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„Woodstock des Kapitalismus“

Am 4.Mai 2019 war es wieder so weit. Anteilseigner und Finanzjournalisten aus der ganzen Welt strömten nach Omaha, im US-Bundesstaat Nebraska. Für ein ganzes Wochenende wurde die am Fluss Missouri gelegene Stadt zum Mekka für Value-Investoren. Andere bezeichnen die jährliche Hauptversammlung der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2 / ISIN: US0846707026) als „Woodstock des Kapitalismus“. Kein Wunder. Sie alle kommen, um die Investorenlegende Warren Buffett zu sehen. Der Mann ist inzwischen 88 Jahre alt. Trotzdem lässt es sich der Firmenchef, der das Unternehmen bereits seit 54 Jahren führt, nicht nehmen, Jahr für Jahr gemeinsam mit seinem sogar sechs Jahre älteren Vize-Chef Charles „Charlie“ Munger, den angereisten Anteilseignern die Lage des Konzerns darzustellen. Auch in diesem Jahr drängten sich zehntausende Menschen in das CHI Health Center, vormals CenturyLink Center, in Omaha, um den Worten von Buffett und Munger zu lauschen. Allerdings ist der eher trockene Vortrag zu den jüngsten Geschäftsaktivitäten von Berkshire Hathaway nicht der einzige Grund, warum die Menschen jedes Jahr nach Omaha pilgern.

Das gesamte Wochenende über gibt es sehr viel zu sehen, zu erleben und vor allem zu kaufen. Besonders beliebt sind zum Beispiel Fotos vor überdimensionierten Pappaufstellern ihres großen Idols Warren Buffett. Während die einen für Fotos posieren, widmen sich die anderen den vielen Produkten, die es rund um die Berkshire-Hathaway-Hauptversammlung zu einem ermäßigten Preis zu kaufen gibt. Dabei handelt es sich natürlich um Produkte von Unternehmen, die Berkshire Hathaway irgendwann vollständig übernommen oder sich an ihnen beteiligt hat. Dazu gehören natürlich die berühmten Coca-Cola-Flaschen. Warren Buffetts Lieblingsgetränk. Die anderen kaufen vielleicht lieber Heinz-Ketchup-Flaschen für zu Hause. Andere wiederum erfrischen sich mit einem Eis der Schnellrestaurantkette Dairy Queen. Am Stand des Versicherungskonzerns Geico konnten sogar Versicherungsverträge zu ermäßigten Konditionen abgeschlossen werden. Selbst die berühmten Duracell-Batterien hat sich Berkshire Hathaway inzwischen einverleibt.

Mittlerweile braucht das Unternehmen nicht mehr mit dem berühmten Duracellhasen für die Langlebigkeit der Batterien zu werben. Das kann jetzt Warren Buffett übernehmen. Schließlich bleibt es ein Rätsel, wo er in seinem Alter die Energie hernimmt. Damit ist auch die Frage verbunden, die sich Berkshire-Anteilseigner und Finanzmarktteilnehmer weltweit immer häufiger stellen. Wann wird sich Warren Buffett von der Konzernspitze zurückziehen und vor allem, wie geht es danach weiter? Auch in diesem Jahr blieb Warren Buffett zum Thema Nachfolgeregelung relativ vage. Trotz mehrerer Nachfragen ließ er die Anteilseigner lediglich wissen, dass die langjährigen stellvertretenden Verwaltungsratschefs Greg Abel und Ajit Jain eines Tages gemeinsam mit ihm und Charlie Munger auf der Hauptbühne sitzen und Fragen beantworten könnten. Dies könnte bedeuten, dass einem der beiden eines Tages der Chefposten winkt. Der Kanadier Greg Abel verantwortet im Konzern die Berkshire-Aktivitäten abseits des Versicherungsgeschäfts. Der Inder Ajit Jain, älterer Cousin des ehemaligen Deutsche-Bank-Co-Chefs Anshu Jain, ist für den Versicherungsarm zuständig.

Kraft Heinz tanzt aus der Reihe

Noch hat Warren Buffett das Sagen bei Berkshire Hathaway. So war er es auch, der die Geschäftszahlen für das erste Quartal 2019 präsentieren durfte. Im März-Quartal fuhr der Konzern einen satten Nettogewinn in Höhe von 21,7 Mrd. US-Dollar ein, nachdem im entsprechenden Vorjahreszeitraum ein Verlust von 1,1 Mrd. US-Dollar zu Buche gestanden hatte. Allerdings zeigt dies, dass die Zahlen nur schwer miteinander zu vergleichen sind. Warren Buffett selbst merkte an, dass man den Gewinn unter anderem angesichts neuer Bilanzierungsvorschriften und der sich daraus ergebenden Verwerfungen in den jeweiligen Berichten nicht überbewerten sollte. Der deutlich aussagekräftigere Betriebsgewinn stieg von 5,3 Mrd. US-Dollar auf nun 5,6 Mrd. US-Dollar. Darüber hinaus blieben die Quartalszahlen der Beteiligung an Kraft Heinz (WKN: A14TU4 / ISIN: US5007541064) außen vor.

