Der Wochenstart hätte harmonischer verlaufen können. Während die meisten von uns noch den Sonntagskaffee genossen, wurde jenseits des Atlantiks bereits fleißig gepostet. Das Resultat: Der DAX eröffnete den Montag mit einem deutlichen Kursrutsch und musste um die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten bangen. Schuld an der Misere? Ein Streit um eine Insel, die so weit im Norden liegt, dass selbst Eisbären zweimal überlegen, ob sie dort bleiben wollen.
Doch Spaß beiseite: Die Androhung von Strafzöllen – zunächst 10 Prozent ab Februar, später sogar 25 Prozent – auf Importe aus acht europäischen NATO-Ländern hat die Märkte eiskalt erwischt. Dass diese Maßnahmen ausgerechnet mit territorialen Ambitionen begründet werden, verleiht dem Ganzen eine geradezu absurde Note. Man könnte meinen, wir hätten eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert unternommen, als Großmächte noch munter Landkarten neu zeichneten. Nur dass heute statt Kanonenschüssen eben Zölle abgefeuert werden.
Die gute Nachricht: Bis zum 1. Februar bleiben noch zwei Wochen für Verhandlungen. Die schlechte: Die Europäische Union scheint diesmal nicht gewillt, klein beizugeben. Was folgen könnte, ist eine Eskalationsspirale aus Zöllen und Gegenzöllen, die niemandem wirklich nützt – außer vielleicht jenen, die ihr Portfolio rechtzeitig defensiv ausgerichtet haben. Die EU-Spitzen haben bereits für diese Woche einen Sondergipfel angekündigt. Man darf gespannt sein, ob dort Beschwichtigungsrhetorik oder Kampfansagen dominieren werden.
Besonders hart trifft es – wenig überraschend – die deutsche Automobilindustrie. BMW (WKN: 519000 / ISIN: DE0005190003), Volkswagen (WKN: 766403 / ISIN: DE0007664039) und Mercedes-Benz (WKN: 710000 / ISIN: DE0007100000) verloren allesamt über 3 Prozent. Wer Autos in die USA exportiert, schaut in diesen Tagen ziemlich nervös über den Atlantik. Auch Technologiewerte zeigten sich schwach, während Rüstungswerte wie Rheinmetall, Renk und Hensoldt von der geopolitischen Unsicherheit regelrecht beflügelt wurden. Wenn Diplomatie versagt, profitiert eben die Verteidigungsindustrie – eine bittere, aber altbekannte Börsenweisheit.
Deutlich heiterer präsentiert sich die Stimmung bei den Edelmetallen. Gold kletterte auf ein neues Rekordhoch von knapp 4.700 Dollar, Silber legte sogar noch stärker zu und erreichte 94 US-Dollar. In unsicheren Zeiten flüchten Anleger traditionell ins Glänzende – und die aktuelle Gemengelage liefert Unsicherheit im Überfluss.
Während in Davos heute das Weltwirtschaftsforum startet und sich Notenbanker, Regierungschefs und Wirtschaftslenker aus über 90 Ländern treffen, um über globale Herausforderungen zu sinnieren, zeigt sich an den Märkten einmal mehr: Die größten Verwerfungen entstehen oft nicht durch durchdachte Strategien, sondern durch spontane Ankündigungen am Wochenende. Bleibt zu hoffen, dass die kommenden Tage mehr Klarheit als neue Überraschungen bringen.
Unser Fazit am Mittag: Der DAX startet holprig in die neue Woche. Bleibt abzuwarten, ob die Politik in den kommenden Tagen deeskaliert – oder ob wir uns auf weitere turbulente Handelstage einstellen müssen. Nervenstärke ist gefragt.







