Mercedes-Benz weigert sich, den Kopf in den Sand zu stecken

Der Autobauer Mercedes-Benz rutscht zum 140. Jubiläum in die Krise: Umsatz und EBIT brechen ein. Hoffnung bleibt – doch ist es für Anleger noch zu früh?

(Bildquelle: Pressefoto Mercedes-Benz)

Volkswagen hatte auf magische Weise noch irgendwo 6 Mrd. Euro gefunden. Dieses Glück war Mercedes-Benz (WKN: 710000 / ISIN: DE0007100000) nicht vergönnt. Allerdings hatten die Schwaben im Gegensatz zu VW auch nicht mit einem Free Cashflow um die Nulllinie für das Geschäftsjahr 2025 gerechnet.

Alle Beteiligten müssen den Gürtel enger schnallen

Wie schwierig die Lage für Mercedes-Benz ist, konnte man jedoch nahezu an sämtlichen Zahlen und Prognosen ablesen. Im Industriegeschäft mit den Fahrzeugsegmenten Mercedes-Benz Cars, Daimler Trucks, Mercedes-Benz Vans und Daimler Buses fiel der Free Cashflow im Vorjahresvergleich um 40,8 Prozent auf 5,4 Mrd. Euro zurück.

Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) schrumpfte konzernweit sogar um 57,2 Prozent auf 5,8 Mrd. Euro, während der den Anteilseignern zurechenbare Nettogewinn um 49,6 Prozent auf 5,1 Mrd. Euro zurückging. Der Konzernumsatz belief sich auf 132,2 Mrd. Euro nach 145,6 Mrd. Euro ein Jahr zuvor.

Die Produktion der Mercedes-Benz E-Klasse im Werk Sindelfingen. (Bildquelle: Pressefoto Mercedes-Benz)

Als Reaktion müssen alle Beteiligten den Gürtel enger schnallen. So will der Vorstand auf der Hauptversammlung am 16. April 2026 eine Dividende von 3,50 Euro je Aktie vorschlagen. 2024 gab es noch 4,30 Euro. Immerhin verbleibt im Rahmen des laufenden Aktienrückkaufprogramms für 2026 ein Rückkaufvolumen von bis zu 1,7 Mrd. Euro.

Besserung lässt auf sich warten

Für den schwäbischen Traditionskonzern ergibt sich ein unglückliches Timing, da man ausgerechnet zum 140. Jubiläum in einer der schwersten Krisen der Unternehmensgeschichte steckt. Die US-Zölle machen vielen Branchenvertretern zu schaffen. Zudem wird die heimische Konkurrenz in China immer stärker, während der vollständige Schwenk auf Elektrofahrzeuge zu früh kam und man hier zurückrudern musste. Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Für 2026 rechnet das Management mit einem Konzernumsatz auf Vorjahresniveau.

Die Zeiten sind vorbei: 2022 stellte man mit Blick auf China den Mercedes-Maybach GLS 600 4MATIC „Edition 100“ vor. (Bildquelle: © Mercedes-Benz AG)

Immerhin soll das Konzern-EBIT deutlich über dem Vorjahr liegen. Hier hilft der Umstand, dass weniger Restrukturierungsaufwendungen anfallen. Der Free Cashflow aus dem Industriegeschäft dürfte laut Managementprognose wiederum leicht unter dem Niveau von 2025 liegen. Die bereinigte Umsatzrendite wird bei 3 bis 5 Prozent für Mercedes-Benz Cars gesehen und bei 8 bis 10 Prozent für Mercedes-Benz Vans. 2025 lagen die entsprechenden Werte auf bereinigter Basis bei 5,0 bzw. 10,2 Prozent.

Goldman-Sachs-Analyst Christian Frenes verwies mit Blick auf die jüngsten Mercedes-Benz-Zahlen vor allem darauf, dass Analysten nun ihre Ergebnisschätzungen für 2026 senken dürften, während das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) die Konsensschätzung laut Bernstein-Analyst Stephen Reitman bereits im Vorjahr um 29 Prozent verfehlt habe. Auch RBC-Capital-Analyst Tom Narayan verweist mit Blick auf die Zahlen auf eine negative Überraschung. Jose Asumendi, Analyst bei J.P. Morgan, sieht für 2026 einen starken Free Cashflow und damit auch etwas Positives.

Das marktEINBLICKE-Fazit

Mercedes-Benz befindet sich in einer spürbar angespannten Phase, die sich deutlich in nahezu allen Kennzahlen widerspiegelt. Rückläufige Umsätze, ein massiv gesunkenes EBIT sowie ein deutlich reduzierter Free Cashflow zeigen, wie stark das Unternehmen unter dem schwierigen Marktumfeld, geopolitischen Belastungen und strategischen Fehljustierungen leidet. Es wäre ein Leichtes, nun den Kopf in den Sand zu stecken. Es sind jedoch einige Hoffnungsschimmer auszumachen – und wenn dies auch nur der Hinweis darauf ist, dass man in seiner 140-jährigen Geschichte bereits einige Krisen meistern konnte. Für Anleger käme ein Einstieg in die Mercedes-Benz-Aktie aber noch zu früh.