Bentley Torcal: Wenn Elektromobilität nach Somerset riecht

Mit dem Torcal wagt Bentley den Schritt in die Elektromobilität - und macht dabei vieles anders als die Konkurrenz: kein Designbruch, kein Technologiespektakel, sondern der Versuch, einen Bentley zu bauen, der zufällig elektrisch ist.

(Bildquelle: Pressefoto Bentley)

Bentley stellt sein erstes vollelektrisches Fahrzeug vor – und beginnt die Präsentation nicht mit Zahlen, sondern mit einem Bekenntnis. „Der Torcal ist ein Bentley durch und durch“, sagt CEO Dr. Frank-Steffen Walliser. „Für mich einer der besten Bentleys, die es jemals gab.“ Das ist ein großes Versprechen. Es ist auch eine bewusste Abgrenzung — von allem, was zuletzt schieflief, wenn Luxusmarken ihre Elektroautos vorstellten.

Ferrari erntete beim Luce gemischte Reaktionen. Jaguar verärgerte mit seinem Designbruch viele Stammkunden. Bentley hat beobachtet, hat gewartet und liefert nun eine eigene Antwort: Kunden wollten ein traditionelles Design, unabhängig vom Antrieb. Der Torcal soll das beweisen. Er basiert auf derselben technischen Plattform wie der elektrische Porsche Cayenne und nutzt weitere Technologien des Volkswagen-Konzerns – doch was man sieht, hört und fühlt, soll unverkennbar Bentley sein.

(Bildquelle: Pressefoto Bentley)

888 PS. 1.350 Nm. 2,9 Sekunden.

Die Zahlen sprechen für sich, und Bentley lässt sie sprechen. Zwei Permanentmagnet-Synchronmotoren, ein 113-kWh-Batteriepack auf 800-Volt-Architektur, bis zu 888 PS und 1.350 Nm Drehmoment in der S-Version – so viel wie bei keinem Bentley zuvor. Von null auf 100 km/h in 2,9 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 260 km/h. Reichweite bis zu 600 km. Laden mit bis zu 400 kW: von 10 auf 80 Prozent in 16 Minuten, rund 161 km Reichweite in nur sieben Minuten.

Dass das S-Modell mit 888 PS und 1.350 Nm ausgestattet ist, während das Basismodell mit 821 PS und 1.194 Nm antritt, ist eine bewusste Entscheidung. Das Entwicklungsteam hielt noch extremere Beschleunigungswerte für technisch machbar,  empfand sie aber als für die meisten Kunden unangenehm. Ein Luxusauto, das seine eigene Gier zügelt. Das ist Bentley.

Seit 107 Jahren steht Bentley für Automobile, die in jeder Hinsicht außergewöhnlich sind. Unser neuer Torcal setzt in allen entscheidenden Bereichen neue Maßstäbe.
Dr. Frank-Steffen Walliser, Chairman & CEO Bentley Motors

(Bildquelle: Pressefoto Bentley)

Design ohne Bruch

Design Director Robin Page beschreibt die Gestaltungsphilosophie des Torcal in vier Wahrnehmungsebenen: Proportionen, Grafik, Flächensprache, Details. Der lange Radstand, die kurzen Überhänge, die gestreckte Motorhaube — das ist die erste Wahrnehmung, und sie ist unverkennbar Bentley. Das beleuchtete Kühlergrill-Rautenmuster zitiert den Continental T, das „Prestigious Shield“ am Heck wurde erstmals an der Studie EXP 15 erprobt. Nichts davon wirkt neu um des Neuseins willen.

Am auffälligsten sind die hinteren Flanken: Die Karosserie gewinnt über den Hinterrädern an Volumen, was das Design-Team als „schlafende Bestie“ beschreibt – ruhende Kraft, sichtbar auch im Stand. Hinten angeschlagene Türen, die sich per Radar automatisch öffnen und schließen, unterstreichen den souveränen Auftritt. Das Panoramadach im satinierten Rautendesign lässt sich individuell abdunkeln.

