Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

Umgekehrte Vorzeichen an der Börse zwischen Europa und den USA verunsichern die Anleger derzeit. Während unser DAX (ISIN DE0008469008 | WKN 846900) knapp 2 Prozent Verluste hinnehmen musste, ging die Kursrallye an der Wall Street ungebrochen weiter. Bereits in der Vorwochenanalyse drehte es sich um den Dow Jones an der 27.000er-Marke Hier war der Widerstand gut sichtbar, welcher nicht nur kurzfristig einen Halt bot, sondern auch das Chartbild seit dem Januar 2018 dominierte (Rückblick):

Das Überschreiten benötigte dann entsprechend Zeit und Anlauf. Ganze drei Versuche binnen weniger Handelstage, dann war dieser Widerstand gebrochen und in Trendrichtung entsprechend bestätigt. Wir sahen hierbei einen Ausbruch wie im Bilderbuch, welcher mit der Bestätigung auf dieser Marke dann bis zum Wochenschluss anhielt. Als Trader hatte man hier die Chance, sich im Trend zu positionieren:

Auf das aktualisierte große Chartbild im Dow Jones gehe ich entsprechend im Ausblick ein.

Zurück zum DAX beschäftige uns noch das GAP bei 12.435 Punkten. Es war bis vor einer Woche wie folgt im Chartbild sichtbar (Rückblick):

Schon am Dienstag war es dann soweit. Gleich am Morgen wurde das GAP (zuerst im Endlos-Kontrakt für alle CFD-Trader) und später im XETRA-geschlossen:

Gerade dieser Unterschied bei den Handelszeiten und Charts führte zuerst im Forum zu Verwirrung, löste sich aber dann schnell mit weiteren Abgaben auf. Wer dies vertiefen mag, dem ist dieser Artikel zu den Handelszeiten von mir ans Herz gelegt.

Mit einem mehrfachem Test der 12.360 konnte sich der DAX erst einmal bis zum Donnerstag stabilisieren, jedoch letztlich diese Marke nicht halten. Es ging noch eine Etage tiefer. Auch hierbei war ein Trend erkennbar und kein unkoordinierter Verkaufsdruck, wie in folgendem Chartbild dargestellt:

 

 

Erst knapp über 12.300 Punkten fand der Markt einen neuen Boden in der zweiten Wochenhälfte. Ob man dies nun positiv beurteilen sollte, arbeite ich gleich heraus. Immerhin endete die Woche mit fünf Verlusttagen in Folge rot:

 

Hierzu gab es mehrere Gründe, auf die ich im nächsten Absatz eingehe.

Das Schließen des GAPs an sich war nicht das einzige negative Signal. Erst das Unterschreiten vom ehemaligen Ausbruchsbereich und die fehlende Zurückeroberung der 12.435 per Schlusskurs hat sich auf das Sentiment der Marktteilnehmer ausgewirkt. Hierfür gab es dann neben diesem charttechnischen Hintergrund auch harte Fakten, die zu einem Umdenken führten. Gleich drei prominente DAX-Unternehmen überraschten mit negativen Statements und Ausblicken:

  1. Deutsche Bank plant Personaleinsparungen von 18.000 Mitarbeitern und verordnete sich damit einen weiteren harten Sparkurs
  2. BASF wird zum Opfer der konjunkturellen Abkühlung, welche vor allem aus der Automobilbranche kommt und kappt damit die Jahresziele
  3. Aus der Automobilindustrie selbst setzt Daimler die eigenen Prognosen erneut herab und meldet einen Milliardenverlust

Kein Wunder also, wenn unser DAX im Gegenzug zur Wall Street leidet. Aus dem Chart heraus ist zumindest nach dieser Woche um 12.300 ein kleiner Boden erkennbar:

 

Beide Orientierungen – der kurzfristige Boden und der Abwärtstrend ab GAP-close – sind für mich die kurzfristigen Trigger für die nächste Bewegung. Sollte also die 12.360 als Unterstützung von Mittwoch und Donnerstag überschritten werden, ist mein Ziel auf der Oberseite wieder der Bereich des ehemaligen Jahreshochs und somit die alte GAP-Kante bei 12.435 Punkten. Im Chart fügt sich dies wie folgt ein:

 

Knapp darüber dürfte es dann erst einmal zu einer Neuorientierung kommen und bei Kursen über 12.450 zu einer schnellen Bewegung in Richtung 12.600. Hintergrund ist auch hier die Absicherung von anderen Marktteilnehmern, die mit Bruch auf eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung setzten und dort vermutlich ihre Stopp-Limits positioniert haben.

