Amazon geht gigantische KI-Wette ein

Amazon plant 200 Mrd. US-Dollar für KI und Cloud – selbst ein negativer Free Cashflow 2026 wird in Kauf genommen. Zahlt sich die Milliardenwette langfristig aus?

(Bildquelle: Getty Images für Unsplash+)

Im Zuge der Berichtssaison zum vierten Quartal 2025 hatten sich die großen US-Tech-Konzerne im Hinblick auf die Prognosen der Investitionsausgaben für 2026 regelrecht überboten. Haupttreiber ist dabei die Künstliche Intelligenz. Amazon (WKN: 906866 / ISIN: US0231351067) hatte am Ende für besonders großes Erstaunen gesorgt, sodass sich Anleger fragen, ob sich diese Investitionen rentieren werden.

Negativer Free Cashflow bei Amazon?

Die Facebook-Muttergesellschaft Meta Platforms hatte für das laufende Geschäftsjahr 2026 Investitionsausgaben in Höhe von 125 Mrd. US-Dollar veranschlagt, bei der Google-Mutter Alphabet sind es 175 bis 185 Mrd. US-Dollar, während Amazon unglaubliche 200 Mrd. US-Dollar an Investitionsausgaben stemmen will. Der Wert liegt um mehr als 50 Mrd. US-Dollar über den vorherigen Konsensschätzungen. Analysten hatten zudem für 2026 einen operativen Cashflow in Höhe von rund 185 Mrd. US-Dollar modelliert, sodass der Free Cashflow negativ ausfallen könnte.

Anleger reagierten zunächst wenig begeistert. Seit Bekanntgabe der Q4-Zahlen verlor die Amazon-Aktie rund 12 Prozent an Wert. Ähnlich wie in der Vergangenheit wird der E-Commerce-Riese auf Rendite verzichten, um kräftig in Wachstum investieren zu können. Mit der im Zuge der KI-Revolution erforderlichen Rechenleistung stoßen die Investitionen jedoch in ganz neue Dimensionen vor.

Es soll vor allem die Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) gestärkt werden, während Teile der Investitionsausgaben auch in maßgeschneiderte KI-Chips fließen sollen. In einer Telefonkonferenz verteidigte CEO Andy Jassy die hohen Ausgaben. Er sei „zuversichtlich“, dass die Cloud-Sparte eine „starke Kapitalrendite“ erzielen werde, ohne jedoch zu sagen, wann dies geschehen könnte. Auch einige Analysten bleiben vom Erfolg der Investitionsoffensive überzeugt.

Amazon setzt voll auf KI

Dass sich die Amazon-Investitionen schnell auszahlen könnten, sagt beispielsweise Citigroup-Analyst Ronald Josey. So würde AWS „eindeutig eine beeindruckende“ Nachfrage nach KI-Lösungen verzeichnen, wobei die Monetarisierung schnell auf Kapazitätserweiterungen folgen würde. Als Beispiele hierfür werden die Trainium- und Graviton-Chips mit einem Jahresumsatz von über 10 Mrd. US-Dollar genannt.

Justin Post, Analyst bei der Bank of America, hatte als Reaktion auf die jüngsten Zahlen zwar sein Kursziel für die Amazon-Aktie von 286,00 auf 275,00 US-Dollar gesenkt, jedoch die „Buy“-Einschätzung bestätigt. Die Aktie habe aus Analystensicht unter Druck gestanden, wahrscheinlich aufgrund einer Kombination aus Amazons Investitionsausblick, der niedrigeren Margenprognose für das erste Quartal sowie der Aussicht auf einen negativen Free Cashflow im Jahr 2026.

Transformation ist in vollem Gange

Die Kapazitätserweiterung wird aus Analystensicht zwar in den kommenden Quartalen zu Margenschwankungen führen, der Experte geht jedoch davon aus, dass diese Kapazitäten im Rahmen der branchenübergreifenden Transformation des KI-Geschäfts voll ausgeschöpft werden und Amazon dabei helfen werden, seine Wettbewerbsfähigkeit in einem sehr attraktiven Sektor zu erhalten.

Eric Sheridan, Analyst bei Goldman Sachs, sieht seinerseits Amazon für eine zukünftige Outperformance gut positioniert, da die Margen im E-Commerce weiterhin von höheren Volumina in einem effizienteren Logistiknetzwerk und geringeren Kosten pro Einheit profitieren würden. Außerdem werde das margenstarke Werbegeschäft weiter wachsen, während AWS von einer langfristigen strukturellen Wachstumschance aufgrund der sich wandelnden Bedürfnisse von Unternehmenskunden profitiere, die durch den Anstieg der GenAI-Workloads begünstigt werde.

Mein Fazit

Amazon geht mit seiner massiven Investitionsoffensive bewusst ein hohes Risiko ein und stellt kurzfristige Profitabilität zugunsten langfristigen Wachstums zurück, inklusive der Aussicht auf einen negativen Free Cashflow im Geschäftsjahr 2026. Gleichzeitig sehen viele Analysten in der strategischen Fokussierung auf KI und Cloud eine notwendige Weichenstellung, um die Wettbewerbsfähigkeit in einem strukturell stark wachsenden Zukunftsmarkt zu sichern. Sollte es Amazon gelingen, die steigende KI-Nachfrage zügig zu monetarisieren und die neuen Kapazitäten effizient auszulasten, könnten sich die hohen Investitionen langfristig auszahlen.

Als Alternative zu einem Direktinvestment in Amazon käme auch ein Indexzertifikat auf den Magnificent 7 Index (WKN: DA0AC0 / ISIN: DE000DA0AC05) infrage. Bei den Magnificent 7 handelt es sich um die sieben Technologiewerte Meta Platforms, Alphabet, Microsoft, Amazon, Apple, NVIDIA und Tesla.