Bild: MatchGroup

Die Match Group (WKN: A1424N / ISIN: US57665R1068) ist der führende Anbieter von Dating-Plattformen und -Apps. Man hat knapp 45 im Bestand, darunter 20 Eigengründungen, während 25 zugekauft wurden. Zu den bekanntesten gehören Zu den Angeboten gehören heute neben Match.com, OKCupid, Plenty of Fish, neu.de, LoveScout24 und Tinder. Relativ frisch an Bord ist Hinge, eine App, die als „Anti-Tinder“ gilt, da sie nicht auf Seitensprünge spezialisiert ist, sondern sich ganz klar für dauerhafte Partnerschaften positioniert hat. Und dieser Trend zur Spezialisierung trägt weitere Blüten. So gibt es BlackPeopleMeet für Afroamerikaner, Chispa für Latinos oder OurTime für Menschen ab 50.

In einem aktuellen Artikel über die 30 am stärksten geshorteten Aktien im Russel 1000-Index führt Andreas Haslinger auf aktien-mag.de die Match Group mit einer Short Interest-Rate von 58,8% auf und Anleger sollten sich schon Gedanken machen, was dies für Folgen haben kann – und wird…

Shortseller

Shortseller, hierzulande Leerverkäufer genannt, leihen sich Aktien, um diese dann an der Börse zu verkaufen. Sie setzten damit auf fallende Aktienkurse, weil sie dann zu einem späteren Zeitpunkt die Aktien günstiger wieder zurückkaufen können, wenn sie diese an den Eigentümer bei Ablauf des Leihgeschäfts zurückgeben müssen.

Da sie für die Zeit der Leihe eine Provision zahlen müssen und der Aktienkurs zwischenzeitlich ja auch steigen kann, ist das Geschäft nicht risikolos und kann sich sogar zu einem finanziellen Desaster auswachsen, z.B. bei einer sog. Short-Squeeze, wenn sich die Leerverkäufer gleichzeitig mit Aktien eindecken müssen, und zwar schnell und daher unlimitiert.

Daher versuchen einige Shortseller, ihre Erfolgschancen zu verbessern, indem sie nach dem Aufbau ihrer Short-Position einen vernichten Bericht über das Unternehmen veröffentlichen: eine sog. Short-Attacke. Da die Vorwürfe nicht sofort vom Unternehmen widerlegt werden können, führt eine Short-Attacke oder manchmal auch schon das bloße Gerücht über das Bevorstehen einer solchen, fast immer zu hohen zweistelligen Kurseinbrüchen. Was einige Shorties so reizvoll finden, dass sie sogar mit erfundenen oder konstruierten Vorwürfen auf die Jagd gehen und sich so auch der Strafverfolgung aussetzen und bisweilen dafür ins Gefängnis müssen.

Shortseller sind nicht per se böse oder schlecht. Nicht selten decken sie Betrugsvorgänge auf sorgen so für ein reinigendes Gewitter. EnronWorldcom oder Steinhoff sind solche „positiven“ Beispiele, wo Short-Reports Milliarden schwere Betrügereien aufdeckten. Oder Valeant, das von Citron Reserach überführt wurde und dessen Aktionäre für die Un- und Schandtaten des früheren Managements finanziell kräftig bluten mussten; nach einer Rosskur firmiert das Unternehmen heute als Bausch Health und Citron war kürzlich auf die Longside gewechselt und sieht deutliches Kurspotenzial in der Aktie – nach oben.

Negativ in Erinnerung bleiben die Short-Attacken gegen Aurelius, wo eigens zu diesem Zweck Zatarra Research Gotham City Research gegründet wurde, ausschließlich, um mit fingierten Vorwürfen ein Unternehmen zu attackieren. Dass am Ende von diesen Anwürfen so gut wie nichts übrig blieb und sich der Aktienkurs zwischenzeitlich wieder vollständig auf das Niveau von vor der Attacke erholt hatte, macht es für die betroffenen Aktionäre, die evtl. in Panik verkauft und riesige Verluste eingefahren haben, nicht besser.

Eine hohe Short-Quote bzw. das Ausbauen des Short-Engagements wird daher zumeist als Alarmsignal wahrgenommen und lastet auf dem Aktienkurs des betreffenden Unternehmens.

Match Group im Fadenkreuz

Was ist also los bei der Match Group? Zunächst muss man wissen, dass es sich bei Kennzahl SIPF (Short Interest as a Percentage of Float) und das Short Interesse in Prozent des Streubesitzes handelt. Und die Match Group weist hierbei das höchste aus mit 58,8%.

Der Streubesitz ist jedoch nur eine Teilmenge aller verfügbaren Aktien und nicht mit der Summe aller Aktien gleichzusetzen. Und gerade bei der Match Group gibt es die Besonderheit, dass gut 80% der Anteile im Besitz des Großaktionärs IAC InterActive Corp. liegen. Ein SIPF von 58,8% heißt also im Klartext, dass 58,8% von einem Fünftel der Aktien geshortet wurden bzw. 11,76% alles ausstehenden Aktien. Das relativiert die Sache schon mal.

Auf www.intelligent-investieren.net geht es weiter…

Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

 

Bildquellen: Michael C. Kissig / MatchGroup

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