Bildquelle: Pressefoto Wirecard

Die Wirecard-Aktie (WKN: 747206 / ISIN: DE0007472060) befindet sich erneut auf Erholungskurs. Dabei sind die Chancen, die sich für den Zahlungsabwickler im Bereich Mobile Payment ergeben, unbestritten. Nur leider kann es jederzeit wieder eine „Short“-Attacke auf den DAX-Konzern geben. Etwas, was Anleger immer im Auge behalten sollten.

Rasantes Wachstum

Wirecard hat in den vergangenen Jahren eine beachtliche Reise hinter sich gebracht. Der Zahlungsabwickler aus Aschheim bei München wuchs rasant. Vor allem dank der Verbreitung des Internethandels und des Ausbaus seiner Geschäftstätigkeiten in einigen schnell wachsenden Schwellenländermärkten. Beim Wachstum halfen auch einige größere und kleinere Übernahmen. Zuletzt waren es vor allem die starken Wachstumsaussichten im Bereich Mobile Payment, die Anlegerfantasien weckten. Alternative Bezahlmethoden gewinnen immer mehr an Bedeutung. Das mühsame kramen nach Münzen oder Scheinen im Geldbeutel könnte ziemlich bald der Vergangenheit angehören. Noch gibt es Bedenken gegen einen vollkommen digitalisierten Zahlungsverkehr. Vor allem im Hinblick auf die Privatsphäre, aber auch die Sicherheit. Diese Bedenken werden jedoch immer weniger und die Akzeptanz von Bezahlmethoden abseits des Bargeldes nimmt zu. Wirecard möchte mit von der Partie sein, wenn die Bezahlmethoden der Zukunft entwickelt werden.

Die Möglichkeiten, die sich Unternehmen in diesem Geschäftsfeld eröffnen, haben dafür gesorgt, dass die Wirecard-Aktie bis in den Herbst 2018 hinein einen rasanten Anstieg hinlegen konnte. Das Papier kletterte auf sagenhafte 199,00 Euro. Die Marktkapitalisierung erreichte einen Wert von mehr als 24 Mrd. Euro. Damit konnte Wirecard nicht nur den Aufstieg in den deutschen Leitindex DAX perfekt machen, sondern die traditionsreiche Commerzbank (WKN: CBK100 / ISIN: DE000CBK1001) in der ersten deutschen Börsenliga ersetzen und zeitweise eine größere Marktkapitalisierung als die Deutsche Bank (WKN: 514000 / ISIN: DE0005140008) vorweisen. Mit der Ablösung der Commerzbank im deutschen Blue Chip Index wurde gewissermaßen eine neue Zeitenwende in der deutschen Finanzbrache eingeläutet. In dieser schicken sich innovative Fintechs an, immer mehr traditionelle Bankhäuser zu verdrängen. Einsetzende Gewinnmitnahmen und das von Unsicherheiten geprägte Börsenumfeld sorgten jedoch für eine Korrektur der auch im deutschen Technologieindex TecDAX gelisteten Wirecard-Aktie.

„Financial Times“-Berichte lösen Kursturbulenzen aus

Bis auf etwa 126,00 Euro ging es Ende 2018 für die Wirecard-Aktie nach unten, bevor Anfang 2019 mit der allgemeinen Marktstabilisierung auch eine steile Erholung der Wirecard-Aktie einsetzte. Doch Ende Januar war es damit vorbei. Die „Financial Times“ berichtete mehrfach über mutmaßliche Bilanzmanipulationen in der Wirecard-Niederlassung in Singapur. Am 30. Januar 2019 ging es los. An nur einem Tag stürzte die Wirecard-Aktie um 25 Prozent ab. In der Folge waren die Anteilsscheine weiteren sehr heftigen Kursbewegungen ausgesetzt. Wirecard selbst sieht sich inzwischen jedoch nach der eigenen Veröffentlichung der Zusammenfassung einer unabhängigen Untersuchung der Anwaltskanzlei Rajah & Tann zu den mutmaßlichen Bilanzmanipulationen als entlastet an. Demnach hätte die unabhängige Untersuchung zu keinen Feststellungen zum so genannten „round-tripping“ oder Korruption geführt. Auch hätten sich laut Unternehmensdarstellung keine Erkenntnisse über eine strafrechtliche Verantwortung in Bezug auf die Konzernzentrale von Wirecard in München/Aschheim ergeben. Einzelne lokale Angestellte in Singapur könnten sich jedoch möglicherweise nach lokalem Recht strafbar gemacht haben, hieß es unlängst von Unternehmensseite.

