Bildquelle: Pressefoto Wirecard

Schon mehrmals gab es in den letzten Jahren Shortattacken gegen den deutschen Zahlungsabwickler Wirecard (WKN: 747206 / ISIN: DE0007472060), die von negativen „Enthüllungsberichten“ der Financial Times los getreten und von Shortsellern dankend aufgegriffen wurden. Es stehen sogar Anschuldigungen im Raum, Shortseller hätte vor der Veröffentlichung weiterer FT-Artikel von diesen Kenntnis erhalten – die Anschuldigungen, Enthüllungen, Vorwürfe in beide Richtungen sind bisher weitgehend unbelegt geblieben.

Nun weist der DAX-Konzern eine signifikante Short-Quote von inzwischen 16,3% aller Aktien auf und nicht wenige der Meldungen erfolgten nach dem jüngsten Kurseinbruch – und das ist ja nur so zu interpretieren, dass die Shortseller auf unterhalb von €120 weiteres signifikantes Abwärtspotenzial sehen. Die Analysten sind überwiegend positiv gestimmt mit Kurszielen deutlich über dem aktuellen Kurs. Baader und Goldman Sachs stechen hier mit Kurszielen von €230 deutlich bullish heraus und gerade Goldman ist jetzt hervorzuheben, denn die lassen den Worten auch Taten folgen. Und das möglicherweise mit ernsten Folgen – für die Shorties…

Heute morgen hat Wirecard seine Jahresprognosen bestätigt, nachdem das Unternehmen sehr starke Zahlen zum bisherigen Geschäftsverlauf vorlegen konnte.

Im dritten Quartal legte das EBITDA (Betriebsgewinn) um 43% auf €211,1 Mio. zu und der Gewinn betrug €149,2 Mio. bzw. 57,2% mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um 37% auf €731,5 Mio. Im Geschäftsjahr 2019 soll der Betriebsgewinn weiterhin zwischen €765 Mio. und €815 Mio. landen und 2020 soll das Ergebnis vor Zinsen und Steuern  (EBIT) auf €1,0 Mrd. bis €1,12 Mrd. anwachsen.

In den letzten Tagen und Wochen vermeldete Wirecard zahlreiche aussichtsreiche Kooperationen, zuletzt auch in China, und das spricht dafür, das Wirecard seine ehrgeizigen mittelfristigen Wachstumsziele auch erreichen wird.

Dem stehen die Anschuldigungen der Financial Times entgegen, die zwar bisher weitgehend unbewiesen sind und nur einen relativ geringen Teil von Wirecards Geschäften betreffen, aber alleine die Tatsache, dass es eine renommierte Zeitung gibt, die immer wieder solche „investigativen Negativberichte“ veröffentlicht, drückt das Sentiment für die Aktie. Zumal Wirecard bisher ziemlich stümperhaft mit mit den Enthüllungen umgegangen ist, was die Zweifel am Unternehmen und seiner Führung zusätzlich befeuert. Strukturveränderungen und auch personelle Auffrischungen sind hier angezeigt und ein hoffentlich (auf)klärender Bericht der nun beauftragten Sonderprüfer – wobei schon heute klar ist, dass es nach dessen Vorlage dennoch weiterhin offene Fragen geben wird, wirkliche oder nur vermeintliche.

Eigentlich also eine aussichtsreiche Spielwiese für Shortseller, aber nun könnte es für sie gefährlich werden. Denn Goldman Sachs hat nicht nur heute das Kursziel von €230 bestätigt, sondern es gab auch eine Stimmrechtsmitteilung, in der Goldman Sachs erklärte, seine Stimmrechtsanteile mehr als verdoppelt zu haben und nun über 8,04% nach bisher 3,28% zu verfügen.

Dabei hat Goldman seinen Bestand an Aktien von 0,24% auf 0,07% reduziert, aber über Finanzinstrumente massiv aufgestockt (das können Optionen sein, aber auch Swaps, CFDs o.ä.).

Die Bedeutung ist klar: Goldman Sachs setzt massiv auf Wirecard und sichert/blockiert einen beträchtlichen Teil des Streubesitzes…

Auf www.intelligent-investieren.net geht es weiter…

Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Michael C. Kissig / Pressefoto Wirecard

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