Bildquelle: Pressefoto BASF SE

Wenn die DAX-Konzerne ihre Quartalsberichte vorlegen, sollten Investoren und Analysten nicht nur auf Finanzkennzahlen schauen. Der Blick auf Nachhaltigkeitskriterien ist wichtiger geworden. Denn besonders nachhaltige Unternehmen liefern in dieser Berichtssaison gute Ergebnisse. Dies ist keine Eintagsfliege, sondern vielmehr ein genereller Trend, der sich verfestigt.

Im europäischen Vergleich können die deutschen Firmen unter Nachhaltigkeitsaspekten jedoch nicht überzeugen. Die DAX-Unternehmen haben im Durchschnitt ein höheres Nachhaltigkeits-Risiko als die 50 größten europäischen Werte. Das zeigen Daten der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Ratingagentur Sustainalytics. Sie fasst Risiken in den drei Nachhaltigkeitsdimensionen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) zu einer Zahl zusammen.

Demnach kommen die DAX-Titel auf einen Durchschnittswert von 22,86, während die Risikokennzahl bei den Unternehmen im Euro Stoxx 50 nur bei 20,99 liegt. Sustainalytics ordnet die ESG-Risiken fünf Kategorien zu: vernachlässigbar (0-10), niedrig (10-20), mittel (20-30), hoch (30-40) und schwer (40-100). Das ESG-Risiko-Rating misst, inwieweit der wirtschaftliche Wert eines Unternehmens aufgrund von ESG-Faktoren gefährdet ist.

Besonders die beiden deutschen DAX-Konzerne Bayer (WKN: BAY001 / ISIN: DE000BAY0017) (39,4) und Volkswagen (WKN: 766403 / ISIN: DE0007664039) (41,4) weisen ein hohes ESG-Risiko auf, was sich zukünftig weiter negativ auf die Finanzkennzahlen auswirken dürfte. Das geringste ESG-Risiko im DAX hat aktuell SAP (WKN: 716460 / ISIN: DE0007164600) (11,2), gefolgt von Linde (WKN: A2DSYC / ISIN: IE00BZ12WP82) (11,6), Adidas (WKN: A1EWWW / ISIN: DE000A1EWWW0) (13,1) und Münchner Rück (WKN: 843002 / ISIN: DE0008430026) (15,4). Insbesondere der Rückversicherer Münchner Rück hat so wie auch SAP bereits gute Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt.

Die Analyse der ESG-Risikokennzahlen ist ein wichtiger Baustein bei der Konstruktion des Aktienportfolios. Zwar schützen geringe ESG-Risiken nicht per se vor betriebswirtschaftlich schlechten Ergebnissen. Doch Aktien mit einem geringen ESG-Risiko-Rating erholen sich von den kurzfristig interpretierten Quartalsergebnissen schneller und sind unseres Erachtens langfristig erfolgreicher. Schlecht ausfallende Quartalsergebnisse und vorübergehende Kursrückgänge eines Unternehmens mit niedrigem ESG-Risiko-Rating können Anleger daher durchaus als Kaufgelegenheit nutzen.

Ein Beitrag von Sönke Niefund,

DirektorLeiter Merck Finck Hamburg
Merck Finck Privatbankiers AG.

Bildquelle: markteinblicke.de

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