Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

Das Jahr 2018 war das erste Jahr, in dem die größten sechs amerikanischen Banken zusammen mehr als 100 Milliarden Dollar Jahresgewinn erwirtschafteten. Und nach den Zahlen von Goldman Sachs gestern sprang die Aktie um zehn Prozent nach oben, weil die hoch gesteckten Erwartungen noch einmal übertroffen wurden. Präsident Donald Trump sei Dank, denn die US-Banken sind dank seiner Steuerreform ihrer deutschen Konkurrenz weit voraus. Hierzulande denkt man dagegen darüber nach, ob die beiden größten Banken zwangsverheiratet werden müssen, weil sie sonst vielleicht nicht mehr überleben.

Auch das einer von mehreren Gründen, warum der deutsche Aktienmarkt der Wall Street seit Monaten nur noch hinterherläuft, bzw. wie heute fällt, wenn die US-Börsen sich zumindest stabilisieren. So rutscht der DAX heute unter die Unterstützung von 10.900 Punkten und gibt damit den Kampf um die 11.000er Marke auf, weshalb sich die technische Situation in Frankfurt wieder verschlechtert. Neue Hiobsbotschaften aus London oder ausbleibende positive Signale von den Handelsgesprächen zwischen der USA und China könnten in den kommenden Tagen den Abwärtstrend im DAX beschleunigen.

Man darf aber nicht vergessen, womit der Vorsprung der Wall Street erkauft wurde – die Schuldenuhr der US-Regierung steht heute bei 21,9 Billionen Dollar. 2004, vor der Finanzkrise, stand sie noch bei sieben Billionen Dollar. Also in 15 Jahren eine Verdreifachung der Schulden. Da ist es wenig verwunderlich, dass die Regierung seit Wochen ein Problem hat, die Schuldengrenze nach oben zu setzen. Die Spirale ist auch deshalb gefährlich, weil jetzt eine Phase im Zyklus erreicht sein könnte, in der die Steuereinnahmen sinken, während die Zinsen steigen. Auch das Beige Book gab zuletzt Hinweise auf eine schwächere US-Wirtschaft in den kommenden Monaten.

Es könnte also bald die Zeit gekommen sein, in dem sich der Wind wieder mehr in Richtung Europa dreht und Kapital von den Investoren umgeschichtet wird.

Jochen Stanzl

Ein Beitrag von Jochen Stanzl

Er ist Chef-Marktanalyst bei CMC Markets, Frankfurt. Davor war Jochen Stanzl über 15 Jahre bei der BoerseGo AG als Finanzmarktanalyst tätig und hat unter anderem die Portale GodmodeTrader, Jandaya und die Investment- und Analyseplattform Guidants mit aufgebaut und als erfolgreiche Kanäle in der deutschen Trading-Community etabliert. Sein analytischer Fokus liegt auf der Kombination aus technischer und fundamentaler Analyse von Währungen, Rohstoffen, Anleihen und der weltweiten Aktienmärkte.

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Bildquellen: CMC Markets / Pressefoto Deutsche Börse AG

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