Der Bitcoin notiert aktuell um 60.000 US-Dollar – rund 52 Prozent unter seinem Allzeithoch von etwa 126.000 US-Dollar, das die Kryptowährung im Oktober 2025 erreicht hatte. Allein im Juni verlor Bitcoin rund 20 Prozent an Wert, der schwächste Monat seit Juni 2022. Für Dirk Heß, Geschäftsführer des Vermögensverwalters nxtAssets, stellt sich damit eine altbekannte Frage neu: Ist der berühmte Vierjahreszyklus des Bitcoin noch intakt – oder haben institutionelle Marktteilnehmer die Kryptowährung längst aus diesem Muster gelöst?
Der Halving-Takt bestimmt weiterhin die großen Marktphasen
Der Vierjahreszyklus des Bitcoin ist technisch im Code der Kryptowährung verankert: Etwa alle vier Jahre halbiert sich durch das sogenannte Halving die Blockbelohnung für Miner, wodurch sich die Neuemission von Bitcoin verringert. Historisch folgte darauf ein wiederkehrendes Muster aus Rallye, Korrektur und einer längeren Übergangsphase bis zum nächsten Halving.
Während der erste Zyklus nach 2013 mit einer nur zwölfmonatigen Aufwärtsphase noch von der jungen, illiquiden Marktstruktur geprägt war, etablierte sich ab dem zweiten Halving 2016 ein deutlich stabileres Muster: Die Zyklen 2016 und 2020 verliefen mit jeweils 17 Monaten Aufwärtsphase, 13 Monaten Korrektur und 16 bis 17 Monaten Übergangsphase bis zum nächsten Halving auffällig ähnlich.
Der laufende, vierte Zyklus reiht sich bislang eng in dieses Muster ein: Nach dem Halving im April 2024 dauerte die Aufwärtsphase erneut 17 Monate (518 Tage) bis zum Zyklushoch am 6. Oktober 2025. Heß bringt die aktuelle Lage auf den Punkt:

„Der aktuelle Halving-Zyklus läuft bislang erstaunlich nah am Muster der Zyklen 2016 und 2020. Wenn diese Taktung hält, rückt Oktober oder November 2026 als historisches Fenster für den Übergang aus der Korrektur in die nächste Marktphase in den Blick – ohne daraus ein Kursziel oder eine Bodenprognose abzuleiten.“
Die Korrekturen werden milder – aber nicht bedeutungslos
Auffällig ist, dass die Heftigkeit der Kurseinbrüche von Zyklus zu Zyklus abnimmt. Der Bärenmarkt 2017/18 kostete Bitcoin rund 84 Prozent vom Zyklushoch, 2021/22 waren es rund 78 Prozent. Der aktuelle Rückgang liegt bislang bei rund 52 Prozent – damit fällt die laufende Korrektur bisher spürbar milder aus als die beiden vorangegangenen Bärenmärkte, auch wenn sie nach Einschätzung von nxtAssets noch nicht abgeschlossen ist.
Für Heß ist diese geringere Fallhöhe kein Grund zur Entwarnung, sondern Ausdruck eines strukturell veränderten Marktes: „Bitcoin folgt noch seinem alten Rhythmus, musikalisch ausgedrückt zunehmend im Decrescendo. Im Markt geben verstärkt institutionelle Kapitalflüsse, Liquidität und Zinsen die Richtung vor.“
Wie stark dieser Hebel inzwischen wirkt, zeigt der Blick auf die ETF-Flows:
Der schwächste Bitcoin-Monat seit Juni 2022 fiel mit den höchsten Netto-Abflüssen aus US-Spot-Bitcoin-ETFs seit deren Marktstart zusammen – rund 4,5 Mrd. US-Dollar flossen im Juni 2026 ab. Hinzu kommt die Konkurrenz um Risikokapital: Zieht der KI- und Tech-Sektor viel Anlegergeld an, bleibt für Krypto-Assets tendenziell weniger Aufmerksamkeit und Liquidität übrig.
Das mE-Fazit
Der Vierjahreszyklus des Bitcoin ist nach Einschätzung von nxtAssets nicht tot, aber gezähmt. Das Halving bleibt der Taktgeber der großen Marktphasen, während Ausmaß und Schärfe der Ausschläge zunehmend von Kapitalflüssen, Zinsniveau und der Positionierung institutioneller Investoren bestimmt werden.
Ob die laufende Korrektur – wie das seit 2016 beobachtete Muster nahelegt – bis in den Herbst 2026 andauert und danach in eine Übergangsphase mündet, bleibt offen: Muster können brechen, und die Markterwartungen sind aktuell geteilt. Anleger, die sich am historischen Zyklus orientieren, sollten dies daher als Orientierungsrahmen begreifen, nicht als Kurs- oder Bodenprognose.








