Während das ETF-Universum weiter wächst, vollzieht sich ein grundlegender Wandel: Anleger beschränken sich nicht mehr auf den einfachen Einstieg in den Markt, sondern orientieren sich zunehmend an ergebnisorientierten Strategien. Dina Ting, Head of Global Index Portfolio Management, erläutert, wie verschiedene indexbasierte ETF-Strategien eingesetzt werden, um Portfolios zu gestalten, die auf bestimmte Ziele ausgerichtet sind, anstatt nur auf Marktschwankungen zu reagieren.
Nachdem mehrere Jahre lang das Wachstum uneinheitlich war, sich die Zinserwartungen verschoben haben und die Märkte stark auseinander gingen, steht nun erneut eine bekannte Frage im Vordergrund: Welche Ziele wollen wir mit unseren Portfolios erreichen?
Es ist eine Frage, die in großem Maßstab gestellt wird. Allein im Jahr 2025 verzeichneten weltweit börsengehandelte Fonds (ETFs) etwa 2,24 Billionen US-Dollar Netto-Zuflüsse und stellten damit Rekorde nicht nur bei den Zuflüssen, sondern auch bei Handelsvolumina und Neuemssionen auf. Dieses Wachstum zeigt, wie fest ETFs sich als wichtigstes Instrument für Portfolioänderungen etabliert haben – getrieben von sich wandelnden Marktbedingungen und einer wachsenden Nachfrage nach transparenteren Anlageergebnissen. Da sich die immer mehr Vermögenswerte in ETFs konzentrieren, ist die Frage nicht mehr, ob Anleger ETFs nutzen, sondern wie sie sie nutzen.
ETFs sind seit Langem für Liquidität, Transparenz und einfache Umsetzung geschätzt und werden zunehmend mit gezielter eingesetzt, da sich der Portfolioaufbau von der reinen Verfügbarkeit hin zur Zielsetzung verlagert. Neben dem anhaltenden Interesse an aktiv verwalteten ETFs hat auch thematisches Investieren an Bedeutung gewonnen. Damit beobachten wir auch eine erneuerte Anerkennung für systematische, regelbasierte Aktienstrategien – oft nicht nur darauf ausgelegt, Märkte nachzubilden, sondern auch die Ergebnisse zu beeinflussen.
Unserer Ansicht nach kann die Ausrichtung thematischer Aufmerksamkeit auf spezifische Ziele oder Faktoren helfen, Überkorrelationen zu verringern und die Ziele der Investoren klarer und disziplinierter umzusetzen.
Innovationen im Bereich der Indexgestaltung haben die Möglichkeiten regelbasierter Strategien erheblich erweitert und ermöglichen es Anlegern, über ein einfaches Marktengagement hinauszugehen und ein gezielteres, ergebnisorientiertes Portfoliomanagement zu betreiben. Egal, ob das Ziel eine geringere Volatilität, eine stärkere risikoadjustierte Rendite, höhere Erträge oder gezielte Faktor- und Sektorexponierung ist, können Multifaktor-ETFs sich gut als gezielte Portfolioinstrumente für die Kernassetallokation eignen. Wichtig ist, dass diese Ansätze eine Disziplin und Transparenz bieten, das durch diskretionäre Entscheidungen schwer aufrechtzuerhalten werden kann, insbesondere in Zeiten erhöhter Marktstreuung.
Dieser Wandel zeigt sich besonders bei Smart Beta-Aktien-ETFs. Im vierten Quartal 2025 erreichten die globalen Nettozuflüsse solcher US-börsennotierten Fonds etwas über 69 Mrd. US-Dollar, etwa 41 Prozent mehr als im Vorquartal. Dies war der größte Quartalsanstieg, der im Laufe des Jahres verzeichnet wurde, und der Höhepunkt zunehmend stärkerer Zuwächse zu Beginn 2025. Bemerkenswert ist, dass Investoren eine starke Nachfrage nach internationalen Dividenden-ETFs zeigten, die von ausländischen Large-Cap-Value-Strategien angeführt wurden und eine Präferenz für Erträge, Bewertung und Diversifikation außerhalb der USA widerspiegeln. Wir sind der Ansicht, dass dies die wachsende Investorenbereitschaft für regelbasierte Aktienstrategien unterstreicht, die Portfolios eher auf bestimmte Faktoren statt auf breite Marktexponierung ausrichten.
