Liebe Leserinnen und Leser,
die Schlagzeilen haben sich in der vergangenen Woche überschlagen. Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über das Atomprogramm sind gescheitert. Luftangriffe auf strategische Ziele im gesamten Iran. Der Iran reagiert mit Angriffen im gesamten Nahen Osten. Die Straße von Hormus – durch die etwa 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung fließen – ist praktisch vollständig blockiert. Und während Nachrichtensprecher mit ernster Miene vor der Kamera stehen, jagen sich die Eilmeldungen, und die sozialen Medien kochen über.
Wir sind wieder einmal in einer weiteren geopolitischen Krise. Und wie üblich reagier(t)en die Märkte am Montag zunächst mit dem, was sie am besten können: Panik. Die Volatilität steigt, Risikoprämien werden breiter, und überall herrscht das Gefühl, dass jetzt der Moment gekommen sei, die Aktien zu verkaufen und in Sicherheit zu flüchten.
Lassen Sie uns Ihnen sagen, warum genau das der falsche Reflex ist.
Die Märkte hassen Unsicherheit – aber sie lieben Gelegenheiten
Es gibt kaum etwas, das Märkte weniger mögen als Unsicherheit. Das ist richtig. Aber es gibt auch kaum etwas, das langfristige Anleger mehr lieben sollten als genau diese Momente der kollektiven Verunsicherung. Denn wenn alle anderen verkaufen, wenn die Angst die Oberhand gewinnt und wenn die Kurse fallen – genau dann entstehen die besten Einstiegsgelegenheiten.
Adam Hetts, Global Head of Multi-Asset bei Janus Henderson Investors, bringt es auf den Punkt: „Wie immer empfehlen wir, bei Investments eine langfristige Perspektive einzunehmen, anstatt auf kurzfristige Schwankungen zu reagieren.“ Klingt banal? Ist es aber nicht. Denn in der Praxis machen die meisten Anleger genau das Gegenteil: Sie verkaufen, wenn die Kanonen donnern, und kaufen erst wieder, wenn die Gefahr vorüber ist – also wenn die Kurse längst wieder gestiegen sind.
Die Anatomie einer Krise: Was sagen uns die Zahlen?
Schauen wir uns die nackten Fakten an. Der Iran produziert etwa drei bis vier Prozent der weltweilen Ölvorräte. Nicht die Welt, aber auch nicht nichts. Entscheidender ist die Blockade der Straße von Hormus, durch die ein Fünftel der globalen Ölversorgung transportiert wird. Das ist ein Mengenproblem, nicht nur ein Preisproblem. Und Mengenprobleme sind für Märkte unangenehmer, weil sie schwerer kalkulierbar sind.
Doch hier wird es spannend: Öl handelte in den vergangenen zwölf Monaten hauptsächlich zwischen 60 und 70 US-Dollar. Jetzt liegt der Preis über 70 US-Dollar und könnte weiter steigen. Hetts gibt uns ein paar historische Vergleichswerte: Ein Anstieg auf 80 US-Dollar würde dem Konflikt vom Juni 2025 entsprechen, 90 US-Dollar dem Konflikt vom April 2024. Damals konnten die globalen Märkte die Preisanstiege „weitgehend abschütteln, da die Konflikte relativ schnell beigelegt wurden“. Zum Vergleich: Die russische Invasion in der Ukraine Anfang 2022 trieb die Ölpreise nachhaltig über 100 US-Dollar mit Spitzenwerten über 120 US-Dollar.
Die aktuellen Preise, so Hetts, „spiegeln einen begrenzten Konflikt von relativ kurzer Dauer wider“. Mit anderen Worten: Der Markt rechnet nicht mit dem Weltuntergang, sondern mit einer temporären Eskalation, die sich wieder beruhigen wird.
Eine historische Lektion: Krisen kommen und gehen
Erinnern Sie sich an den Golfkrieg 1990/91? An die Terroranschläge vom 11. September 2001? An die Finanzkrise 2008? An die Eskalation zwischen Israel und dem Iran im April 2024? An den 12-tägigen Krieg im Juni 2025? Jedes Mal dieselbe Geschichte:
Die Märkte brachen ein, Anleger verkauften panisch, Kommentatoren malten düstere Szenarien an die Wand. Und jedes Mal – ausnahmslos jedes Mal – erholten sich die Märkte wieder. Nicht sofort, nicht ohne Schwankungen, aber verlässlich.
Warum? Weil Aktienmärkte keine abstrakten Konstrukte sind. Sie sind die Summe produktiver Unternehmen, die Güter herstellen, Dienstleistungen erbringen, Gewinne erwirtschaften. Coca-Cola verkauft weiterhin Limonade, Microsoft verkauft weiterhin Software, Siemens baut weiterhin Industrieanlagen. Auch während Kriege toben. Auch wenn Öl teurer wird. Auch wenn die Nachrichten schlecht sind.
Das Paradoxon: Krisen sind keine Verkaufs-, sondern Kaufsignale
Hier kommt die unbequeme Wahrheit, die viele nicht hören wollen: Wenn Sie langfristig Vermögen aufbauen möchten, sind Krisen Ihre besten Freunde. Denn sie drücken die Bewertungen unter ihren langfristigen Durchschnitt.