Damit ist der Spuk jedoch nicht vorbei. Die „Financial Times“ legt in unregelmäßigen Abständen nach und berichtet auch gerne über mutmaßliche Ungereimtheiten bei Wirecards-Partnerunternehmen. Allerdings hat sich Wirecard in den vergangenen Jahren an verschiedene „Short“-Attacken gewöhnen können. Das Unternehmen hat sich angreifbar gemacht. Wirecard wuchs in seiner Anfangszeit rund um die Jahrtausendwende vor allem dank der Abwicklung von Zahlungen für Pornoseiten und Online-Glücksspielanbieter. Von dem dabei erworbenen schlechten Ruf haftet immer noch etwas an. Gleichzeitig war der Wert einiger Übernahmen in den Schwellenländern nicht immer gleich nachzuvollziehen. Diese Aspekte machten Wirecard in den vergangenen Jahren für mehrere so genannte „Short-Attacken“ anfällig. Selbst ernannte Research-Firmen warfen Wirecard illegale Geschäfte (z.B. in den USA verbotene Online-Glücksspiele) oder Bilanz-Tricksereien vor. Solche Berichte brachten den Kurs der Wirecard-Aktie immer wieder unter Druck, während Short-Seller zuvor auf fallende Kurse wetteten.

Rosige Zukunft

Auch im Zusammenhang mit der „FT“-Berichterstattung geht die Börsenaufsicht BaFin davon aus, dass die beteiligten Journalisten mit Vertretern aus der Fondsbranche gemeinsame Sache gemacht haben könnten, um den Aufbau größerer Short-Positionen mit dem Erscheinen schädlicher Artikel möglichst gut aufeinander abzustimmen. Dies wäre jedoch verbotener Insiderhandel. Ein Problem für Wirecard ist der Umstand, dass das Unternehmen nicht nur wegen seiner Vergangenheit, sondern auch aufgrund seines selbst für Experten schwer zu durchschauenden Geschäftsmodells angreifbar ist. Wirecard deckt sämtliche gängigen Bezahlverfahren wie Kreditkarten, Lastschrift, Rechnungs- und Ratenkauf oder E-Wallets ab. Diese werden in Echtzeit zwischen Konsumenten und Händlern abgewickelt. Hinzu kommen Leistungen wie das Risikomanagement und die Betrugsprävention. Bereits vor Auswahl des Bezahlverfahrens werden in Echtzeit Konsumentendaten auf Identität, Adresse, Alter und Bonität überprüft. Aufgrund des Ergebnisses wird sofort entschieden, welche Zahlverfahren einem Konsumenten angeboten werden und bis zu welchem Betrag ein Zahlverfahren im Einzelfall vertretbar ist.

Darüber hinaus ist Wirecard im Bereich Acquiring & Issuing aktiv. Im Geschäftsfeld Acquiring werden Händlern die Abrechnungen von Kreditkartenumsätzen bei Online- und Terminalzahlungen angeboten. Im Bereich Issuing werden Prepaid- und Debitkarten an Privat- und Geschäftskunden herausgegeben. Der Boom des Online-Handels und einige in den vergangenen Jahren in Schwellenländern wie Indonesien, Indien, Malaysia, Südafrika oder Singapur vorgenommene Übernahmen halfen Wirecard dabei, ein beeindruckendes Wachstum hinzulegen. Das über die Wirecard-Plattform abgewickelte Transaktionsvolumen erhöhte sich im Geschäftsjahr 2018 um 37,3 Prozent auf 124,9 Mrd. Euro. Die Umsatzerlöse kletterten um 35,4 Prozent auf 2,02 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um 36,6 Prozent auf 560,5 Mio. Euro.

