Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

Unserem DAX (ISIN DE0008469008 | WKN 846900) gelang kein positiver Wochenausklang mehr, weder mit seiner runden Marke von 11.000 Punkten, noch mit einem Wochenplus. Er beendete die 6. Kalenderwoche 2019 mit einem dicken Minus von 2,45 Prozent – im Gegensatz zum Dow Jones, der seien 25.000 gerade so auf Schlusskursbasis immer wieder rettete. Dabei begann die Woche recht optimistisch.

Nach einem richtungslosen Montag konnte der DAX am Dienstag noch einmal kraftvoll durchstarten. Bis zum Mittag steuerte er konsequent die Hochs aus dem Vormonat an und erreichte sie schliesslich. Im Stundenchart war dies als ein Widerstand sichtbar:

 

DAX am Dienstag an Januar-Hochs

 

Binnen weniger Stunden war der aufgezeigte Widerstand jedoch gebrochen und sorgte für starke Emotionen. Lag es an der technischen Situation oder rein an den Vorgaben aus den USA? Hier glänzten vor allem die Technologiewerte in der ersten Wochenhälfte nach starken Quartalszahlen der Google-Mutter Alphabet und verhalfen dem Nasdaq zu zwei sehr starken Tagen mit Kursen über 7.000 Punkten. Dort fuhr sich der Index „fest“ und konnte sich trotz mehrmaligem Anlauf in der zweiten Wochenhälfte nicht mehr darüber etablieren. Den „Kampf“ um diese runde Marke stellte ich wie folgt in meinen Kanälen dar:

 

 

Bereits der Mittwoch zeigte dann auch im DAX an, dass die Bullen keine Kraft mehr hatten – die Kurse fielen wieder und hatten am Donnerstag nach Unterschreitung des ehemaligen Widerstandes nur eine Richtung vor Augen: südwärts. Aus Trading-Sicht bot sich hier nach dem kurzen Rücklauf zum Eröffnungsniveau eine Short-Order an, welche ich als Trading-Setup entsprechend umsetzte:

 

Entsprechendes Momentum und die Meldung, dass die Exportwirtschaft in Deutschland nun Ermüdungserscheinungen zeigt, sorgten dafür, dass der Markt nicht nur die Gewinne der ersten Wochenhälfte abgab, sondern weitere Verkaufsorders den Markt bis nahe an die 11.000er-Marke drückten. Sie hielt noch am Donnerstag einer kurzen psychologischen Berührung stand:

 

 

Ebenso wie der Dow Jones, welcher von der 25.000 am Donnerstag recht dynamisch abprallen konnte:

 

 

Doch der Freitag verschärfte das Problem für die Bullen im DAX noch einmal. Neben der Charttechnik gab es entsprechende Aktien-News, welche den Weg unter die 11.00er-Marke bestimmten und beschleunigten.

Zuerst ist der Daimler-Konzern zu nenne. Hier fiel das EBIT vom vierten Quartal von 3,42 Milliarden Euro auf 2,67 Milliarden Euro zurück. Damit blieb zwar die Dividende mit 3,25 Euro pro Aktie trotz einer Kürzung noch ansehnlich, doch zukünftig wird ein wenig der „Fuss vom Gaspedal“ genommen und Umstrukturierungen anstehen. Für das Gesamtjahr 2018 meldete der Konzern einen Umsatz von 167,4 Milliarden Euro, doch nur einen Gewinn von 11,1 Milliarden Euro. Das sind etwa 22 Prozent weniger als im Vorjahr und schürt damit Sorgen, dass die Branche weiter konsolidiert. Hohe Entwicklungskosten und eine breite Produktpalette sind womöglich nicht mehr tragbar, zeigte die offene Diskussion des Unternehmens.

Kann das Unternehmen hier wieder Dynamik in seine Produktionssparten bringen? Der Focus hat dazu einige Meinungen eingefangen und das Chartbild des vergangenen Jahres zeigt ein Minus von 30 Prozent auf:

 

 

Damit ist zwar die Dividendenrendite von über 6 Prozent ein starkes Kaufargument, der Chart allerdings würde ein Investment aus meiner Sicht noch nicht aufdrängen.

 

Daimler Dividende 2019 – 6 Prozent Rendite locken

 

Zweiter Belastungsfaktor war erneut die Aktie der Wirecard AG. Nach einer kurzen technischen Gegenreaktion geriet das Papier abermals unter Druck und unterschritt am Freitag sogar die runde Marke von 100 Euro. Damit hat sich der Kurs seit dem Hoch im September mehr als halbiert und die Aktie allein in den vergangenen 6 Monaten 43,5 Prozent an Wert verloren:

 

 

Für neuerliche Verunsicherung sorgte die Meldung einer Polizei-Razzia in den Büroräumen von Singapur. Laut dem Spiegel kooperiert das Unternehmen mit der Polizei und beabsichtigt die Financial Times für die erste Berichterstattung zu verklagen, doch dem Kurs half dies wenig. Dennoch möchte ich das Statement des Konzerns noch einmal hervorheben:

 

Wirecard geht rechtlich gegen FT und seine unethische Berichterstattung vor.

