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Die Fusion der Siemens-Bahntechnik und Alstom, die derzeit von den EU-Kartellwächtern noch recht kritisch gesehen wird, scheint geradezu dafür gemacht, einen Startschuss für eine neue europäische Industriepolitik und Stärke zu setzen.

Noch winden sich einige Kartellämter in einzelnen europäischen Staaten. Doch der Trend und die weitere Entwicklung wird sich nicht aufhalten lassen.
Airbus – oder damals noch EADS – hat es vor vielen Jahren vorgemacht. Europäische Stärke durch paneuropäische Verbünde und Einheiten ist das Mittel der Wahl gegen die aufkommende Macht aus Fernost.

Wir müssen erkennen, dass bei aller Kraft, die unsere Player aus einzelnen EU-Staaten haben, die Karten derzeit neu gemischt werden und die zukünftigen (und teilweise schon heutigen) Konkurrenten mit Staatsgeldern aufgebaut und munitioniert werden, wie es hier bei uns in Europa gar nicht erlaubt wäre. Das verzerrt den Wettbewerb und die Antwort kann allein heißen, dass man hierzulande und in der EU auch industriepolitisch neu denkt.

Nicht weniger, sondern mehr Europa kann die alleinige Antwort sein.

Dies gilt nicht nur für die Bahntechnik. Auch bei Themen wie Infrastruktur, Verteidigung, Internetplattormen, Mobilität und vielen anderen Industriezweigen sehen wir und wird es immer mehr paneuropäische Lösungen und Anbieter geben müssen.

Wer sich heute gegen derartige Lösungen stellt und hinter kartellrechtlichen Bedenken versteckt, wird sich in einigen Jahren dafür politisch verantworten müssen.
Denn die anrollende Übermacht der Anbieter beispielsweise aus China wird nicht auf unser Kartellrecht Rücksicht nehmen, sondern im Gegenteil:
Sie werden unsere Hürden, die wir nicht zu überwinden wagen, als Stufen zu ihrem Erfolg nutzen.

Das gilt es zu verhindern und zwar jetzt und hier. Ansonsten werden schon bald Millionen an Arbeitsplätzen verschwinden, die heute den sozialen Frieden sicher und die populistischen Parteien im Schach halten. Es geht also aktuell viel mehr als nur um schnelle Züge aus München und Paris.

Ein Beitrag von Marc Tüngler
Er ist Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und ist ein profunder Kenner des deutschen Aktienmarktes. Als Redner und Aktionärsvertreter auf vielen Hauptversammlungen weiß er um die Befindlichkeiten von Vorständen und Aktionären.
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