Auch für 2019 bleibt das Management optimistisch. Der Vorstand bestätigte zuletzt die EBITDA-Prognose zwischen 740 und 800 Mio. Euro. In der Vergangenheit kam es jedoch nicht allzu selten vor, dass die Geschäftsführung die eigenen Ziele aufgrund eines starken Wachstums immer wieder anheben musste. Außerdem sind selbst dies nur Peanuts, wenn man an die langfristigen Ziele des Unternehmens denkt. Diese hatte Wirecard-CEO Markus Braun Mitte Oktober 2018 in London vorgestellt. Im Zuge der „Vision 2025“ soll das Transaktionsvolumens bis zum Jahr 2025 auf mehr als 710 Mrd. Euro. Der Konzernumsatz soll auf mehr als 10 Mrd. Euro klettern, während das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) auf mehr als 3,3 Mrd. Euro nach oben geschraubt werden soll.

Fazit

Bei Wirecard dürfte man hoffen, dass sich Anleger nicht mehr mit „Short”-Attacken, sondern mit den hervorragenden Wachstumsaussichten für den Zahlungsabwickler beschäftigen. Schließlich ist das Unternehmen mittendrin, wenn es um die Entwicklung der Bezahlmethoden der Zukunft geht. Das bietet reichlich Kurspotenzial für die im DAX gelistete Wirecard-Aktie. In der Zwischenzeit dürfte der jüngste SoftBank-Deal für das nötige Anlegervertrauen sorgen. Die japanische Beteiligungsgesellschaft steigt bei Wirecard ein und investiert über ein Tochterunternehmen rund 900 Mio. Euro per Wandelschuldverschreibung in den DAX-Konzern.

Wirecard Open End Turbo Bull
WKN CP8AM4
ISIN DE000CP8AM47
Emissionstag 1. April 2019
Produkttyp Open End Turbo
Emittent Citigroup

 

Melden Sie sich hier für unsere kostenlosen Newsletter an. Sie finden dort unser kostenfreies Newsletter-Angebot u.a. mit “marktEINBLICKE Auf die Schnelle” (Wochentags) und “marktEINBLICKE D-A-CH Rundschau” (Samstags).

Bildquelle: Pressefoto Wirecard

5
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
5 Kommentar Themen
0 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
0 Kommentatoren
Letzte Kommentartoren
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei
trackback

[…] hat sich die Lage rund um Wirecard (WKN: 747206 / ISIN: DE0007472060) etwas beruhigt. Zuvor hatten „Financial […]

trackback

[…] versucht der Zahlungsabwickler aus Aschheim bei München nach vorne zu blicken. Mit starken Quartalsergebnissen und einem erhöhten Ausblick für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern […]

trackback

[…] aktuell ein kurzfristiges Gewinnpotenzial von 16 Prozent. Mittelfristig dürfte Wirecard wieder das 2018er-Allzeithoch bei 199 Euro ansteuern, was ausgehend vom aktuellen Kursniveau eine Gewinnperspektive von 38 Prozent […]

trackback

[…] Wirecard ist mit dabei, wenn die Bezahlsysteme der Zukunft entwickelt werden. Im Zuge seiner „Vision 2025“ will Wirecard sein Transaktionsvolumens deshalb bis zum Jahr 2025 auf mehr als 710 Mrd. Euro […]

trackback

[…] der Beschäftigung Wirecards mit Zukunftsthemen wie Mobile Payment unlängst sehr ambitionierte mittel- bis langfristige Ziele formuliert […]