Die historische Schwäche des US-Dollar

Der US-Dollar schwächelt historisch – steckt dahinter nur eine Phase oder der Beginn einer neuen Währungsära? Warum Sanktionen, geopolitische Spannungen und Europas Ambitionen die globale Reserveordnung verändern könnten.

(Bildquelle: unsplash / Alexander Grey)

Stellt die historische Schwäche des Dollars den Beginn einer neuen Ära dar? Die derzeitige Schwäche des Dollars wird nicht nur durch Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit der Zentralbanken ausgelöst, sondern auch durch die Sorge, dass die starke Abhängigkeit vom Dollar den USA Macht verleiht, Druck auszuüben, was andere Länder dazu motiviert, nach Alternativen zu suchen.

Die Diversifizierung wurde unter anderem durch häufige Sanktionen im Zusammenhang mit USD-Transaktionen gefördert. Länder wie China, Russland und Indien haben bereits die Verwendung des Dollars zurückgefahren, und angesichts der Drohungen von US-Präsident Trump strebt nun auch Europa aktiv nach einer stärkeren Diversifizierung.

Infolgedessen wird die Dominanz des US-Dollars als weltweit wichtigste Reservewährung wahrscheinlich allmählich abnehmen.

Allerdings gibt es sonst nur wenige Währungen, die mit den einzigartigen Eigenschaften des Dollars mithalten können. Der chinesische Renminbi etwa unterliegt strengen Kapitalkontrollen, und obwohl der Euro diese Lücke füllen könnte, ist sein Markt aufgrund des Fehlens gemeinsamer Eurobonds und einer voll entwickelten Kapitalunion weniger liquide.

Der Status als Reservewährung beruht nicht zuletzt auf großen, liquiden und miteinander verbundenen Finanzmärkten sowie politischer Stabilität und wirtschaftlicher Stärke. Sollte Europa diese Standards erfüllen, könnte es eine größere Rolle als globale Reservewährung spielen.

Mit Blick auf die Zukunft könnte der US-Dollar seinen Ruf als sicherer Hafen verlieren und in Zeiten der Unsicherheit nicht mehr an Wert gewinnen.

Kurzfristig hängen die Aussichten von den anhaltenden Bedrohungen für die Unabhängigkeit der Federal Reserve und dem Ausgang der Zwischenwahlen ab, die zu einer geteilten Regierung führen könnten, die Trumps Einfluss einschränkt.

Ein Beitrag von Jacob Vijverberg

Er ist Head of Asset Allocation bei Aegon Asset Management.

 

 

 

 

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