Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

Es steht außer Zweifel, dass sich Risiken für Industrie- und Handelsunternehmen in der Vergangenheit dramatisch erhöht haben. Wesentlicher Einflussfaktor ist die immer weiter zunehmende Komplexität. Die Annahme, dass die Welt immer komplexer, mitunter sogar unüberschaubarer werde, ist nicht neu und Gegenstand vieler gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Debatten. Für die Finanzindustrie gilt diese Annahme in besonderer Weise.

Infolge dessen lassen viele Anleger auch oftmals die Finger von bestimmten Finanzprodukten, weil sie denken, diese seien zu kompliziert. Natürlich sind nahezu alle Finanzprodukte und auch die meisten Zertifikate strenggenommen komplex. Darin unterscheiden sie sich aber nicht von vielen Produkten und Dienstleistungen, die wir ganz selbstverständlich im Alltag nutzen. Oftmals nehmen wir diese Komplexität im Alltag kaum wahr, zumal diese Dinge quasi zu unserem Leben dazugehören und es idealerweise vereinfachen. Und wie schaut es diesbezüglich bei Finanzinstrumenten aus? Bewirkt hier nicht eine „höhere“ Komplexität sogar die Verringerung der Risiken?

Fakt ist, strukturierte Wertpapiere sind viel leichter zu verstehen als vielfach angenommen. Doch auch hier muss ein Investor eben ein wenig Zeit mitbringen, um sich mit diesem Finanzprodukt vertraut zu machen. Zertifikate bestehen häufig aus mehreren Komponenten. Dies dient vor allem der Absicherung des Produkts. So benötigt man zusätzliche Komponenten, um den 100%igen Kapitalschutz von Kapitalschutz-Zertifikaten sicherzustellen.

Das ist zwar komplex, führt aber zu einem Höchstmaß an Sicherheit. Denn der Anleger erhält am Ende der Laufzeit mindestens den Nennwert des eingesetzten Kapitals zurück.

Ferner ist die Annahme weit verbreitet, dass mit zunehmender Komplexität eines Finanzprodukts dessen Transparenz sinke. Das stimmt zumindest für strukturierte Wertpapiere so nicht. Denn Zertifikate sind unabhängig von ihrer Komplexität sehr transparent. Der Anleger kennt den Basiswert, der seinem Zertifikat zugrunde liegt sowie die sonstigen Ausstattungsmerkmale. Zudem kennt er stets den aktuellen Wert seines Zertifikats und kann dieses börsentäglich jederzeit wieder veräußern.

In der Summe lässt sich die Annahme, dass strukturierte Wertpapiere besonders komplex seien, so nicht belegen. Dies bestätigen auch verschiedene wissenschaftliche Studien. Bei der Einstufung der Komplexität sollte weniger in Produktkategorien gedacht werden, sondern vielmehr auf die Ausgestaltung des jeweiligen Finanzprodukts. Wer das befolgt, der versteht schnell, dass Komplexität bei einem Finanzprodukt im Grunde nichts mit dem Risiko zu tun hat. Wichtig ist immer die Transparenz.

DDV, Lars BrandauEin Beitrag von Lars Brandau

Er ist seit Gründung des Deutschen Derivate Verbands (DDV) dessen Geschäftsführer und vertritt den DDV auch in den Arbeitsgruppen des europäischen Dachverbands EUSIPA. Der studierte Germanist und Politologe gilt als ausgewiesener Kommunikationsprofi. Zuvor war Lars Brandau unter anderem in verschiedenen leitenden Funktionen beim Nachrichtensender n-tv tätig; zuletzt als Chefmoderator. In dieser Zeit berichtete er als Reporter aus Kriegs- und Krisengebieten, kommentierte zahlreiche Landtags- und Bundestagswahlen und moderierte drei Jahre lang die Telebörse. Weitere Informationen unter: www.derivateverband.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquelle: DDV / Pressefoto Deutsche Börse AG

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