Tesla und das große Versprechen

Tesla trotzt schwachen Absatzzahlen mit Kurserholung – doch eine hohe Bewertung, steigende Risiken und Zweifel an Robotaxi & KI-Projekten sorgen für Spannung vor den Q1-Zahlen.

(Bildquelle: Mit freundlicher Genehmigung von Tesla, Inc.)

Die Tesla-Aktie (WKN: A1CX3T / ISIN: US88160R1014) hat in den vergangenen Wochen trotz enttäuschender Absatzzahlen für das erste Quartal zu einer Erholung angesetzt, liegt für das Börsenjahr 2026 allerdings noch immer mit rund 11 Prozent im Minus. Am Mittwochabend nach US-Börsenschluss werden die weiteren Q1-Finanzkennzahlen veröffentlicht. Wie immer wird es aber auch um das Zukunftsbild gehen, das der Konzernchef zeichnen kann.

Die Bewertung bleibt hoch

Erwartet werden von Analystenseite laut FactSet-Konsens für die Zeit zwischen Januar und März 2026 Umsätze in Höhe von 22,26 Mrd. US-Dollar bei einem bereinigten Gewinn je Aktie von 36 Cents. Allerdings geht es bei Tesla schon lange nicht mehr um Fundamentaldaten sowie das schwächelnde Automobilgeschäft, sondern vielmehr um die Versprechen für die Zukunft in Bereichen wie Robotaxis. Diese versprechen einiges an Wachstum, sind aber noch längst nicht groß genug, um die anhaltend hohe Bewertung des Konzerns von derzeit rund 1,5 Billionen US-Dollar zu rechtfertigen.

Zumal Tesla weitere milliardenschwere Investitionen tätigen muss, um das Zukunftsgeschäft zu finanzieren. Der Verkauf von Autos, aus dem immer noch die dafür notwendigen Einnahmen generiert werden, kam nicht so voran wie gewünscht. Im März-Quartal wurden 358.023 Fahrzeuge ausgeliefert, gegenüber 408.386 produzierten Fahrzeugen. Analysten hatten mit rund 370.000 ausgelieferten Fahrzeugen gerechnet. Es ist unter anderem diese Schwäche beim Verkauf von Autos, verbunden mit der erst am Beginn stehenden Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, die einige Analysten zur Vorsicht mahnen lässt.

Die Risiken werden größer

Ryan Brinkman, Analyst bei J.P. Morgan, rät Anlegern, bei der Tesla-Aktie „mit großer Vorsicht vorzugehen“. Daher hat er das „Underweight“-Rating sowie das Kursziel von 145,00 US-Dollar bestätigt. Obwohl sowohl das Technologie- als auch das Umsetzungsrisiko deutlich geringer zu sein scheinen als einst befürchtet, scheint die Expansion in volumenstärkere Segmente mit niedrigeren Preisniveaus aus Analystensicht mit größeren Risiken in Bezug auf Nachfrage, Umsetzung und Wettbewerb behaftet zu sein.

Der Experte senkt seine Prognose für den Gewinn je Aktie, nachdem Tesla weniger Fahrzeuge ausgeliefert hatte als erwartet. Es wird darauf hingewiesen, dass das Rating von J.P. Morgan „bemerkenswerte positive Investitionsaspekte berücksichtigt, darunter ein stark differenziertes Geschäftsmodell, ein attraktives Produktportfolio und Spitzentechnologie“. Diese positiven Eigenschaften würden jedoch durch ein überdurchschnittliches Umsetzungsrisiko, zunehmenden Wettbewerb, wachsende Kontroversen um die Marke sowie eine Bewertung, die offenbar bereits viel einpreist, mehr als aufgewogen.

Robotaxi und Optimus hinken hinterher

Barclays-Analyst Dan Levy ist nicht ganz so pessimistisch. Er behält im Vorfeld der Veröffentlichung des Berichts zum ersten Quartal seine „Equal-Weight“-Bewertung für Tesla bei. Auch das Kursziel von 360,00 US-Dollar wird bestätigt. Eine zentrale Frage bei der Ergebniskonferenz wird aus Analystensicht sein, wie hoch die zusätzlichen Ausgaben sind, die der Elektroautobauer für seine physischen KI-Projekte, insbesondere Terafab, tätigen muss. Der Analyst geht davon aus, dass Terafab bei vollständiger Umsetzung Kosten im mittleren einstelligen Billionen-US-Dollar-Bereich verursachen könnte.

Zwar sei es unwahrscheinlich, dass Teslas Investitionsausgaben „exponentiell steigen“, doch ein weiterer Anstieg gegenüber dem bereits hohen Wert von 20 Mrd. US-Dollar, den Tesla bei der letzten Ergebniskonferenz genannt hatte, sei wahrscheinlich. Levy führt die jüngste Schwäche der Aktie darauf zurück, dass nur geringe Fortschritte bei Robotaxi und Optimus bekannt gegeben wurden. Der Ausverkauf könnte oberflächlich betrachtet eine Chance für die Aktie darstellen, bei den Ergebnissen für das erste Quartal eine Outperformance zu erzielen, doch der Experte nimmt eine „eher zurückhaltende Haltung gegenüber den Zahlen“ ein, da Kommentare zu zusätzlichen Investitionen negativ wahrgenommen werden könnten.

UBS-Analyst Joseph Spak erklärt seinerseits, dass das aktuelle Kursniveau Teslas kurzfristige Herausforderungen bei der Nachfrage und die Investitionsphase „ausgewogener“ mit den langfristigen Chancen im Bereich der physischen KI in Einklang bringe. Tesla-Aktien werden laut Spak eher aufgrund von Stimmung und Dynamik als aufgrund von Fundamentaldaten gehandelt. Der Experte ist der Ansicht, dass Bedenken hinsichtlich der Nachfrage nach Elektrofahrzeugen, ein Energiedefizit im ersten Quartal, höhere Kosten, ein höherer Kapitalbedarf sowie langsame Fortschritte bei Robotaxis und Optimus die Aktie belastet haben. Spak erwartet jedoch letztlich Fortschritte bei Robotaxis und Optimus und betrachtet Tesla weiterhin als führend im Bereich der physischen KI.

Mein Fazit

Die Tesla-Aktie steht aktuell in einem Spannungsfeld zwischen kurzfristigen Schwächen und langfristigen Visionen. Während enttäuschende Absatzzahlen, steigende Investitionen und zunehmender Wettbewerb die fundamentale Lage belasten, stützt sich die hohe Bewertung weiterhin vor allem auf Zukunftsversprechen wie Robotaxis und KI-Projekte. Analysten zeigen sich entsprechend gespalten: Von klarer Vorsicht bis hin zu verhaltenem Optimismus ist alles vertreten. Entscheidend dürfte daher weniger das aktuelle Quartalsergebnis sein, sondern vielmehr, ob es dem Management gelingt, glaubwürdige Fortschritte und eine überzeugende Perspektive für die margenstarken Zukunftsfelder zu präsentieren.

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