Netflix (WKN: 552484 / ISIN: US64110L1061) hatte die sogenannten Streaming Wars gewonnen und galt daher als der Börsenstar unter den Streaming-Anbietern. Zumal Initiativen rund um das Password Sharing, steigende Werbeeinnahmen, Live-Events sowie die in der Branche weiterhin unübertroffene Sammlung an Filmen, Serien und Dokumentationen für positive Wachstumsaussichten sorgten. Zeitweise galt lediglich die etwas hohe Bewertung der Aktie als Störfeuer. Nun aber scheint Netflix etwas mehr Gegenwind entgegenzuwehen.
Eine Frage der Bewertung
Die Netflix-Aktie verlor seit Anfang 2026 rund 28 Prozent an Wert. Innerhalb eines Jahres wurde eine Performance von minus 44 Prozent verzeichnet. Nach einer lang anhaltenden Siegesfeier infolge des Triumphs in den Streaming Wars stellten sich Marktteilnehmer zunehmend die Frage, ob der Streaming-Anbieter die hohen Bewertungen würde rechtfertigen können. Der nun vorgelegte Ausblick auf das laufende dritte Quartal 2026 war in dieser Hinsicht keine Hilfe.
Netflix meldete solide Ergebnisse für das zweite Quartal (April bis Juni). Der Umsatzausblick enttäuschte, während eine neue Praxis der Offenlegung von Geschäftszahlen nicht besonders gut ankam. Diese wird nun weiter eingeschränkt. Darüber hinaus steht Netflix vor Herausforderungen durch ein nachlassendes Abonnentenwachstum und einen verschärften Wettbewerb. Die konzernweiten Umsatzerlöse lagen im zweiten Quartal mit 12,56 Mrd. US-Dollar nahezu auf dem Niveau der vorherigen Konsensschätzungen von 12,57 Mrd. US-Dollar.
Der bereinigte Gewinn je Aktie kam mit 80 Cents sogar leicht über den Erwartungen von 79 Cents ins Ziel. Geholfen hatte hierbei eine höhere operative Marge. Diese lag bei 33,4 Prozent gegenüber Konsensschätzungen von 33,0 Prozent. Allerdings war die bessere operative Marge auch auf den zeitlichen Anfall von Ausgaben zurückzuführen. Enttäuschend fiel wiederum der Umsatzausblick aus.
Übertriebene Sorgen?
Für das dritte Quartal prognostiziert Netflix einen Umsatz von 12,86 Mrd. US-Dollar. Damit liegt das Unternehmen unterhalb der vorherigen Konsensschätzungen von 13,0 Mrd. US-Dollar. Die operative Marge soll bei 33,2 Prozent liegen, gegenüber durchschnittlichen Analystenschätzungen von 33,5 Prozent. Ärgerlich ist für einige Marktteilnehmer offenbar auch der Umstand, dass das Management künftig nur noch einmal jährlich statt zweimal Details zum Nutzerengagement veröffentlichen möchte – offiziell, um den Fokus stärker auf Umsatz und operativen Gewinn zu lenken.
Beim Nutzerengagement verzeichnete Netflix im zweiten Quartal insgesamt mehr als 97 Milliarden gestreamte Stunden, was einem Anstieg von lediglich 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Trotz einiger Enttäuschungen glauben Analysten auch weiterhin an Netflix, wenn auch nicht mehr so stark wie früher. Morgan-Stanley-Analyst Sean Diffley nutzte die jüngsten Quartalsergebnisse und Prognosen, um im Fall der Netflix-Aktie das Kursziel von 90,00 auf 83,00 US-Dollar zu senken, bestätigte jedoch das „Overweight“-Rating.
Der Experte hält die Sorgen um das Nutzerengagement für übertrieben und sieht weiterhin nachhaltiges zweistelliges Umsatzwachstum sowie sich ausweitende Margen, auch wenn dieser Bericht die großen Debatten wohl nicht beenden werde – nach den im Rahmen der Erwartungen liegenden Zahlen zum zweiten Quartal und einer Prognose für das dritte Quartal, die etwas schwächer ausgefallen sei. Piper-Sandler-Analyst Thomas Champion hat das Kursziel für Netflix von 115,00 auf 85,00 US-Dollar gesenkt und die Einstufung „Overweight“ bestätigt.
Das marktEINBLICKE-Fazit
Netflix bleibt mit einer führenden Marktposition und langfristigen Wachstumstreibern wie dem Werbegeschäft oder Live-Formaten gut aufgestellt. Allerdings scheint die Zeit, in der der Streaming-Pionier nahezu jeden Quartalsbericht mit Leichtigkeit übertraf, vorerst vorbei zu sein. Der verhaltene Umsatzausblick, das nachlassende Wachstum beim Nutzerengagement und die eingeschränkte Transparenz bei den Kennzahlen haben Zweifel daran geweckt, ob die hohe Bewertung der Aktie weiterhin gerechtfertigt ist. Dennoch sprechen einige positive Analysteneinschätzungen dafür, dass sich aufgrund der jüngsten Kursrückgänge ein Blick auf die Aktie lohnen könnte.
Investoren, die nicht nur auf Netflix, sondern auf mehrere Unternehmen mit Bezug zum Wachstumsmarkt Technologie setzen möchten, sollten sich das Indexzertifikat auf den Tech-Giganten-Index (WKN: DA0AC4 / ISIN: DE000DA0AC47) anschauen.