Geht der Plan der Bären auf, denn drohen uns jedoch noch weitaus tiefere Kurse. Die 12.300 ist nur eine kurzfristige Unterstützung – relevanter ist im 30-Minutenchart die 12.260 und darunter dann etwa die 12.210. Sie ergibt sich aus dem Kursmuster des Vormonats:

 

Spätestens hier werde ich dann jedoch auf einen deutlicheren Abprall setzen, als wir es am Freitag gesehen hatten. Natürlich vor dem Hintergrund der Wall Street, welche in der Vorwoche weitere Kursrekorde feierte. Solange der Dow Jones noch seinem Aufwärtstrend folgt, ist aus meiner Sicht im DAX nicht mit panikartigen Verkäufen zu rechnen – trotz aller negativen News.

Allein der Wochentrend macht nachdenklich, ob das Tempo gehalten werden kann:

 

Bevor sich dieser jedoch umkehrt bzw. erste Verkaufssignale generiert, werde ich nicht die Short-Seite handeln. Als Trader hat man bei neuen Allzeithochs keinerlei Orientierungsmarken im Chartbild auf der Oberseite.

Der Trend ist zumindest angeschlagen, wenn die 27.150 bricht, darunter dann noch einmal bei 27.070 und der 26.980. All diese Marken sind für die Bullen potenzielle Einstiegsmarken mit der Spekulation auf eine Fortsetzung der Rallye und zeitgleich Trigger für ein Short-Engagement, wenn Sie diesen Trend für zu steil erachten.

Letztlich entscheidet der Markt, welche Richtung hier „gewinnt“ – reagieren Sie am besten nur darauf und vermeiden Sie, eigene Überzeugungen stur zu handeln.

Impulse können erneut von der Unternehmensseite oder den Wirtschaftsdaten kommen. Aus diesem Bereich wird am Dienstag 10.30 Uhr das Durchschnittseinkommen in Grossbritannien veröffentlicht und 11 Uhr die Konjunkturerwartung für Deutschland im ZEW Index. Hier deutet die Prognose auf  einen negativen aber leicht besseren Wert als vor einem Monat hin.

Am Mittwoch stehen die Verbraucherpreise aus England und Kanada an und als wichtigster Termin der Woche dann erst am Freitag das Verbrauchervertrauen aus den USA im Uni Michigan Index um 16 Uhr. Können hier die Verbraucher die Euphorie des Aktienmarktes bestätigen? Wir werden es erfahren und Sie gerne direkt auf meinen Kanälen oder im Forum unter der Woche.

Kommen Sie gut in die neue Handelswoche – Ihr Andreas Mueller (Bernecker1977)

 

 

Risikohinweis: Der Handel mit Finanzprodukten ist risikoreich. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren. Diese Analyse ist keine Handelsempfehlung und enthält lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Sämtliche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden.

 

 

andreasmuellerAndreas Mueller ist unter dem Pseudonym „Bernecker1977“ als Trader, Referent und Coach seit 2001 aktiv. Er handelt seit rund 20 Jahren Indizes, Devisen und Rohstoffe an der Börse mit Futures, Derivaten und CFDs. Dabei basiert sein Trading auf Sentimentdaten und Charttechnik. Als studierter Diplom-Kaufmann streut Andreas Mueller seine Erfahrungen u.a. auf wallstreet-online seit dem Jahr 2005 in den „Tages-Trading-Chancen“ ein und ist dort Ansprechpartner für alle börsenrelevanten Fragen.

 

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