ABB: Starke Zahlen, teure Übernahme

KI und Rechenzentren treiben ABB an: Rekordaufträge belegen den Boom. Mit der milliardenschweren Rotork-Übernahme setzt der Konzern auf weiteres Wachstum.

(Bildquelle: Pressefoto ABB)

Transformatoren und Stromnetze spielen im Zuge des KI-Booms und des Aufbaus massiver Rechenzentren eine entscheidende Rolle. Dies kommt auch ABB (WKN: 919730 / ISIN: CH0012221716) zugute. Nun hat der Schweizer Industriekonzern diese Stärke genutzt, um eine Rekordübernahme zu vermelden. Anleger müssen mit dieser jedoch zunächst noch warm werden.

Rotork-Übernahme im Fokus

Während die ABB-Aktie zuletzt dank der Beteiligung des Schweizer Industriekonzerns am KI-Boom eine starke Performance an den Tag gelegt hatte, sorgte die Ankündigung der geplanten Rotork-Übernahme kurzfristig für Verstimmung auf Anlegerseite. Einigen könnte der aufgerufene Preis ein Dorn im Auge sein. ABB will 5,5 Mrd. US-Dollar für den britischen Anbieter intelligenter Lösungen für die Durchflussregelung sowie elektrischer Stellantriebe bezahlen.

Mit der Transaktion will ABB seinen Fokus auf Elektrifizierung und Automatisierung weiter stärken sowie das Angebot des Geschäftsbereichs Automation für große und komplexe Infrastrukturprojekte und Industrieanwendungen erweitern. Jeder Rotork-Aktionär soll 503 Pence in bar je Rotork-Aktie erhalten. Dies entspricht einem Aufschlag von rund 60 Prozent auf den durchschnittlichen Aktienkurs von Rotork in den vergangenen drei Monaten.

Effizientere Stromversorgung für Rechenzentren

ABB konnte die angekündigte Übernahme zudem mit überzeugenden Quartalsergebnissen flankieren. Mit 12 Mrd. US-Dollar erreichte ABB zuletzt einen Rekordauftragseingang. Im Vorjahresvergleich lag das bereinigte Plus bei 30 Prozent. Die Erlöse legten zwischen April und Juni 2026 um 14 Prozent auf 9,5 Mrd. US-Dollar zu. Die operative EBITA-Marge konnte wiederum um 90 Basispunkte auf 20,2 Prozent verbessert werden. Im Hinblick auf den KI-Boom verweist das ABB-Management darauf, dass das Unternehmen zu den Technologieführern im Bereich Mittelspannung gehöre.

Zu den jüngsten Errungenschaften gehören Technologien, mit deren Hilfe Rechenzentren direkt an das Stromnetz angeschlossen werden können, ohne dass eine Spannungsumwandlung erforderlich ist. Das reduziert laut ABB die Energieverluste bei der Umwandlung und verringert die Komplexität der Infrastruktur. Für das laufende dritte Quartal 2026 erwartet ABB im Vergleich zum Vorjahresquartal ein Wachstum der vergleichbaren Umsätze im niedrigen bis mittleren zweistelligen Prozentbereich (ca. 10 bis 15 Prozent).

Die operative EBITA-Marge sollte sich gegenüber dem zweiten Quartal weiter verbessern. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet ABB ein positives Book-to-Bill-Verhältnis sowie ein Wachstum der vergleichbaren Umsätze ebenfalls im niedrigen zweistelligen Prozentbereich (ebenfalls etwa 10 bis 15 Prozent) gegenüber dem Vorjahr. Die operative EBITA-Marge sollte sich laut Managementprognose im Jahresvergleich verbessern, selbst wenn der Immobilienveräußerungsgewinn aus dem ersten Quartal 2026 unberücksichtigt bleibt.

Das marktEINBLICKE-Fazit

ABB profitiert weiterhin von den strukturellen Wachstumstreibern rund um Künstliche Intelligenz, den Ausbau der Stromnetze und die weltweit steigenden Investitionen in Rechenzentren. Die starken Quartalszahlen und der Rekordauftragseingang unterstreichen, dass die Nachfrage nach Elektrifizierungs- und Automatisierungslösungen ungebrochen hoch ist. Die Übernahme von Rotork ist zwar aufgrund des hohen Kaufpreises zunächst umstritten, passt jedoch strategisch gut zur Ausrichtung des Konzerns und dürfte das Angebot für anspruchsvolle Infrastruktur- und Industrieprojekte sinnvoll ergänzen.

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