Wir sehen zudem einen breiteren Fokus der Investoren darauf, dauerhafte Portfolio-Herausforderungen – wie Konzentrationsrisiko und Rückzahlungssensitivität – systematisch zu gestalten, anstatt einer reaktiven Positionierung.
Regelbasierte thematische ETFs bieten eine praktische Möglichkeit, diese Perspektive auszudrücken. Nehmen wir zum Beispiel nachhaltigkeitsorientierte Strategien. Frühe Generationen von kohlenstoffarmen Investitionen konzentrierten sich oft eng auf Ausschlüsse und reduzierten die Exposition gegenüber den höchsten Emittenten basierend auf historischen Daten. Die heutigen Ansätze sind nuancierter. Zunehmend tendieren Investoren zu systematischen Rahmenwerken, die nicht nur den aktuellen CO₂-Fußabdruck eines Unternehmens bewerten, sondern auch seine Bereitschaft für den Übergang, die Belastung gegenüber physischen Klimarisiken und seine Anpassungsfähigkeit.
Eine ähnliche Logik liegt der Attraktivität von dividendenorientierten Aktienstrategien zugrunde. In einem Umfeld, das von Volatilität und unsicherem Wachstum geprägt ist, ist Resilienz zu einem expliziten Portfolioziel und nicht mehr nur zu einem selbstverständlichen Ergebnis geworden. Dividendenfokussierte ETFs werden zunehmend nicht nur für die Rendite genutzt, sondern auch als Mittel zur Gestaltung des Rendite- und Risikoprofils. In der Vergangenheit haben sie den Schwerpunkt auf Cashflow-Stabilität, Bilanzstärke und Widerstandsfähigkeit gegenüber Abwärtsrisiken gelegt.
Im Jahr 2025 wurde die Gesamtfaktorführung bei Mid-Caps knapp durch Momentum getrieben, was für diversifizierte Multifaktor-Strategien Gegenwind schuf, da Qualität und geringe Volatilität zurückblieben. Die Marktbreite verbesserte sich Ende 2025 und Anfang 2026, wobei die Teilnahme über das Wachstum der Mega-Caps hinaus erweitert wurde. Ein solches Umfeld war historisch gesehen stärker unterstützend für Mid-Cap-Fundamentaldaten und diversifizierte Faktorexposition.
Wir sind der Ansicht, dass das Konzentrationsrisiko in vielen Aktienportfolios erhöht bleibt. Dies unterstreicht die Rolle von Mid-Cap-Multifaktor-Strategien als Möglichkeit zur Diversifizierung der Aktienexponierung. Multifaktoren-Ansätze bleiben auf Konsistenz über Zyklen hinweg ausgelegt, indem sie Momentum mit Qualität, Bewertung und risikobewussten Eigenschaften ausbalancieren, anstatt sich in jedem Marktumfeld auf einen einzelnen Faktor zu verlassen.
Da das ETF-Universum weiter wächst. Mittlerweile sind mehr als 4.000 Produkte in den USA Produkte gelistet. Die Herausforderung besteht weniger im Zugang als vielmehr in der Ausrichtung. Der Unterschied liegt oft nicht darin, ein neuartiges Produkt zu finden, sondern darin, ein Portfolio mit klarer Absicht und der Disziplin zusammenzustellen, um den Kurs durchzuhalten. Unserer Ansicht nach erweisen sich indexbasierte Strategien oft als ausgezeichnete Lösungen, die Transparenz mit klar definierten Regeln zur Erreichung der beabsichtigten Ziele beispielhaft zeigen.
Ein Beitrag von Dina Ting
Sie ist VP ETF Distribution EMA bei Franklin Templeton.
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