Nestlé setzt sich endlich in Bewegung

Unter dem neuen Chef Philipp Navratil soll bei Nestlé Effizienz das Wachstum stützen – Preiserhöhungen allein reichen nicht mehr aus.

(Bildquelle: Nestlé)

Mit Philipp Navratil hat Nestlé (WKN: A0Q4DC / ISIN: CH0038863350) einen neuen Chef. Und wie schon in früheren Fällen wird es auch an ihm liegen, das schwächelnde Wachstum beim weltgrößten Nahrungsmittelkonzern anzukurbeln.

Schwierige Verbraucherstimmung

Ähnlich wie viele andere Konsumgüter- und Lebensmittelunternehmen hatte Nestlé in den vergangenen Jahren von der erhöhten Inflation profitiert. Konsumenten waren vielfach bereit, für bekannte und beliebte Marken etwas tiefer in den Geldbeutel zu greifen. Wie gut, dass der Schweizer Industrieriese besonders viele solcher Marken im Portfolio hat.

Der neue CEO Philipp Navratil baut Nestlé um. (Bildquelle: Nestlé)

So hatte das preisbedingte Wachstum ein wenig die Wachstumsschwäche bei Nestlé übertönt. Dieser Effekt nimmt jedoch immer mehr ab. Angesichts der US-Zölle, der schwierigen Konjunktur und der geopolitischen Unsicherheiten zeigt sich die Verbraucherstimmung in vielen Märkten derzeit nicht gerade von ihrer besten Seite. Konsumenten sind daher immer weniger bereit, die Preisaufschläge für Premiummarken zu bezahlen.

Hinzu kam zu Beginn dieses Jahres mit dem groß angelegten Rückruf von toxinbelasteter Babynahrung ein weiterer Belastungsfaktor. Immerhin konnte Nestlé im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025 noch ein organisches Umsatzwachstum auf Konzernebene von 3,5 Prozent verbuchen. Mit 2,8 Prozent entfiel der Löwenanteil allerdings erneut auf Preissteigerungen. Ein neues Umbauprogramm musste her. Und hier sieht sich das Management auf einem guten Weg.

Nestlé setzt auf Effizienz

In Zukunft soll der Fokus auf die weltweit führenden Geschäftsbereiche Kaffee, Produkte für Heimtiere und Nutrition gelegt werden. Diese machen zusammen immerhin rund 70 Prozent des Umsatzes aus. Daneben hat man weiterhin führende regionale Positionen im Bereich Kulinarikprodukte und Snacks im Blick. Es wird nun auch noch mehr Wert auf Effizienz gelegt. Zu diesem Zweck werden beispielsweise die Bereiche Nutrition und Nestlé Health Science in ein einziges Geschäft integriert.

Der Kult-Schokoriegel KitKat setzt auf nachhaltig angebauten Kakao. (Bildquelle: Nestlé)

Es wurde auch eine „Markenrationalisierung“ ausgerufen. Dazu gehören unter anderem schon weit fortgeschrittene Verhandlungen über den Verkauf des verbleibenden Speiseeisgeschäfts an Froneri. Laut Konzernangaben kommt man bei den Kostensenkungen sogar besser voran als erwartet. Es seien bereits 20 Prozent der angestrebten jährlichen Einsparungen in Höhe von 1 Mrd. CHF durch betriebliche Effizienzsteigerungen im Büroangestelltenbereich früher als geplant erzielt worden.

„Kultureller Wandel“ bei Nestlé

Für 2026 hat Nestlé ein organisches Umsatzwachstum in Höhe von 3 bis 4 Prozent ausgerufen. Darin enthalten seien die erwarteten Auswirkungen von Produktrückgaben und Bestandslücken in Höhe von etwa -20 Basispunkten aufgrund des Rückrufs von Säuglingsnahrung. Die zugrunde liegende operative Ergebnismarge wird sich laut Managementprognose voraussichtlich gegenüber 2025 verbessern „und im zweiten Halbjahr ansteigen“.

Am Markt zeigte man sich mit den jüngsten Fortschritten beim Konzernumbau weitgehend zufrieden. Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy stellte positiv heraus, dass die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2025 bei fast allen wichtigen Kennzahlen über den Erwartungen gelegen hätten. Zudem wurde von einem erfreulichen „kulturellen Wandel“ gesprochen. Ein solcher dürfte auch nötig sein, um den Schweizer Industrieriesen endlich in Bewegung zu setzen.

Das marktEINBLICKE-Fazit

Mit Philipp Navratil an der Spitze scheint es der Schweizer Nahrungsmittelriese Nestlé in Sachen Wachstumsankurbelung und Effizienzsteigerung endlich ernst zu meinen. Die Zeiten, in denen Preiserhöhungen die strukturellen Schwächen überdecken konnten, sind vorbei. Eine eingetrübte Verbraucherstimmung, geopolitische Unsicherheiten und Sondereffekte wie der Rückruf belasteter Babynahrung machen deutlich, dass nachhaltiges Wachstum künftig stärker aus eigener Kraft kommen muss. Positiv ist, dass Nestlé die Zeichen der Zeit erkannt hat und der Umbau zuletzt schneller als erwartet vorangeschritten ist.

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