In Zeiten finanzieller und geopolitischer Belastungen entwickelt sich Gold erfahrungsgemäß gut. Die aktuellen Handelsspannungen, die globalen Konflikte und die fiskalpolitische Unsicherheit in den großen Volkswirtschaften haben diesen Trend noch verstärkt. Aus struktureller Sicht untergraben hohe Staatsschulden, anhaltende Haushaltsdefizite und eine größere Toleranz gegenüber Inflation das Vertrauen in Fiatwährungen. Ein hohes Maß an gehebelter Spekulation, insbesondere in China, trug dazu bei, die Preise vor einer starken Korrektur Ende Januar nach oben zu treiben. Trotz der Rekordrückgänge sehen wir angesichts des begrenzten Angebots und der wachsenden Nachfrage weiterhin fundamentale Unterstützung für hohe Goldpreise.
Zentralbanken und mit Edelmetall besicherte ETFs haben die Goldrallye angeheizt, sodass die Goldpreise deutlich schneller gestiegen sind als die Zuflüsse in Aktien von Minenbetreibern. Viele Minenbetreiber werden unter ihren historischen Bewertungen gehandelt, weisen hohe freie Cashflow-Renditen und ein attraktives Verhältnis von Unternehmenswert zu Cashflow auf. Unserer Einschätzung nach sind die Bewertungen in den letzten Jahren um etwa 20 Prozent hinter den Goldpreisen zurückgeblieben – eine auffällige Diskrepanz.
Unserer Auffassung nach ist das Bewertungsgefälle nicht gerechtfertigt. Die Diskrepanz spiegelt eher die Wahrnehmung der Anleger als die Fundamentaldaten wider. Anleger erinnern sich noch an vergangene Zyklen mit Kosteninflation, Fehlallokation von Kapital und Verwässerung. Aus unserer Sicht hat sich die Branche jedoch verändert. Minenbetreiber weisen heute solidere Bilanzen, eine bessere Kapitaldisziplin und höhere Aktionärsrenditen auf. Angesichts der derzeit hohen Goldpreise bieten Minenbetreiber eine echte operative Hebelwirkung, da ihre Erträge und ihr freier Cashflow schneller steigen als die Goldpreise. Hinzu kommen anhaltender makroökonomischer Rückenwind und die signifikante negative Korrelation zwischen Gold und US-Dollar, sodass die Argumente für Minenbetreiber gut untermauert sind.
Fundamentaldaten unterstützen höhere Bewertungen von Goldaktien. Die hohen Goldpreise haben außergewöhnliche Erträge und Cashflow-Zuwächse ermöglicht. Das dritte Quartal (Q3) 2025 brachte vielen Produzenten Rekordgewinne, wobei das Q4 diese Werte wahrscheinlich noch übertreffen wird. Denn der Goldpreis lag bei durchschnittlich ca. 4.150 US-Dollar/Unze, was einem Anstieg von rund 700 US-Dollar gegenüber dem Vorquartal und etwa 1.500 US-Dollar gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Umsatz dürfte um rund 20 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um ca. 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen, während die Betriebskosten um weniger als 10 Prozent zugenommen haben. Das hat eine erhebliche Margenausweitung zur Folge. Bei gleichbleibender Produktion hat die Kombination aus starker Cashflow-Generierung und attraktiven Bewertungen auch Fusionen und Übernahmen vorangetrieben, so dass Minenbetreiber einen Mehrwert gegenüber dem Vorjahr erzielen, Reserven ersetzen und sich für langfristiges Wachstum positionieren konnten.
Zwar ist angesichts der hohen Edelmetallpreise eine gewisse Vorsicht geboten, dennoch gehen wir davon aus, dass Minenbetreiber über einen erheblichen Puffer verfügen. Die Stimmung kann umschlagen – man denke an steigende Zinsen, nachlassende Inflation oder abnehmende geopolitische Spannungen. Wir schätzen jedoch, dass der Goldpreis unter etwa 3.500 US-Dollar/Unze fallen müsste, bevor die Wirtschaftlichkeit des Sektors wieder an frühere Abschwungphasen erinnern würde. Höhere Goldpreise verbessern den Zugang zu Kapital, wodurch das Explorations- und Entwicklungspotenzial sowie die Rentabilität von Projekten steigen.
Fazit
Unserer Ansicht nach werden Goldminenbetreiber durch starke Bilanzen, attraktive Bewertungen und zahlreiche Katalysatoren, darunter auch Fusionen und Übernahmen, gestützt. In Verbindung mit dem ungewissen fiskalpolitischen und makroökonomischen Umfeld bleiben wir gegenüber Gold und Goldaktien zu Beginn des Jahres 2026 positiv eingestellt.
Ein Beitrag von Steve Land
Er ist Portfoliomanager bei Franklin Templeton.
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