(Bildquelle: Pressefoto Bentley)

Der Klang eines Bentley – ohne Motor

Wer einen Bentley fährt, erwartet ein akustisches Erlebnis. Der 6¾-Liter-V8 hat über Jahrzehnte einen Rhythmus geprägt, der für viele untrennbar mit der Marke verbunden ist. Für den Torcal beauftragte Bentley Musiker, diesen Rhythmus zu übersetzen und nicht zu imitieren. Mit Schlagzeug, Bratsche und Bassgitarre entstand die Bentley Dynamic Symphony: ein Soundtrack, der auf angefordertes Drehmoment und Geschwindigkeit reagiert, mit subtilen menschlichen Unregelmäßigkeiten, die ihn von synthetischen Motorsounds unterscheiden. Im Sport-Modus wird er intensiver, auf Wunsch lässt er sich vollständig ausschalten.

Selbst die Nebengeräusche sind komponiert: Der Blinker klingt wie ein Hammer auf Leder, aufgenommen in einer Bentley-Polsterei in Crewe. Der Ton des Touchscreens entstammt dem Klang eines Kristallglases. Das ist keine Kuriosität – das ist Konsequenz.

(Bildquelle: Pressefoto Bentley)

1.000 Schichten Walnuss und Merinowolle aus Somerset

Im Innenraum führt der Torcal die Bentley-Tradition edler Materialien in eine neue Ära. Gemeinsam mit Fox Brothers, einer Traditionsweberei aus Somerset, die seit dem 18. Jahrhundert tätig ist, entwickelte Bentley den weltweit ersten Automobilstoff aus 100 Prozent Merinowolle – zertifiziert nach dem Responsible Wool Standard. Das Ergebnis ist ein Material, das bisher als zu empfindlich für den Automobilbau galt und nun als Sitzfläche und Verkleidung einsetzbar ist.

Das neue Finish Ombré Walnut by Mulliner besteht aus bis zu 1.000 sorgfältig geschichteten Walnussholzresten und recyceltem Papier, auf unter einen Millimeter Stärke gepresst und geschnitten. Vier Walnusstöne schaffen einen fließenden Farbverlauf von tiefem Schwarz bis hellem Rauchgrau. Das Sunburst Aluminium by Mulliner greift die charakteristisch bearbeiteten Aluminiumarmaturen früherer Modelle auf und interpretiert sie mit dreiachsig gebürsteter Oberfläche neu. Nachhaltigkeit als Handwerkskunst und nicht als Kompromiss.

„Der Torcal verkörpert etwas Neues und, wie ich finde, besonders Einzigartiges“, sagt Martin Page, Product Line Director. „Technologie, die unterstützt, ohne den Fahrer zu bevormunden. Üppiger Luxus und souveräne Leistungsentfaltung verbinden sich im Torcal zu einem Fahrerlebnis auf einem neuen Niveau.“

(Bildquelle: Pressefoto Bentley)

Ein Bentley für neue Käufer und eine Antwort auf den Markt

Der Torcal ist mit einem Einstiegspreis ab rund 199.000 Euro das günstigste Modell im Bentley-Portfolio und damit bewusst breiter ausgerichtet als alles, was die Marke zuvor angeboten hat. Bentley rechnet damit, jüngere Kunden anzusprechen, viele davon Erstkäufer. Fünf Sitze, ein 460-Liter-Kofferraum, ein Wendekreis von 11,1 Metern und ein vollaktives Fahrwerk, das Stabilisatoren überflüssig macht – der Torcal ist ein Alltagsauto. Eines, das zufällig 888 PS hat.

Der Kontext, in dem er erscheint, ist nicht unwichtig: Rolls-Royce verzeichnete beim Spectre zuletzt stark rückläufige Absatzzahlen. Chinesische Hersteller drängen ins obere Marktsegment. Und der Mutterkonzern Volkswagen braucht seine Luxusmarken als Ertragsanker, während das Volumengeschäft unter Druck steht. 350 Millionen Pfund investiert Bentley in das Werk in Crewe. Das ist ein Bekenntnis zum britischen Produktionsstandort in einer Branche, die ihn zunehmend verlässt.

Der Torcal ist die Antwort auf viele Fragen gleichzeitig. Ob er sie alle beantwortet, wird der Markt entscheiden. Bentley hat seinen Teil getan.

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