Im Rahmen der letzten geldpolitischen Sitzungen hatten die EZB und die Fed ihre Leitzinsen nicht angepasst. Das militärische Eingreifen im Iran hat die Marktlage verändert – Zins-Swaps und Anleihen zeigen sich nach Anstiegen volatil, und die Baufinanzierungszinsen haben angezogen.
Die vereinbarte Waffenruhe im Iran hat die akuten Spannungen an den Öl- und Gasmärkten zwar vorübergehend gedämpft, die Zins- und Inflationsperspektiven bleiben jedoch fragil: Die Swap-Märkte präsentieren sich anhaltend volatil, Experten rechnen inzwischen mit zwei Zinserhöhungen der EZB für 2026. Der erwartete EZB-Leitzinssatz liegt damit bei rund 2,65 Prozent, während der Satz aktuell noch bei 2,15 Prozent notiert.
Die Energiepreisschocks hatten auch spürbare Effekte auf die Verbraucherpreise: Eurostat meldete für den Euroraum im März eine vorläufige Inflationsrate von 2,5 Prozent, das Statistische Bundesamt weist für Deutschland vorläufig 2,7 Prozent aus. In den USA sorgten ein kräftiger Anstieg der Verbraucherpreise um 3,3 Prozent zum Vorjahr für besondere Aufmerksamkeit. Die US-Kerninflation blieb mit 2,6 Prozent moderater, doch der Energieeffekt erhöht den Inflationsdruck und schiebt die von politischer Seite geforderten Zinssenkungen der Fed für 2026 vorerst vom Tisch.
Vor den anstehenden Sitzungen von EZB (30. April) und Fed (29. April) zeichnet sich ein uneinheitliches Bild der Notenbanker ab: Während einige EZB-Mitglieder offen eine möglichst rasche Straffung der Zinsen vorschlagen, betonen andere die Datenabhängigkeit und mahnen zur Vorsicht. Diese unterschiedliche Rhetorik, kombiniert mit kurzfristig höheren Energiepreisen, erklärt die erhöhte Volatilität an den Anleihe- und Swap-Märkten. Es hat dazu geführt, dass auch einige Banken ihre Konditionen für Baufinanzierungen leicht angehoben bzw. wieder gesenkt haben.

Entwicklung der Bestzinsen für Baufinanzierungen
Die Bestzinsen für Baufinanzierungen sind seit Ende März gestiegen: Die 10-jährigen Zinsbindungen von 3,30 auf 3,65 Prozent, die 15-jährigen Zinsbindungen vollzogen einen Anstieg von 3,52 auf 3,82 Prozent.
Für Bau- und Kaufinteressenten sorgt das gegenwärtige Umfeld für mehr Unsicherheit bei der Preisbildung: Die unmittelbare Entspannung durch die Waffenruhe hat das Extremrisiko reduziert, beseitigt aber nicht die Möglichkeit weiterer Energiepreisschocks und damit temporärer Zinsanstiege. Die Waffenruhe hat kurzfristig Erleichterung gebracht, das Zinsumfeld bleibt aber fragil. Deshalb sollten potenzielle Finanzierungskunden zwischen schneller Absicherung und der Hoffnung auf günstigere Kurse abwägen.
Kurzfristig ist mit Volatilität und möglichen temporären Zinsanstiegen zu rechnen, die maßgeblich von der Ölpreisentwicklung und den nächsten Inflationsdaten abhängen. Mittelfristig könnten anhaltend hohe Energiepreise die Kerninflation treiben und die Notenbanken zu restriktiveren Maßnahmen veranlassen. Gelingt hingegen eine nachhaltige Beruhigung der Energiemärkte, könnten die Zinserwartungen wieder zurückgenommen werden. Es lohnt sich, genau auf die Eindrücke und Formulierungen der Notenbanken bei ihren Sitzungen Ende April zu achten.
Die Zins-Tendenz
- Kurzfristig: Volatil seitwärts
- Langfristig: Stabil bis leicht steigend
Ein Beitrag von Antonio Skoro
Er ist Geschäftsführer Finanzierung der Qualitypool GmbH. Diese ist mit mehr als 13.000 aktiven Maklern einer der führenden Maklerpools Deutschlands. Qualitypool bietet Finanzdienstleistern und Finanzvertrieben professionelle Unterstützung bei der Vermittlung von Baufinanzierungen, Konsumentenkrediten, Bausparlösungen und Versicherungen. Der Vertriebsunterstützer ermöglicht Maklern im Rahmen eines speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Leistungspakets die neutrale Finanzierungsplattform EUROPACE sowie die Versicherungsplattform SMART INSUR. Qualitypool ist eine 100-prozentige Tochter der an der Frankfurter Börse im MDAX gelisteten Hypoport SE, einem Netzwerk von Technologieunternehmen für die Kredit- & Immobilien- sowie Versicherungswirtschaft.
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