Das Unternehmen hatte seine Quartalsergebnisse zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht. Vielmehr muss der Ketchup-Hersteller seine Geschäftszahlen auch für 2016 und 2017 korrigieren. Zu Beginn dieses Jahres fiel Kraft Heinz durch eine Abschreibung von mehr als 15 Mrd. US-Dollar auf den Wert seiner Marken und Sparten auf. Hinzu kamen eine Dividendenkürzung und eine Prüfung der Rechnungslegungsgrundsätze und internen Kontrollen des Konzerns durch die US-Börsenaufsicht SEC. Wie gut, dass Berkshire Hathaway viele weitere Investments hat, um mit solchen Underperformern im Portfolio schnell fertig zu werden. Zu diesen Beteiligungen scheinen inzwischen immer häufiger Technologieinvestments hinzuzukommen. Dabei war Warren Buffett lange Zeit bekannt dafür, dass er Technologieunternehmen meidet.

Buffett entdeckt Technologieinvestments für sich

Wenn es um die reine Kursperformance geht, hat Berkshire Hathaway in den vergangenen Jahren ein wenig von seinem Glanz eingebüßt. Einige Marktteilnehmer dürften sich fragen, wieso Buffett den riesigen Berkshire-Cash-Bestand von mehr als 100 Mrd. US-Dollar nicht besser eingesetzt hat. Möglicherweise hätte er mehr Risiken eingehen sollen. Schließlich hat es Berkshire zuletzt nicht immer geschafft, den S&P 500 Index zu schlagen. Ein Grund war der Umstand, dass in den vergangenen Jahren die Aktienmarktrallye vor allem von den großen US-Technologietiteln getragen wurde. Leider verpasst man vieles, wenn man Microsoft, die Google-Muttergesellschaft Alphabet, Facebook, Amazon oder Apple nicht in seinem Depot hat. Berkshire Hathaway hat in der Vergangenheit vor allem so genannte Value-Werte in sein Portfolio aufgenommen. Ihre Aktienkursperformance ist nicht immer überragend, allerdings setzten Buffett & Co darauf, dass sie mithilfe von hohen Gewinnausschüttungen auf Jahre hinweg attraktive Renditen liefern und auf diese Weise für die fehlenden Aktienkurssteigerungen entschädigen.

Doch inzwischen hat sich die Einstellung geändert. Buffett investierte lange Zeit nur in Unternehmen, deren Geschäftsmodell er auch verstehen konnte. Die Übernahme der Eisenbahngesellschaft BNSF ist ein Paradebeispiel für diese Einstellung. Im Technologiebereich ist das Verständnis nicht immer ganz einfach. Außerdem zeichnen sich die Tech-Größen nicht immer durch üppige Dividendenzahlungen aus. Seine ersten Gehversuche im Technologienbereich machte Buffett mit IBM (WKN: 851399 / ISIN: US4592001014) . Allerdings brachte ihm das Investment in Big Blue nicht allzu viel Freude. Dies änderte sich jedoch mit Apple (WKN: 865985 / ISIN: US0378331005). Inzwischen stellt der Konzern mit dem Apfel im Logo mit zuletzt fast 50 Mrd. US-Dollar die mit Abstand größte Einzelposition im Berkshire-Portfolio dar. Erst weit dahinter folgen klassische Buffett-Lieblinge wie die Bankenriesen Bank of America, Wells Fargo oder der Getränkehersteller Coca-Cola. Allerdings gingen Berkshire und Warren Buffett zuletzt noch einen Schritt weiter. Sie haben Anteile am E-Commerce-Riesen Amazon (WKN: 906866 / ISIN: US0231351067) erworben. Charlie Munger wiederum bereute es, nicht bei Alphabet eingestiegen zu sein. Ihre Fehler können nun sowohl Buffett als auch Munger korrigieren.

Fazit

Die diesjährige Berkshire-Hathaway-Hauptversammlung hat erneut gezeigt, dass Warren Buffett nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt hat, obwohl er an der Börse zuletzt längst nicht mehr die Outperformance früherer Tage abliefern konnte. Mithilfe seiner neuen Liebe für Technologieinvestments könnte sich dies ändern. Außerdem ist es ja nicht so, dass das „Orakel von Omaha“ plötzlich nicht mehr für Erfolg an der Börse stehen würde.

Faktorzertifikat 4x Long Berkshire Hathaway B
WKN MF1HCC
ISIN DE000MF1HCC3
Emissionstag 6. Februar 2017
Produkttyp Faktorzertifikat
Emittent Morgan Stanley

 

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