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Definitiv nicht! Aber das Thema dürfte uns trotzdem noch einige Zeit lang begleiten.

Geprägt wurde der Begriff Ende der 1960`er Jahre vom US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman. In einem Gedankenexperiment stellte er die These auf, dass die direkte Ausgabe von Zentralbankgeld an alle Bewohner einer geschlossenen Volkswirtschaft einen unmittelbaren Anstieg der Preise für die zur Verfügung stehenden Güter – also eine höhere Inflation – zur Folge hätte.

Im Zuge der anhaltenden Niedrigzinspolitik der letzten Jahre kamen Überlegungen des Übertrags von Zentralbankgeld an Wirtschaftssubjekte außerhalb des Finanzsektors unter dem Synonym Helikoptergeld wieder auf die Tagesordnung – zunächst in wissenschaftlichen und Notenbankkreisen. Zuletzt konnte man jedoch auch vermehrt in öffentlichen Medien Beiträge dazu lesen.

Hintergrund ist die Erkenntnis, dass die Europäische Zentralbank EZB trotz jahrelanger ultra-expansiver Geldpolitik mit teilweise negativen Zinssätzen und Wertpapierkaufprogrammen ungeahnten Ausmaßes ihr eigentliches Ziel, eine Inflationsrate von nahe aber unter 2 Prozent, bisher nicht erreicht hat. Ungewollte Nebenwirkungen, wie preisliche Verzerrungen an den Kapitalmärkten und volkswirtschaftliche Fehlallokationen hingegen werden immer offensichtlicher und erhöhen den politischen und gesellschaftlichen Druck auf die Notenbank. Vor diesem Hintergrund werden Stimmen lauter, die fordern, Notenbanken ihre Unabhängigkeit zu entziehen. Um einer direkten Unterstellung unter die Direktive der Regierungen und einem weiteren Verlust des Rückhalts in der Gesellschaft keinen Vorschub zu leisten, ist ein „weiter so“ für die EZB somit keine gute Option.

Vielmehr ist anzunehmen, dass die neue EZB-Präsidentin Lagarde weitere Möglichkeiten prüfen lässt, um das Inflationsziel möglichst schnell zu erreichen. Dazu dürften neben noch tieferen Leitzinsen auch direkte Geldtransfers an Regierungen, Unternehmen oder Private gehören. Aus Sicht der Notenbank liegt der Vorteil im Umgehen des Bankensektors als klassischen Transmissionskanal der Geldpolitik, der seit Jahren nur unzureichend funktioniert hat. In der Diskussion sind verschiedene Varianten, bspw. die Vergabe von Krediten oder nicht zurückzuzahlende Übertragungen sowie die Einrichtung von Konten für jedermann bei der EZB. Obwohl für viele schwer vorstellbar, ist der Einsatz solcher Maßnahmen in den kommenden Jahren nicht unwahrscheinlich.

Ein Kommentar von Carsten Mumm

Er ist Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel. Das Traditionshaus mit Sitz in Hamburg und München setzt auf qualifizierte und umfassende Beratung für vermögende Privatkunden, Unternehmer, Immobilienkunden und institutionelle Kunden.

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