussen, welcher ein sanfteres Vorgehen forderte.

 

Jerome Powell geht in die Geschichte ein

 

 

Im DAX sorgte dieser Impuls für ein Verlassen der Schiebezone:

 

Natürlich gab es hierbei für Trader auch entsprechende Chancen, mit Long-Engagements an der Marktbewegung zu partizipieren. Denn gerade solche Range-Bereiche üben immer wieder starke Anziehungskräfte aus und sind damit entsprechende Trading-Ziele. So beispielsweise an dieser Stelle einmal zeitnah dokumentiert:

 

 

Der große Trend ging dann allerdings wieder nach unten. Unter Beachtung dieser Zeitebenen war vor allem die Wall Street hier der Taktgeber und sorgte immer wieder für entsprechende Einstiegssignale in Shorts. Auch dazu habe ich im Livetrading einige Signale dokumentiert und auf nextmarkets aufgezeigt:

 

 

Nach dem FED-Abend ging es sogar noch tiefer und am Freitag nahm die Dramatik sogar bis zum Handelsende hin zu:

 

 

Hinzu kam der drohende Shutdown in den USA, welcher dann am Freitagabend ausgerufen wurde. Alles keine guten „Bescherungen“ für unseren DAX. Er markierte dabei, wie eingangs schon „verraten“, ein neues Jahrestief und schickt sich mit einer Monatsperformance von minus 5,5 Prozent an, den schlechtesten Monat des Jahres zu markieren. Statistisch eine Seltenheit, doch so überraschend und spannend ist der Börsenhandel nun einmal. Das neue Jahrestief ist im Tageschart deutlich sichtbar:

 

Die Dynamik ist hierbei auch einen Blick zu erkennen und auch der Trend entsprechend zu sehen:

 

Dieser Zustand ist sicherlich nicht beliebig fortsetzbar, sonst würde der Index schon im kommenden Jahr auf Null fallen. Er zeugt jedoch von starker Dynamik auf der Unterseite und mahnt damit weiterhin zur Vorsicht. Hohe Schwankungen gehen mit diesen Bewegungen einher. An Ihr Risikomanagement möchte ich damit an dieser Stelle eindringlich appellieren!

 

Zoomt man dieses Chartbild noch weiter auf, ergeben sich selbstverständlich bei dieser Schwankungsbreite auch Long-Chancen. Wer bei Kursen um 13.500 im DAX mit dem Kauf gezögert hatte, kann nun rund 20 Prozent billiger in den Markt gelangen. Gerade für langfristig orientierte Anleger ist dies eine spannende Situation und eine Gelegenheit, auf die man rund zwei Jahre warten musste. Auf genau diesem Niveau sind wir nämlich aktuell wieder angelangt – den Kurslevels aus Sommer 2016.

 

Dort hatten wir eine längere Konsolidierungsphase vor dem Aufschwung Ende 2016 / 2017. Es ist daher recht wahrscheinlich, dass wir hier auch erst einmal zur Ruhe finden könnten und im Bereich von 10.400 bis 10.850 über einige Zeit pendeln. Immerhin hat der DAX im laufenden Jahr nun bereits 18 Prozent verloren.

Soweit ist das im großen Bild mein grobes Szenario, was dann für das Trading mit konkreten Ideen gefüllt wird. Dazu zoome ich wieder hinein und blicke auf den Stundenchart für ein genaueres Bild. Zweifelsohne ist auch hier der Abwärtstrend zu erkennen:

 

Ebenso jedoch auch ein mögliches Doppeltief. Um 10.480 Punkte war der Index zumindest im Endloskontrakt von XTB oder anderen außerbörslichen Trading-Kursanbietern zu sehen, im XETRA-Chart war das Tief bei 10.512 Punkten am Freitag. Hier verläuft auch das Jahrespivot im DAX. Von diesem Niveau aus könnte somit eine Gegenbewegung bis vorerst 10.630 Punkten starten, um bei Dynamik sogar in Richtung der Trendlinie zu starten. Ziel wäre hierbei dann der Bereich um 10.740 bis 10.760 Punkten, welcher an drei Handelstagen das Schlusslevel im XETRA-Handel bildete:

 

 

Weiter im Trend sind keine kurzfristigen Ziele auf der Unterseite im Chartbild ersichtlich, so dass ich hier die Methode des Stopp-Nachziehens anwenden würde. Dies bedeutet, bei der Analyse möglicher Long-Ziele, diese im Trading der Unterseite als Stopp zu verwenden. Konkret muss ein bereits vollzogenes Engagement nach diesem Stundenchart spätestens bei 10.630 Punkten abgesichert sein.

Als Impuls wird sicherlich die offene Frage nach dem US-Haushalt herhalten. Immerhin ist dieses Wochenende ein Shutdown verhängt worden, welcher einen großen Teil des Lebens in den USA beeinflusst. Mit einer Einigung ist am 24.12. oder 27.12. frühestens zu rechnen. Kommt sie nicht, dürften hieraus weitere Unsicherheiten und vor allem Auswirkungen auf die US-Wirtschaft entstehen.

Wegen der Weihnachtsfeiertage sind zumindest die Voluminas an den Märkten weitaus geringer als üblich. Dennoch oder gerade deswegen kann es noch einmal zu starken Bewegungen kommen. Ein Blick auf die Daten aus dem Wirtschaftskalender ist daher unabdingbar. Hierbei ist der Case-Shiller Immobilienpreisindex am Mittwoch 15 Uhr zu nennen, die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA am Donnerstag 14.30 Uhr und 16 Uhr die Hausverkäufe sowie das Verbrauchervertrauen zu nennen. Die Verbraucherpreise aus Deutschland und das Verbrauchervertrauen in den USA runden den Freitag für die letzte vollständige Handelswoche des Jahres ab. Dabei wird nur am 27. und 28. Dezember noch gehandelt.

 

Kommen Sie gut durch die Feiertage und entspannen Sie sich etwas von den Turbulenzen, damit es mit neuer Energie weitergehen kann. An dieser Stelle schon einmal ein herzliches Dankeschön für Ihr Interesse an meinen Gedanken. Falls der Weihnachtsmann auch bei Ihnen vorbeikommt, seien Sie ehrlich zu ihm und nehmen Sie sich unbedingt für das kommende Handelsjahr etwas vor! Mein „Zielgespräch“ hatte ich heute Morgen bereits 🙂

 

 

In diesem Sinne alles Gute und ein frohes Fest – Ihr Andreas Mueller (Bernecker1977)

 

 

Risikohinweis: Der Handel mit Finanzprodukten ist risikoreich. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren. Diese Analyse ist keine Handelsempfehlung und enthält lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Sämtliche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden.

 

 

andreasmuellerAndreas Mueller ist unter dem Pseudonym „Bernecker1977“ als Trader, Referent und Coach seit 2001 aktiv. Er handelt seit rund 20 Jahren Indizes, Devisen und Rohstoffe an der Börse mit Futures, Derivaten und CFDs. Dabei basiert sein Trading auf Sentimentdaten und Charttechnik. Als studierter Diplom-Kaufmann streut Andreas Mueller seine Erfahrungen u.a. auf wallstreet-online seit dem Jahr 2005 in den „Tages-Trading-Chancen“ ein und ist dort Ansprechpartner für alle börsenrelevanten Fragen. Auf markteinblicke.de analysiert er den DAX mit Hilfe der Charttechnik. Weitere Informationen erhalten Sie in seinem Facebook-Kanal und auf seinem Blog www.bernecker1977.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Andreas Mueller / Pressefoto Deutsche Börse AG

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