Das gehypte Cybercab-Event in Austin im US-Bundesstaat Texas konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Gleichzeitig hätte man angesichts des Rekord-IPOs von SpaceX und des generierten Rummels um Elon Musks Raumfahrtunternehmen schon vergessen können, dass er auch einem Elektroautounternehmen vorsitzt. Nun aber scheint Tesla (WKN: A1CX3T / ISIN: US88160R1014) mit der ersten Produktionsstätte für den rein elektrischen Sattelschlepper Tesla Semi einen guten Zeitpunkt erwischt zu haben.
Tesla Semi als Retter?
Der nicht enden wollende Iran-Krieg, die Blockade der Straße von Hormus sowie die Angriffe der Ukraine auf die Energieinfrastruktur Russlands haben zuletzt in den USA für neue Rekorde bei den Dieselpreisen gesorgt. Transportunternehmen geraten angesichts der steigenden Kosten unter Druck. Bei Norfolk Southern bezeichnete man die eigenen Treibstoffkosten mittlerweile als geradezu science-fiction-artig hoch.
Dies ist ein ungewöhnlich drastisches Bild für eine Branche, die Kostenentwicklungen in der Regel nüchtern kommuniziert. Während US-Präsident Donald Trump offenbar damit rechnet, dass es nach den Zwischenwahlen in den USA Anfang November sogar zu neuen Angriffen auf den Iran und damit zu einer Eskalation der Lage kommt, könnte Rettung aus dem Hause Tesla nahen. Laut Analysten von Morgan Stanley könnten die stark steigenden Dieselpreise in den USA die Argumente für Teslas Sattelschlepper stärken.
Tesla beginnt am Werk in Sparks, Nevada, mit der Auslieferung des Elektro-Lastwagens an erste Kunden – fast neun Jahre nachdem Firmenchef Elon Musk das Fahrzeug erstmals vorgestellt hatte. Das Unternehmen bekräftigt sein Ziel, am Standort jährlich 50.000 Einheiten zu produzieren. Anfang 2027 wolle das Unternehmen auch autonomes Fahren mit dem Fahrzeug ermöglichen, sagte CEO Elon Musk bei der Analystenkonferenz zu den Quartalszahlen im Juli. Die hohen Spritpreise könnten ein wichtiges Kaufargument sein.
Fragezeichen rund um das Kerngeschäft
Laut einer Analyse von Morgan-Stanley-Analyst Andrew Percoco könnte ein autonomer Elektro-Lkw die Kosten pro Meile gegenüber einem von Menschen gesteuerten Diesel-Lkw um 20 Prozent senken. Zudem könnte er die jährliche Fahrleistung jedes Lkw auf mehr als 215.000 Meilen steigern – mehr als doppelt so viel und 133 Prozent über dem aktuellen Niveau.
Trotz solcher Aussichten reichte es bei der Tesla-Aktie lediglich zur Bestätigung des „Equal Weight“-Ratings und eines Kursziels von 400 US-Dollar. Aktuell würde dies einem Kursplus von knapp 8 Prozent entsprechen. Ein Problem für Tesla bleibt der Umstand, dass Zukunftsmärkte und die entsprechenden Investitionen mit Einnahmen aus dem Elektroautogeschäft finanziert werden müssen – und dieses läuft nicht gerade blendend.
So hatte Goldman-Sachs-Analyst Mark Delaney zuletzt seine Prognose für die Auslieferungen im dritten Quartal von 490.000 auf 435.000 Fahrzeuge gesenkt. Als Folge wurden das „Neutral“-Rating und das Kursziel von 360,00 US-Dollar bestätigt. Der Experte verweist darauf, dass die Auslieferungen im dritten Quartal auf Basis monatlicher und wöchentlicher Verkaufsdaten aus wichtigen Regionen unter dem Konsens von 456.000 Fahrzeugen liegen dürften.
Mein Fazit
Der Tesla Semi könnte angesichts der stark gestiegenen Dieselpreise für Transportunternehmen attraktiver werden. Sollten sich die versprochenen Kostensenkungen und Effizienzgewinne bewahrheiten, hätte Tesla die Chance, sich in einem wichtigen Zukunftsmarkt zu etablieren. Doch bis autonomes Fahren und die geplante Serienproduktion Realität werden, bleibt viel zu beweisen.
Wer nicht nur auf Tesla, sondern gleich auf eine Vielzahl von Unternehmen setzen möchte, die von der Roboter-Revolution profitieren wollen, kann sich das Indexzertifikat auf den Robotic Index (WKN: DA0ACB / ISIN: DE000DA0ACB8) anschauen. In diesem Fall partizipieren Anleger auf einfache Weise an der immer schneller voranschreitenden Verknüpfung von Zukunftsbereichen wie der Automatisierung und der Künstlichen Intelligenz. Den Einsatzgebieten und Anwendungen – von autonom fahrenden Autos über humanoide Roboter bis hin zu vollständig automatisierten Produktionseinrichtungen – sind kaum Grenzen gesetzt.









