In Schwellenländern haben Lokalwährungsanleihen das größte Potential

Schwellenländer-Anleihen rücken wieder in den Fokus: Warum Lokalwährungen jetzt das größte Renditepotenzial bieten – und wo die Risiken liegen.

(Bildquelle: Unsplash / Agustin Diaz Gargiulo, ZQ Lee und ZHENYU LUO für Unsplash+)

Die Fundamentaldaten vieler Schwellenländer haben sich deutlich verbessert. Solidere Außenbilanzen, höhere Devisenreserven und eine weiterhin vorsichtige Geldpolitik stützen die makroökonomische Stabilität. Insbesondere Rohstoffexporteure profitieren von stabilen Terms of Trade, während ausgewählte Technologie- und Energieexporteure in Asien Wachstumstreiber bleiben.

Das globale Umfeld für Kapitalzuflüsse in Schwellenländer bleibt dabei grundsätzlich attraktiv: Ein moderat schwächerer US-Dollar und die Möglichkeit stabiler oder leicht sinkender US-Zinsen stützen sowohl Anleihen als auch Aktien. Allerdings haben sich die geopolitischen Risiken verschärft: Konflikte im Nahen Osten sowie volatile Kapitalströme erhöhen die Wahrscheinlichkeit abrupter Marktbewegungen.

Schwellenländer-Anleihen könnten 2026 weiterhin besser als Industrieländer-Anleihen performen, wenn der US-Dollar schwächer ist und die US-Renditen stabil bleiben oder sinken. Letzteres würde beide Anlageklassen stützen. Die Anlagechancen unterscheiden sich jedoch: Das größte Aufwärtspotenzial bieten Lokalwährungsanleihen, da sie hohe Realrenditen (300–500 bp) mit unterbewerteten Währungen (BRL, MXN, ZAR) verbinden. In einigen Märkten ermöglicht die fortgesetzte Inflationsdämmung den Zentralbanken Spielraum für moderate Zinssenkungen.

Ausländische Staatsanleihen sind stärker carry-getrieben. High-Yield-Staatsanleihen können selektiv Chancen bieten, wenn Spreads das Ausfallrisiko überbewerten. Besondere Sweet Spots sind weiterhin lateinamerikanische Lokalwährungsmärkte, südafrikanische Zinsanleihen sowie ausgewählte Frontiermärkte wie Argentinien und Ecuador.

Zu den größten Abwärtsrisiken zählen eine erneute US-Inflationssteigerung oder eine zögerliche Geldpolitik der Fed, die den US-Dollar stärkt und die globale Liquidität verknappt. Die geopolitische Lage und volatile Kapitalströme erhöhen die Marktunsicherheit. Die höchsten strukturellen Risiken bestehen weiterhin in Ländern mit geringen Reserven und hohem Bedarf an Fremdfinanzierung (Afrika, Pakistan, Ägypten) sowie in lokalen Märkten mit schwacher politischer Glaubwürdigkeit (Türkei, Südafrika und Nigeria), wo der Devisenmarkt zum wichtigsten Kanal für Anpassungen wird. Haushaltsabweichungen werden zunehmend kritisch, insbesondere in Lateinamerika und Teilen der CEEMEA-Region, wo sich die Schuldendynamik verschlechtert.

Die Fundamentaldaten vieler Schwellenländer sind robust, und strukturelle Chancen bleiben bestehen. Gleichzeitig ist das Risikoumfeld angesichts geopolitischer Spannungen und volatiler Kapitalflüsse intensiver geworden. Anleger sollten daher selektiv vorgehen, gezielt lokale Marktchancen nutzen und ihr Portfolio gegen mögliche Schocks absichern.

Ein Beitrag von Emanuele Del Monte

Er ist Portfolio Manager bei Eurizon.

 

 

 

 

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