Nestlé dreht auf: Wachstum kehrt zurück

Nestlé gewinnt operativ an Dynamik: Das interne Realwachstum steigt, der Konzern baut um und schafft Milliarden-Spielraum für neue Investitionen.

(Bildquelle: Nestlé)

Mit rund 81 Schweizer Franken ist die Nestlé-Aktie (WKN: A0Q4DC / ISIN: CH0038863350) noch immer ein ganzes Stück von ihrem Anfang 2022 bei knapp 130 CHF erreichten Allzeithoch entfernt. Allerdings kamen die Anteilsscheine des Schweizer Nahrungsmittelriesen trotz schwieriger Marktbedingungen zuletzt immer besser in Schwung.

Nestlé macht Fortschritte bei wichtiger Kennzahl

Der Nahrungsmittel- und Konsumgüterkonzern hat weiterhin mit geopolitischen Risiken, einer schwierigen Konjunktur sowie der anhaltend hohen Inflation zu kämpfen. Im Ergebnis ergibt sich eine schwache Verbraucherstimmung. Gleichzeitig baut der neue CEO Philipp Navratil den größten Industriekonzern der Schweiz um. In vielen Bereichen wird gespart, um verstärkt in Wachstumsbereiche investieren zu können.

Auch wenn eine jahrelange Wachstumsschwäche nicht über Nacht überwunden werden kann, waren auch im zweiten Quartal 2026 Fortschritte zu erkennen. Das organische Wachstum lag im ersten Halbjahr 2026 bei 3,6 Prozent, während es sich in ein internes Realwachstum (RIG) von 1,5 Prozent und Preisanpassungen von 2,1 Prozent aufspalten ließ. Im zweiten Quartal zogen das organische Wachstum und das interne Realwachstum auf 3,7 beziehungsweise 1,8 Prozent an.

Bei Nestlé ist das interne Realwachstum (RIG, Real Internal Growth) eine besonders wichtige Kennzahl, mit der das Unternehmen misst, wie stark sein Geschäft organisch durch höhere Absatzmengen und/oder einen besseren Produktmix wächst – ohne den Einfluss von Preiserhöhungen, Währungseffekten oder Zu- und Verkäufen von Unternehmen. Zu den jüngsten Verbesserungen hatte vor allem ein stärkeres Wachstum in den Schwellenländern beigetragen.

Lösung für das Wasser-Geschäft gefunden

Angesichts der jüngsten Erfolge sprach Konzernchef Navratil davon, dass die vom internen Realwachstum getragene Wachstumsstrategie Wirkung zeigen würde. Damit käme man dem eigenen mittelfristigen Ausblick stetig näher, während sich das Wachstum in den aufstrebenden Märkten beschleunigt habe. In den Industrieländern sah Navratil wiederum eine „solide“ Performance.

„Wir investieren gezielt in unsere führenden Marken und Wachstumsplattformen, schärfen die strategische Ausrichtung unseres Portfolios und erschließen zusätzliche Effizienzpotenziale für Reinvestitionen. Das externe Umfeld bleibt zwar ungewiss, doch wir ergreifen Maßnahmen, um dauerhaft höheres Wachstum zu erzielen“, sagte Navratil. Zu den wichtigsten Umbaumaßnahmen gehört die Neuordnung des Wasser-Geschäfts. Hier wurde nun eine Lösung gefunden.

Der Konzern hatte eine Partnerschaft zur Gründung eines 50:50-Joint-Ventures für den Bereich Waters & Premium Beverages angekündigt. Dieses soll den Namen Peranel tragen und wird mit der US-Beteiligungsgesellschaft Platinum Equity gegründet. Während das Geschäft mit Marken wie Perrier oder San Pellegrino mit ca. 4,9 Mrd. Euro bewertet wird, erhält Nestlé Netto-Barerlöse von rund 2,8 Mrd. CHF im ersten Halbjahr 2027. Auch Marken im Bereich Vitamine, Mineralstoffe und Nahrungsergänzungsmittel sowie das Speiseeisgeschäft sollen veräußert werden.

Maßnahmen spülen Geld in die Kassen

Für das laufende Gesamtjahr 2026 rechnet das Management weiterhin mit einem organischen Umsatzwachstum von 3 bis 4 Prozent, wobei das interne Realwachstum aufgrund der voranschreitenden Wachstumspläne gegenüber 2025 zunehmen soll. Die zugrunde liegende operative Ergebnismarge soll sich gegenüber 2025 verbessern, während für das zweite Halbjahr eine Marge erwartet wird, die weitgehend auf dem Niveau des ersten Halbjahres liegen sollte.

Der Free Cashflow wird voraussichtlich bei über 9 Mrd. CHF liegen. Im ersten Halbjahr lag die zugrunde liegende operative Ergebnismarge bei 16,4 Prozent, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen leichten Rückgang um 10 Basispunkte bedeutete, im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2025 (15,7 Prozent) jedoch eine Verbesserung darstellt. Die verschiedenen Umbaumaßnahmen sorgten wiederum dafür, dass der Free Cashflow 3,4 Mrd. CHF erreichte.

Mein Fazit

Nestlé befindet sich weiterhin in einer anspruchsvollen Transformationsphase, doch die jüngsten Geschäftszahlen zeigen, dass der eingeschlagene Kurs erste Erfolge liefert. Besonders das steigende interne Realwachstum signalisiert, dass die Nachfrage nach den Produkten wieder anzieht und das Wachstum zunehmend aus dem operativen Geschäft statt aus Preiserhöhungen stammt. Gleichzeitig schafft der Konzern durch den Verkauf beziehungsweise die Ausgliederung weniger strategischer Geschäftsbereiche finanziellen Spielraum, um stärker in margen- und wachstumsstarke Segmente zu investieren.

Als Alternative zu einem Direktinvestment in Nestlé käme auch ein Indexzertifikat auf den Schweiz Index (WKN: DA0AAW / ISIN: DE000DA0AAW8) infrage. Neben dem Pharmakonzern sind in diesem weitere Größen aus der Schweiz wie Roche, Novartis oder Swisscom zu finden.

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