Wer im Bett bleibt, stirbt statistisch häufiger. Und wer alles auf Bitcoin setzt, verwechselt Optimismus mit Naivität. Eine Gedankenkette über Risiko, Hoffnung und die Frage: Bleiben Sie heute liegen?
An turbulenten Zeiten rückt das Risikomanagement wieder in den Blick. Im Spruch „Wer keine Wertpapiere hat, wenn sie fallen, hat auch keine, wenn sie steigen.” steckt viel Wahrheit. Es gibt zwei wesentliche Strategien, mit Risiken umzugehen: sie zu vermeiden oder ihre Auswirkungen abzuschwächen. Da mit jedem Risiko auch eine Chance verknüpft ist, wollen wir nicht einfach alle Risiken vermeiden. Sonst verpassen wir zu viel, und die Altersvorsorge verschimmelt auf dem Girokonto. Alles auf Bitcoin zu setzen, mag aber auch nicht die beste Wahl sein.
So bewerten und managen wir im Alltag ständig Risiken. Gehen Sie über die rote Ampel oder bleiben Sie stehen? Bestimmt bleiben Sie aus Prinzip stehen, weil Sie noch an die regelbasierte Ordnung glauben oder, wenn der Glaube schon der Enttäuschung wich, sie immer noch für wichtig halten, obwohl sie vorübergehend aus der Mode zu kommen scheint. Dann sind Sie wohl auch ein Renaissance-Entwickler im Sinne des niederländischen Informatikers Werner Vogels. Als solcher machen Sie die Dinge richtig, auch wenn niemand hin schaut. Menschen wie Sie sollten wieder mehr Einfluss an den Schaltzentralen der Welt erhalten.
Existenzielle Tage der Entscheidung
Bis dahin optimieren wir unser Risikoverhalten: Fahren Sie im Urlaub in eine Krisenregion und hoffen darauf, dass das Auswärtige Amt Sie bei Kriegsausbruch schon ausfliegen wird? Schicken Sie Ihre Tochter für ein Schuljahr in die USA und stellen sich bei Bedarf persönlich den Schergen des Regimes in den Weg? Sprechen Sie die Frau am Lautsprecher an oder träumen Sie nur weitere Jahre von ihr? Ist das Risiko, einen Korb zu bekommen, größer als das, den Rest des Lebens mit ihr verheiratet zu sein?
Neben diesen existenziellen Tagen der Entscheidung gibt es viele kleine Entscheidungen des Tages. Es fängt schon mit der Frage an: Stehe ich heute auf oder bleibe ich liegen? Wenn wir uns entscheiden aufzustehen, sollten wir angemessene Energie und Motivation in diesen Tag setzen. Wenn Sie nicht dazu bereit sind, bleiben Sie ruhig mal einen Tag liegen. Das könnte aber riskanter sein, denn statistisch sterben die meisten Menschen im Bett.
Optimismus ist nicht Naivität
Es heißt, Optimisten gingen mehr Risiken ein. Dabei sollte man Optimismus nicht mit Naivität verwechseln. Wenn ich mir eine Liane um die Füße wickle und mich aus der Baumkrone hinabstürze, kann ich darauf hoffen, dass es schon gut gehen wird. Das wäre naiv. Wenn ich alles Kontrollierbare vorher geprüft habe, ist die Akzeptanz des verbleibenden Risikos rationaler Optimismus. Ob Sie diesen Aufwand im vorliegen den Fall investieren, überlasse ich Ihren persönlichen Prioritäten.
Und damit wären wir wieder beim Ausgangspunkt dieser nicht ganz linearen Gedankenkette. Wenn Sie Geld für Ihre Altersvorsorge investieren, müssen Sie sich über Ihre Prioritäten klar werden und angemessene Risiken kontrolliert eingehen. Dann dürfen Sie auf gute Ergebnisse hoffen. Was wäre das Leben ohne Hoffnung? Ein riskantes Dasein in einer bedrohlichen Welt. Ein Hoch auf die Hoffnung – möge sie niemals sterben!
Ein Beitrag von Tobias Weiß.
Er ist Vermögensberater aus Ludwigsburg. Der unabhängige Honorarberater erstellt für seine Mandanten individuelle Depots und übernimmt auf Wunsch die langfristige Betreuung. Mit einem öffentlichen Musterdepot gibt er Einblick in seine Anlagestrategien.
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