 

Sollte sich die ganze Angelegenheit wirklich als gezielte Berichterstattung und ggf. „Fake News“ herausstellen, wäre es einer der größten Skandale jüngster Börsengeschichte. Immerhin war der Konzern am 4.9.2018 bei einem Kurs von 199 Euro noch 24 Milliarden Euro wert und steht nun bei 12 Milliarden Euro Marktkapitalisierung.

 

Razzia bei Wirecard – Die Lage spitzt sich zu!

 

Bei diesen beiden hohen Abschlägen war es kein Wunder, dass der Deutsche Aktienindex in der zweiten Wochenhälfte in einen Abwärtstrend überging und letztlich die Woche mit 2,45 Prozent Kursverlust und einem closing unter 11.000 Punkten abschloß.

Dabei dominiert im DAX der Widerstand und zudem die runde Marke von 11.000 aus psychologischer Sicht das Chartbild. Bis zum Wochenausklang schaffte es der Index nicht, diese zurückzuerobern:

 

 

Beide Marken stehen eng aneinander und würden aus meiner Sicht bei einem Bruch dann in der nächsten Zeitebene, dem Stundenchart, Potenzial bis zur 11.180 und der damit verbundenen Trading-Range vom Monatsstart freigeben:

 

 

Auf der Unterseite dürfte aus meiner Sicht die 10.880 noch ein kurzfristiger Trigger sein, ab dem ich auf eine Fortsetzung des Abwärtsdrucks spekuliere. Denn noch eine Zeitebene übergeordnet sind wir erneut in der alten Range von Ende Dezember / Anfang Januar 2019 angekommen und könnten diese auch schnell und mehrfach durchwandern. Ich habe sie hier gelb zur Orientierung für die nächsten Handelstage hervorgehoben:

 

 

Eine Entscheidung hängt sicherlich auch wieder von den Wirtschaftsdaten ab. In Deutschland steht zwar ein weiterer Export-Rekord in den Büchern, doch die Dynamik kühlt sich merklich ab und war sogar im Dezember rückläufig – der Tagesspiegel berichtete. Neben diesem Gedanken im Hinterkopf achten Sie bitte auf folgende Termine:

  • BIP aus Großbritannien vom Montag 10.30 Uhr
  • Dienstagabend Rede von FED-Chef Powell
  • Mittwoch Verbraucherpreise aus Großbritannien um 10.30 Uhr
  • Mittwoch Verbraucherpreise USA um 14.30 Uhr
  • Donnerstag BIP aus Deutschland 8 Uhr
  • Donnerstag 11 Uhr BIP der EU
  • Donnerstag Einzelhandelsumsätze USA 14.30 Uhr
  • Freitag 16 Uhr US-Verbrauchervertrauen

 

Ob wir bis dahin die runden Marken weit hinter uns gelassen haben und von welcher Seite aus, vermag ich nicht abzuschätzen. Auf die Kurse „nur“ zu reagieren und ohne vorgefertigte Meinung am Handel teilzunehmen, hat sich jedoch in meinem Trading-Alltag als zielführender herausgestellt.

 

In diesem Sinne – bleiben Sie objektiv und flexibel,

Viel Erfolg wünscht Ihr Andreas Mueller (Bernecker1977)

 

 

Risikohinweis: Der Handel mit Finanzprodukten ist risikoreich. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren. Diese Analyse ist keine Handelsempfehlung und enthält lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Sämtliche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden.

 

 

 

 

andreasmuellerAndreas Mueller ist unter dem Pseudonym „Bernecker1977“ als Trader, Referent und Coach seit 2001 aktiv. Er handelt seit rund 20 Jahren Indizes, Devisen und Rohstoffe an der Börse mit Futures, Derivaten und CFDs. Dabei basiert sein Trading auf Sentimentdaten und Charttechnik. Als studierter Diplom-Kaufmann streut Andreas Mueller seine Erfahrungen u.a. auf wallstreet-online seit dem Jahr 2005 in den „Tages-Trading-Chancen“ ein und ist dort Ansprechpartner für alle börsenrelevanten Fragen. Auf markteinblicke.de analysiert er den DAX mit Hilfe der Charttechnik. Weitere Informationen erhalten Sie in seinem Facebook-Kanal und auf seinem Blog www.bernecker1977.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Andreas Mueller / Pressefoto Deutsche Börse AG

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