Alphabet: Ungewohnte Drucksituation

Die Google-Muttergesellschaft Alphabet investiert Milliarden in KI und belastet damit kurzfristig den Free Cashflow. Die Q2-Zahlen sollen zeigen, ob sich der gewaltige Kraftakt auszahlt.

(Bildquelle: unsplash / Zulfugar Karimov)

Alphabet (WKN: A14Y6H / ISIN: US02079K1079) profitiert mit seiner Online-Suchmaschine Google sowie dem Cloud-Geschäft wie kaum ein anderes Unternehmen vom KI-Boom. Gleichzeitig investiert der Konzern wie kaum ein anderer in den Ausbau der Künstlichen Intelligenz. Die zuletzt teilweise deutlichen Kursbewegungen der Alphabet-Aktie zeigen, dass sich Anleger immer wieder die Frage stellen, ob sich diese enormen Ausgaben am Ende rechnen werden.

Ausgabenwut kennt kein Halten

Die Google-Muttergesellschaft Alphabet hatte sich unter anderem mit einem margenstarken Online-Werbegeschäft und starken Free Cashflows einen Namen gemacht. Entsprechend hellhörig werden Anleger, wenn das Unternehmen für das erste Quartal 2026 einen Rückgang des Free Cashflows im Vorjahresvergleich um knapp 47 Prozent auf 10,12 Mrd. US-Dollar sowie eine mehr als Verdopplung der Investitionsausgaben auf 35,7 Mrd. US-Dollar vermeldet.

Zu allem Überfluss hatte das Unternehmen Investoren gewarnt, dass die Investitionsausgaben im Jahr 2026 bei 180 bis 190 Mrd. US-Dollar liegen sollen. Zuvor hatte die Prognose bei 175 bis 185 Mrd. US-Dollar gelegen. Das Management erklärte außerdem, dass die Investitionsausgaben im Jahr 2027 im Vergleich zu 2026 „deutlich“ steigen werden. Entsprechend gespannt sind Anleger nun auf die Q2-Ergebnisse.

Diese werden am Mittwochabend nach US-Börsenschluss veröffentlicht. Neben der Aufnahme neuer Schulden sollen diese Ausgaben auch mithilfe einer Anfang Juni angekündigten Kapitalerhöhung im Volumen von 80 Mrd. US-Dollar finanziert werden. Diese wurde nur wenige Tage später auf 85 Mrd. US-Dollar aufgestockt, wobei Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway 10 Mrd. US-Dollar davon übernimmt.

Alphabet muss Überzeugungsarbeit leisten

Alphabet will auf diese Weise vor allem den immensen Ausbau seiner KI-Rechenzentrumsinfrastruktur finanzieren. Dabei gilt es, mit den immensen Ausgaben seiner Hyperscaler-Konkurrenten mitzuhalten. Auch diese investieren historisch hohe Summen in neue Rechenzentren sowie in die Chips und Systeme, die benötigt werden, um die stark steigende Nachfrage nach KI-Rechenleistung zu decken. Gleichzeitig konkurrieren diese Unternehmen um die klügsten Köpfe im Tech-Bereich. In dieser Hinsicht musste Alphabet zuletzt zwei Rückschläge hinnehmen, die sich unmittelbar im Aktienkurs niederschlugen.

Noam Shazeer, Googles Vizepräsident für Engineering und einer der Co-Leiter der Gemini-KI-Modelle, sagte Mitte Juni, dass er das Unternehmen verlässt, um zum Konkurrenten OpenAI zu wechseln. Shazeers Abschied erfolgte weniger als zwei Jahre nach seiner Rückkehr zu Google. Auch John Jumper, Vizepräsident und Engineering Fellow bei DeepMind, kündigte an, das Unternehmen nach neun Jahren zu verlassen und zum Konkurrenten Anthropic zu wechseln.

Jumper, der 2024 gemeinsam mit Demis Hassabis den Nobelpreis erhielt, ist vor allem als Mitentwickler von AlphaFold bekannt – einer bahnbrechenden KI, die mehr als 200 Millionen Proteinstrukturen vorhergesagt und dadurch die biologische und medizinische Forschung um Jahre beschleunigt hat. Somit wird es am Management rund um Alphabet-Chef Sundar Pichai liegen, die Anleger davon zu überzeugen, dass die Personalabgänge aufgefangen werden können und sich die hohen Investitionen am Ende rechnen. Wenn es um nackte Zahlen geht, gingen Analysten zuletzt für das abgelaufene zweite Quartal laut FactSet-Konsens von Umsätzen in Höhe von 116,99 Mrd. US-Dollar und einem EPS von 2,87 US-Dollar aus.

Mein Fazit

Alphabet investiert so massiv wie kaum ein anderes Unternehmen in den Ausbau seiner KI-Infrastruktur und nimmt dafür kurzfristig deutlich niedrigere Free Cashflows sowie eine steigende Verschuldung in Kauf. Mit den anstehenden Quartalszahlen wird daher nicht nur die operative Entwicklung im Fokus stehen, sondern vor allem die Frage, ob Alphabet Anleger davon überzeugen kann, dass sich die milliardenschweren Investitionen in Künstliche Intelligenz langfristig in nachhaltigem Wachstum und höheren Erträgen auszahlen.

Als Alternative zu einem Direktinvestment in Alphabet käme auch ein Indexzertifikat auf den Magnificent 7 Index (WKN: DA0AC0 / ISIN: DE000DA0AC05) infrage. Bei den Magnificent 7 handelt es sich um die sieben Technologiewerte Meta Platforms, Alphabet, Microsoft, Amazon, Apple, NVIDIA und Tesla.

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