Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

Die Welt ist interdependenter geworden; kurzum: komplexer oder einfach vielschichtiger. Das ist kein neues Phänomen und jedes Kind kann das an vielen Beispielen festmachen.

Im digitalen Zeitalter werden fast alle Produkte und Dienstleistungen, die wir ganz selbstverständlich im Alltag nutzen, komplexer. Merkwürdigerweise handelt es sich dabei oft um eine Form von Komplexität, die wir als angenehm oder hilfreich wahrnehmen. Jedes Auto oder jede neue Handy-Generation hat Applikationen, die das Leben erleichtern sollen; wie sie funktionieren, wollen nur die wenigsten Nutzer wissen.

Doch was steckt eigentlich in Bezug auf Finanzprodukte hinter der „Komplexität“; lässt sie sich definieren oder ist sie lediglich ein Synonym für natürliche Unverständlichkeit? Klar ist, dass alle Kapitalmarktprodukte per se nicht ohne Weiteres einfach zu verstehen sind, und es sicher einiges an Interesse bedarf sich dieser Thematik zu nähern. Insofern sind selbstredend auch strukturierte Wertpapiere komplex; sie sind erklärungsbedürftig. Und wer Finanzprodukte kauft, sollte vorher immer und grundsätzlich wissen, was er kauft und warum.

Bei strukturierten Wertpapiere dient eine höhere Komplexität fast immer dazu, die Risiken für den Anleger zu verringern. Und den Vergleich mit anderen Finanzprodukten braucht die Branche nicht zu scheuen. Auch eine Kapitallebensversicherung ist alles andere als ein simples Produkt. Und selbst Bausparverträge, die jeder genau zu kennen glaubt, sind letztlich Zinsswaps kombiniert mit mathematisch höchst kompliziert zu bewertenden Zinsoptionen; höchstkomplex also.

Doch auch hier sollten Anleger verstehen, dass das nichts Schlechtes sein muss. Vielmehr kommt es darauf an, diese Komplexität transparent im Sinne des Anlegers darzustellen.

Viele glauben, dass mit zunehmender Komplexität eines Finanzprodukts seine Transparenz abnehme. Das stimmt zumindest für Zertifikate so nicht. Denn Zertifikate sind unabhängig von ihrer Komplexität sogar ausgesprochen transparent. Der Anleger kennt den Basiswert oder die Basiswerte, die seinem Zertifikat zugrunde liegen. Zudem kennt er stets den aktuellen Wert seines Zertifikats.

Die Beurteilung der Komplexität darf keinesfalls pauschal an der Produktkategorie festgemacht werden. Das bedeutet, strukturierte Wertpapiere sind eben nicht komplexer als andere Anlagevehikel. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine wissenschaftliche Studie „Quantitativer und ökonomischer Ansatz zur Bestimmung der Komplexität von Finanzprodukten“ im Auftrag des DDV. Vielmehr kommt es darauf an, die vermeintliche höhere Komplexität transparent darzulegen.

DDV, Lars BrandauEin Beitrag von Lars Brandau

Er ist seit Gründung des Deutschen Derivate Verbands (DDV) dessen Geschäftsführer und vertritt den DDV auch in den Arbeitsgruppen des europäischen Dachverbands EUSIPA. Der studierte Germanist und Politologe gilt als ausgewiesener Kommunikationsprofi. Zuvor war Lars Brandau unter anderem in verschiedenen leitenden Funktionen beim Nachrichtensender n-tv tätig; zuletzt als Chefmoderator. In dieser Zeit berichtete er als Reporter aus Kriegs- und Krisengebieten, kommentierte zahlreiche Landtags- und Bundestagswahlen und moderierte drei Jahre lang die Telebörse. Weitere Informationen unter: www.derivateverband.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquelle: DDV / Pressefoto Deutsche Börse AG

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