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Die Welt ist handelskriegerischer geworden und die „Kriegsschäden“ bleiben nicht aus. Überall schmelzen die Wachstumsprognosen wie Vanilleeis in der Sommerhitze. Besonders tiefe Wunden reißt Trumps Handels-Feldzug bei asiatischen und europäischen Exportnationen.

Die bedeutende deutsche Autobranche befindet sich bereits im Abschwung, was auch die dritte Gewinnwarnung von Daimler innerhalb eines Jahres bestätigt. Denn selbst auf dem bislang so robusten chinesischen Automarkt sind die Verkaufszahlen eingebrochen. Und wenn schon Deutschland als Konjunkturlokomotive schwächelt, wie sollen dann erst die Modelleisenbahnen in anderen europäischen Ländern Zugkraft entwickeln?

Export-Darwinismus durch die Notenbank

Große wirtschaftliche Wirkung konnte die Rettungstruppe der EZB trotz all ihrer Üppigkeit bislang nicht erzielen. Kapitulation kommt für sie dennoch nicht in Frage. Um die Folgen des Handelskriegs zu mildern, macht die EZB jetzt an der Devisenfront mobil. Ein schwacher Euro soll Export-Europa konkurrenzfähiger machen. Dazu müssen Zinsen und Anleiherenditen im Euro-Raum weiter sinken.

Tatsächlich, wenn Draghi bei Anleihekäufen von noch „beträchtlichem Spielraum“ spricht, klingt das nicht nach geldpolitischer Abrüstung. Und siehe da, die Kriegsrhetorik der EZB funktioniert bereits. Fast bankrotte Euro-Länder können sich so günstig verschulden wie noch nie zuvor. Je schlechter die Bonität, desto niedriger die Renditen. Die Marktwirtschaft am Rentenmarkt ist tot, es lebe die Planwirtschaft.

„America First“ auch beim Export

Trump ärgert sich über die „Währungsmanipulationen“ der EZB grün und blau. Auch die USA wollen keinen starken Dollar mehr, man will exportieren. Das gibt dem US-Präsidenten neue Munition, um gegen die noch zinssenkungsrenitente Fed zu schießen. Hier beneidet Trump seinen chinesischen Amtskollegen, der der weisungsgebundenen People’s Bank of China einfach den Befehl gibt, viel und billiges Geld zu verteilen. Denn auch China ist kein währungspolitischer Friedensengel. Angesichts einer auch handelsseitig angeschlagenen Binnenkonjunktur bleibt für Peking die Exportförderung über einen möglichst schwachen Yuan wichtig.

Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. Noch in diesem Jahr wird die US-Notenbank ihre Leitzinsen senken und damit in den Währungsabwertungskrieg eintreten. Übrigens, von jeher war der Fed das konjunkturpolitische Hemd immer näher als der stabilitätspolitische Rock.

Im Übrigen würde eine Dollar-Hausse eine Währungs-Baisse der Schwellenländer einläuten. Dann schnürten eine Kapitalflucht in die USA und ein schmerzhafter Zins- und Tilgungsdienst den umfangreich in Dollar verschuldeten Emerging Markets den Hals zu. Damit fehlte ihnen Kaufkraft für den Import amerikanischer Produkte.

Die dicke Bertha schießt weltweit um sich

Weltweit machen die großen Notenbanken zur Währungsabwertung mobil. Im II. Quartal 2019 haben bereits fast 20 Notenbanken ihre Leitzinsen gesenkt.

Die Munition geht dabei nicht aus. Es wird längst über ganz neue geldpolitische Waffen diskutiert. So plant man brutal negative Anlagezinsen, um bloß jeden Investor und mit ihm jede Aufwertung der Landeswährung zu verscheuchen wie mit Anti Brumm-Spray lästige Fliegen.

Auf Kritik der jeweiligen Finanzpolitiker sollte man nicht hoffen. Sie werden sich schnell an Geldleistungen für Konjunktur- und Sozialprogramme ohne Gegenleistungen gewöhnen. Oder hat sich der Fuchs jemals über prall gefüllte Hühnerställe beschwert? In Sonntagsreden kann man dann ja immer noch theatralisch ein paar Krokodilstränen über die ach so böse und instabile Finanzwelt vergießen.

Sollte dieser geldpolitische Währungsabwertungsweltkrieg zu einer Beschleunigung der Inflation führen, wird man diese ähnlich freudig zur Kenntnis nehmen wie Regenfälle in der vertrocknenden Landwirtschaft. Denn Inflation, die von Zinsen nicht kompensiert wird, „tötet“ Staatsschulden ohne selbst schießen zu müssen.

Für Außenhandel und Wirtschaftswachstum des Vaterlands ist sich die Geldpolitik nicht zu schade. Der Währungsabwertungskrieg ist in vollem Gange.

Allerdings, wenn alle ihre Währungen schwächen, wird am Ende keine Währung wirklich schwach sein können. Wechselkurse werden ja immer X gegen Y gerechnet. Der Kampf um die schwächste Währung ist also nicht zu gewinnen. Dennoch versuchen es alle unbeirrt weiter.

Sachkapital – Nie war es siegreicher als heute

Resultat des Währungskriegs ist ein anhaltendes Ersaufen der Finanzmärkte in zinsgünstiger Liquidität. Damit haben Zinspapiere den Krieg verloren.

Kriegsgewinner dagegen sind Aktien und Edelmetalle.

RobertHalverEin Beitrag von Robert Halver.

Robert Halver ist Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. Das Haus mit Sitz in Unterschleißheim bei München ist eine der führenden Investmentbanken in Deutschland und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten. Halver beschäftigt sich seit 1990 mit Wertpapieren und Anlagestrategien.

Rechtliche Hinweise / Disclaimer und Grundsätze zum Umgang mit Interessenkonflikten der Baader Bank AG: http://www.bondboard.de/main/pages/index/p/128.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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