Adobe befindet sich im KI-Dilemma

Adobe überzeugt mit Rekordzahlen, doch die KI-Revolution sorgt für Zweifel: Analysten warnen vor wachsendem Wettbewerbsdruck und sinkendem Potenzial.

(Bildquelle: unsplash / Jakob Owens)

Im Fall von Adobe (WKN: 871981 / ISIN: US00724F1012) hatten sich Anleger und Analysten lange Zeit gefragt, wann der Softwarespezialist für Bildbearbeitungsprogramme endlich vom KI-Boom profitieren würde. Mit der Zeit wurde das Unternehmen jedoch immer mehr in die Ecke derjenigen gedrängt, deren Geschäftsmodell von der Künstlichen Intelligenz bedroht ist.

KI erhöht den Wettbewerbsdruck

Tal Liani, Analyst bei der Bank of America, hatte Adobe bisher noch verteidigt. Doch nun nahm auch er das „Buy“-Rating für die Adobe-Aktie zurück. Dabei ging es gleich um zwei Stufen auf „Underperform“ nach unten. Gleichzeitig wurde ein Kursziel von 190,00 US-Dollar festgelegt. Obwohl die Adobe-Aktie allein im bisherigen Jahresverlauf einen Kursverlust von knapp 37 Prozent verzeichnet hat, beträgt das Verlustpotenzial aus Sicht des Experten der Bank of America derzeit weiterhin rund 15 Prozent.

Der Analyst geht zwar davon aus, dass professionelle Anwender, die auf eine präzise Pixelkontrolle angewiesen sind, auch künftig auf die Werkzeuge von Adobe setzen werden. Dennoch erwartet er, dass KI im Laufe der Zeit große Teile des Kernmarktes von Adobe verdrängen wird. Als Begründung nennt Liani, dass generative KI die Hürden für die Erstellung von Inhalten deutlich senkt. Dadurch steigt der Wettbewerbsdruck durch günstigere und von Grund auf KI-native Lösungen, was das Wachstumspotenzial von Adobe zunehmend gefährdet.

Ungewisse Zukunft für Adobe

Adobe versucht derzeit unter anderem, Anleger mit Aktienrückkäufen zu überzeugen. So wurden im abgelaufenen zweiten Quartal (Ende Mai) des laufenden Geschäftsjahres 2025/26 rund 8,5 Millionen Aktien für knapp 2 Mrd. US-Dollar erworben. Gleichzeitig verweist das Management auf weitere Rekordergebnisse. Adobe erzielte zwischen März und Mai 2026 einen Rekordumsatz von 6,62 Mrd. US-Dollar, was laut Managementangaben die starke, durch KI getriebene Nachfrage in allen Kundengruppen widerspiegeln würde.

Auch deshalb wurden die eigenen Jahresziele bei Umsatz und EPS angehoben. Entsprechend optimistisch zeigt man sich bei Adobe, wenn es um das Vorhaben geht, die eigene Strategie umzusetzen und KI-Innovationen einer noch breiteren Kundengruppe in den Bereichen Kreativität, Produktivität und Orchestrierung des Kundenerlebnisses zugänglich zu machen. Nur scheint man am Markt eher davon überzeugt zu sein, dass Adobe unter dem Strich nicht so stark wie andere von der KI profitieren wird und in vielen Bereichen sogar Geschäfte durch die KI verlieren oder die Preise nach unten anpassen muss.

Das marktEINBLICKE-Fazit

Adobe liefert weiterhin starke Geschäftszahlen, steigert Umsatz und Gewinn und investiert über Aktienrückkäufe in die eigene Aktie. Gleichzeitig wächst jedoch die Skepsis der Anleger, ob Adobe langfristig zu den Gewinnern der KI-Revolution zählen wird. Während das Management auf eine steigende Nachfrage nach KI-gestützten Lösungen verweist, befürchten Kritiker, dass generative KI die Markteintrittsbarrieren senkt und den Wettbewerb durch günstigere, KI-native Anbieter deutlich verschärft.

Anleger, die gehebelt auf Kursverluste bei der Aktie von Adobe setzen wollen, können mit einem Mini-Future Short (WKN: MR1K08 / ISIN: DE000MR1K086) überproportional von einem Rückgang des Aktienkurses profitieren.

Vertrag widerrufen