Deutsche Telekom: Es bleiben Zweifel

Die Deutsche Telekom prüft die Komplettübernahme von T-Mobile US. Strategisch sinnvoll – doch regulatorische Hürden und skeptische Anleger bremsen die Euphorie.

(Bildquelle: T-Mobile US)

Die Deutsche Telekom (WKN: 555750 / ISIN: DE0005557508) erlebte in den vergangenen Jahren vor allem dank des Erfolgs der US-Mobilfunktochter T-Mobile US (WKN: A1T7LU / ISIN: US8725901040) eine beispiellose Renaissance. Nun sieht es danach aus, als wolle sich der Bonner DAX-Konzern T-Mobile US endlich vollständig einverleiben. Marktteilnehmer haben zu einem möglichen Deal jedoch die eine oder andere Frage.

Deutsche Telekom eifert Linde nach

Insbesondere wird es darum gehen, was die jeweiligen Wettbewerbs- und Regulierungsbehörden zu einem solchen Mega-Deal sagen würden. Zumal hierzulande der deutsche Staat mit rund 14 Prozent an der Telekom beteiligt ist. Zuvor hatte Bloomberg berichtet, dass die Deutsche Telekom darüber nachdenken würde, T-Mobile US vollständig zu übernehmen.

(Bildquelle: Pressefoto Deutsche Telekom)

Mit Blick auf die Aktie der Deutschen Telekom fielen die ersten Reaktionen negativ aus. Am Mittwoch notierten die Anteilsscheine zeitweise rund 4 Prozent im Minus. Allerdings setzte sich damit lediglich die schwache Stimmung der vergangenen Wochen fort. Bloomberg berichtet wiederum, dass nun eine neue Holdinggesellschaft Gebote für Aktien beider Unternehmen abgeben könnte.

Ergebnis wäre – gemessen an der Marktkapitalisierung – das größte Telekommunikationsunternehmen der Welt. Dieses soll wiederum nach dem Vorbild von Praxair und Linde in einem europäischen Land angesiedelt sein. Der Industriegasespezialist hatte dafür Irland auserkoren. Von Analystenseite werden dabei einige Vorteile eines möglichen Mega-Deals gesehen.

Löbliche Ziele

J.P.-Morgan-Analyst Akhil Dattani hat im Fall der Aktie der Deutschen Telekom als Reaktion auf die Nachrichten rund um eine mögliche Komplettübernahme von T-Mobile US das „Overweight“-Rating und das Kursziel von 40,00 Euro beibehalten. Aus Analystensicht wollten die Beteiligten auf diese Weise „klar“ den Bewertungsabschlag der Bonner im Vergleich zur US-Tochter angehen.

Zudem könne man so mehr Mittel für Zukäufe zur Verfügung haben und den weltweit größten Telekommunikationskonzern schaffen. Robert Grindle, Analyst bei der Deutschen Bank, hat für die Deutsche Telekom das „Buy“-Rating und das Kursziel von 42,00 Euro bestätigt. Aus seiner Sicht könnte immer noch ein deutlicher Konglomeratsabschlag bestehen bleiben, ähnlich wie bei Konkurrent Vodafone.

Mit einem solchen Schritt könnte das Unternehmen laut Grindle aber eventuell einfacher an Kapital kommen, neue Aktien für grenzüberschreitende Zukäufe in Europa und den USA ausgeben oder Werte durch anschließende Abspaltungen und Börsengänge einzelner Bereiche freisetzen. Bernstein-Analyst Ulrich Rathe stellt wiederum die „beträchtlichen“ regulatorischen Hürden heraus, während der angestrebte Deal als „plausibel“ bezeichnet wird.

(Bildquelle: Pressefoto Deutsche Telekom AG)

Mein Fazit

Die Überlegungen der Deutschen Telekom zur vollständigen Übernahme von T-Mobile US sind strategisch nachvollziehbar. Insbesondere die mögliche Reduzierung des Bewertungsabschlags, eine stärkere Kapitalbasis sowie größere Flexibilität bei internationalen Zukäufen sprechen aus Sicht einiger Analysten für einen solchen Schritt. Auch die Aussicht, einen der weltweit größten Telekommunikationskonzerne zu schaffen, unterstreicht die Ambitionen des Unternehmens. Gleichzeitig bleiben jedoch erhebliche Unsicherheiten bestehen. Vor allem regulatorische Hürden werfen Fragen auf. Die zunächst negative Reaktion des Marktes zeigt zudem, dass Investoren den möglichen Deal mit Vorsicht betrachten.

Wer das Einzelaktien-Risiko bei der Deutschen Telekom vermeiden und auf die positive Kursentwicklung eines ganzen Aktienkorbs von amerikanischen und europäischen Unternehmen setzen möchte, kann sich das Indexzertifikat (WKN: DA0AAT / ISIN: DE000DA0AAT4) auf den Titan 20 Index anschauen. In diesem Index sind 20 Unternehmen enthalten, die sich an der Börse in den vergangenen Jahren besonders stark entwickelt haben und die auch von den Analysten positiv bewertet werden.