Sie schaffen Gelegenheiten, Qualitätsunternehmen zu günstigeren Preisen zu kaufen. Warren Buffett hat es auf seine unnachahmliche Art formuliert: „Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und gierig, wenn andere ängstlich sind.“
Hetts von Janus Henderson rät dazu, „investiert zu bleiben, anstatt zu versuchen, den richtigen Zeitpunkt für geopolitische Veränderungen und die damit verbundenen Risiken zu erwischen“. Timing ist eine Illusion. Niemand – wirklich niemand – kann vorhersagen, wann ein Konflikt endet, wann die Kurse ihren Tiefpunkt erreichen oder wann die Erholung einsetzt. Was Sie aber tun können, ist: investiert bleiben. Oder besser noch: nachkaufen.
Das Fundament, das Krisen überdauert
Und wo sollten Sie nachkaufen? Mit Baustein-Aktien. Solide Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen, die nicht von einem einzigen Markt, einem einzigen Produkt, einem einzigen Quartal abhängen. Unternehmen, die bewiesen haben, dass sie Krisen überstehen – nicht trotz, sondern wegen ihrer fundamentalen Stärke.
Nestlé (gegründet 1866), Coca-Cola (1892), Siemens (1847) – diese Konzerne haben zwei Weltkriege, Ölkrisen, Finanzkrisen und Pandemien überstanden. Sie haben nicht nur überlebt, sie sind gestärkt daraus hervorgegangen. Warum? Weil Menschen auch in Krisenzeiten essen, trinken, kommunizieren, Energie brauchen. Weil die Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen stabil bleibt – auch wenn Raketen fliegen.
Hetts betont die Bedeutung „gut diversifizierter Portfolios mit hochwertigen Safe-Haven-Assets, die kurzfristige Unsicherheiten überstehen können“. Genau das sind Baustein-Aktien: kein spekulatives Spiel auf den nächsten Hype, sondern verlässliche Anker in stürmischen Zeiten.
Die Frage ist nicht „ob“, sondern „wie lange“
Bei anhaltender Unsicherheit könnte es zu weiteren Übertragungseffekten kommen: Allgemeine Verunsicherung dämpft die Anlegerstimmung, Staatsanleihen werden attraktiver, steigende Ölpreise könnten Inflationsängste schüren und Zinssenkungshoffnungen dämpfen. Das alles stimmt. Aber all das ist temporär. Denn „solch gravierende Veränderungen der Marktdynamik würden eine lang anhaltende Eskalation des Konflikts erfordern“, so Hetts. Und das ist nicht das Basisszenario.
Die entscheidende Frage ist also nicht, ob sich die Märkte erholen. Die Frage ist, wie lange es dauert. Und die Antwort darauf können Sie nicht vorhersagen. Was Sie aber tun können, ist: durchhalten. Oder besser: nachkaufen, wenn die Preise fallen.
Ein Gedankenexperiment zum Schluss
Stellen Sie sich vor, Sie hätten im März 2020, mitten im Corona-Crash, 10.000 Euro in einen breit gestreuten Aktienindex investiert. Die Welt stand still, die Wirtschaft kollabierte, niemand wusste, wie es weitergeht. Heute, knapp sechs Jahre später, wäre Ihre Investition mehr als 20.000 Euro wert. Wer damals verkaufte, hat diese Verdopplung verpasst.
Oder nehmen Sie den April 2024, als Israel und der Iran sich gegenseitig angriffen. Die Märkte brachen ein. Wer in dieser Phase nachkaufte, hat in den folgenden Monaten überdurchschnittliche Renditen erzielt.
Die Geschichte ist eindeutig: Wer in Krisen investiert bleibt – oder sogar nachkauft –, wird belohnt. Wer verkauft, realisiert Verluste und verpasst die Erholung.
Das mE-Fazit
Der Iran-Krieg ist ernst. Die Blockade der Straße von Hormus ist real. Der Ölpreis steigt, die Volatilität nimmt zu, die Unsicherheit ist spürbar. Doch für langfristige Anleger sind genau solche Momente kein Grund zur Panik, sondern eher eine Gelegenheit.
Historisch haben sich Märkte nach jeder geopolitischen Krise erholt – ausnahmslos. Wer in Panik verkauft, realisiert Verluste. Wer investiert bleibt oder nachkauft, profitiert von günstigeren Bewertungen. Baustein-Aktien haben zwei Weltkriege, Ölkrisen und Finanzkrisen überstanden. Sie werden auch diese Krise überstehen. Denn Menschen essen, trinken, kommunizieren – auch wenn Raketen fliegen. Diversifizieren Sie, halten Sie durch, und konzentrieren Sie sich auf langfristige Wachstumstrends. Die Geschichte ist auf Ihrer Seite.
In diesem Sinne, ein erholsames Wochenende und kluge Entscheidungen für die kommenden Wochen
Ihre marktEINBLICKE-Herausgeber
Christoph A. Scherbaum & Marc. O. Schmidt
P.S. Alle Daten der Daten der kommenden Handelswoche und Prognosen finden Sie in unserem Wirtschaftskalender.








