Die deutsche Getreideernte fällt 2026 deutlich kleiner aus als im starken Vorjahr. Gleichzeitig soll das bestehende Liquiditätshilfeprogramm der Landwirtschaftlichen Rentenbank von 200 auf 500 Millionen Euro ausgeweitet werden. Das kann akute Engpässe abfedern. Doch nicht jeder Finanzierungsbedarf lässt sich sinnvoll mit zusätzlichem Kredit lösen. Entscheidend ist, wofür das Geld gebraucht wird.
Das vorläufige amtliche Ergebnis beziffert die deutsche Getreideernte ohne Körnermais auf rund 37,4 Millionen Tonnen. Das sind 7,3 Prozent weniger als 2025. Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025 liegt die Menge 2,1 Prozent niedriger. Der durchschnittliche Hektarertrag bei Getreide ohne Körnermais liegt annähernd im mehrjährigen Mittel.
Die Unterschiede zwischen Kulturen und Regionen sind groß. Trockenheit und Hitze belasteten die Bestände regional sehr unterschiedlich. Besonders im Süden waren die Verluste bei der Getreideernte deutlich; im Süden und Südwesten traf es zudem Mais und Futterflächen.

Die angekündigte Aufstockung des Rentenbank-Programms zielt auf kurzfristige Liquiditätsengpässe. Gleichzeitig stehen viele Betriebe vor längerfristigen Investitionsentscheidungen, etwa bei Bewässerung, effizienterer Technik oder anderen Anpassungsmaßnahmen. Für beides wird Kapital gebraucht, aber nicht dasselbe Finanzierungsinstrument.
Ein Engpass ist etwas anderes als eine Investition
Wenn Saatgut, Diesel, Dünger oder Futter kurzfristig bezahlt werden müssen, kann ein Kredit einen vorübergehenden Engpass überbrücken. Bei einer Maschine, einer Bewässerungsanlage oder einer anderen größeren Investition geht es dagegen darum, ob sie sich für den Betrieb wirtschaftlich rechnet und ob die daraus entstehenden Zahlungen über mehrere Jahre zu bewältigen sind.
Daneben gibt es Maßnahmen, deren Nutzen nicht nur beim einzelnen Hof anfällt. Wenn eine Investition öffentliche Vorteile schafft, für den Betrieb selbst aber nur begrenzte oder spät eintretende Erträge bringt, kann öffentliche Mitfinanzierung sinnvoll sein. Ist ein Vorhaben langfristig wirtschaftlich tragfähig, scheitert aber an hohen Anfangskosten oder Risiken in der Umstellungsphase, können etwa Garantien oder günstigere Finanzierung helfen. Auch die Europäische Umweltagentur weist bei Investitionen in eine klimaresilientere Landwirtschaft auf solche unterschiedlichen Finanzierungssituationen hin.
Der Anteil der Betriebe, die ihre Liquidität als gut oder sehr gut einschätzen, ist seit dem Frühjahr von 42 auf 31 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig investieren die Betriebe weiter: 74 Prozent der Befragten haben in den vergangenen zwölf Monaten investiert, 57 Prozent planen Investitionen für die kommenden zwölf Monate.
Die hohe Investitionsquote sagt allerdings noch nichts über die Größenordnung der Vorhaben aus. Bereits zu Jahresbeginn stellte die Rentenbank fest, dass das durchschnittliche Investitionsvolumen gesunken war. Die Daten deuteten darauf hin, dass Betriebe eher Ersatzinvestitionen und kleinere Maßnahmen umsetzten, während größere Projekte vielfach ausblieben.
Investitionen etwa in Bewässerung oder effizientere Technik können dazu beitragen, Kosten zu senken, Wasser effizienter einzusetzen oder einen Betrieb weniger anfällig für Wetter- und Preisschwankungen zu machen. Werden solche wirtschaftlich sinnvollen Vorhaben über längere Zeit aufgeschoben, kann das die Widerstandsfähigkeit der Betriebe schwächen.

Liquidität und Investitionen gemeinsam planen
Kurzfristiger Geldbedarf, bereits bestehende Zahlungsverpflichtungen und geplante größere Investitionen sollten gemeinsam betrachtet werden. Dann lässt sich besser beurteilen, welche Vorhaben wirtschaftlich sinnvoll sind, welche Belastungen ein Betrieb verkraften kann und welches Instrument dazu passt.
Laufzeit und Rückzahlungsprofil einer Finanzierung sollten zu dem Zeitraum passen, in dem eine Investition Erträge oder Einsparungen bringt. Gerade bei saisonalen Geschäftsmodellen ist zudem entscheidend, dass Rückzahlungen mit den tatsächlichen Einnahmeverläufen des Betriebs vereinbar sind.
Die Debatte nach Veröffentlichung des Ernteberichts 2026 sollte sich deshalb nicht auf die Höhe kurzfristiger Hilfen beschränken. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Investitionen für die Betriebe in den kommenden Jahren wirtschaftlich sinnvoll sind und welches Instrument dafür jeweils passt.
Eine unpassende Finanzierung kann zu unnötiger Verschuldung führen oder dazu, dass sinnvolle Investitionen ausbleiben. Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie viel Kapital zur Verfügung steht, sondern ob die Finanzierung zum Bedarf des Betriebs passt.
Ein Beitrag von Dr. Johannes Feist
Er ist Experte für Entwicklungsfinanzierung mit Erfahrung in kommerziellen, staatlichen und gemeinnützigen Geschäftsmodellen und CEO von MK Global Kapital.
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