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Wenn man über den aktivistischen Investor Bill Ackman spricht, muss man sein Armageddon erwähnen: Valeant Pharmaceuticals (heute Bausch Health, WKN: A2JQ1X / ISIN: CA0717341071). Er sah in der kanadischen Pharma-Beteiligungsgesellschaft „das neue Berkshire Hathaway“ und kaufte große Anteile an dem Unternehmen, bevor dieses dann total abstürzte – und Milliardensummen von Ackman und seinen Investoren vernichtete. Sein großes Fiasko bedeutet allerdings nicht, dass er das Investieren nicht drauf hätte. Ebenso wenig, wie ein großer Erfolg nicht belegt, dass Investoren dauerhaft einen goldenden Daumen für Investments hätten. Der Hedgefonds-Manager John Paulson ist das genaue Gegenteil von Ackman: er warnte rechtzeitig vor dem Platzen der US-Immobilienblase und wettete viel Geld darauf – und verdiente Milliarden. Seitdem sieht es allerdings trübe aus, seine weiteren Investments erweisen sich eher als schlecht bis unterdurchschnittlich.

Doch zurück zu Bill Ackman. Aus seiner Verehrung für Warren Buffett macht er keinen Hehl und seit einigen Monaten kauft er auch fleißig Aktien von dessen Beteiligungskonglomerat Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2 / ISIN: US0846707026). In seinem nur auf wenige Werte fokussierten Portfolio ist die Buffett-Aktie nach dem Aufstocken im dritten Quartal inzwischen mit mehr als 13% gewichtet. Das macht Ackmann nicht etwa aus Nostalgie oder Verklärung, sondern weil Berkshire Hathaway „derzeit mit einem der größten Abschläge auf seinen inneren Wert seit vielen Jahren“ gehandelt würde und das zu einer Zeit, wo sich operative Verbesserungen bei einigen schwächelnden Tochterunternehmen einstellen würden.

Bill Ackman ist erst im zweiten Quartal 2019 bei Berkshire Hathaway eingestiegen, als er 3,513 Mio. B-Aktien erwarb, die er im dritten Quartal nun auf 4,016 Mio. Aktien aufstockte. Per Ende September hatte dieses Aktienpaket einen Wert von $835,3 Mio. und war mit 13,33% seine fünftgrößte Position.

Ackmann stellte seinen Investoren gegenüber seinen Investmentcase dar:

Der Auslöser für unsere Investition in Berkshire ist, dass das Unternehmen unserer Ansicht nach derzeit mit einem der größten Abschläge auf seinen inneren Wert seit vielen Jahren handelt, zu einem Zeitpunkt, an dem wir eine Verbesserung der operativen Leistung seiner Tochtergesellschaften erwarten aufgrund  bestimmter Veränderungen im Management und in der Organisation des Unternehmens. Während Herr Buffett lange Zeit einer der bekanntesten und am meisten beachteten Investoren der Welt war, glauben wir, dass die Unterbewertung von Berkshire Hathaway teilweise durch die Tatsache zu erklären ist, dass es sich um eines der am wenigsten beachteten und missverstandenen Mega-Cap-Unternehmen handelt.

Kann man so sehen, muss man aber natürlich nicht. Andererseits teilt sogar Warren Buffett die Ansicht von Bill Ackman, denn Berkshire Hathaway kaufte auch im dritten Quartal eigene Aktien zurück. Und zwar im September, als es eine  kurzen Ausverkauf an den Börsen gab und Kurse von unter $200 aufgerufen wurden.

Was die personellen Veränderungen angeht, die bei einigen Beteiligungen endlich die schlummernden Potenziale (wiederer-)wecken soll, dürfte Ackmann vor allem auf zwei Unternehmen anspielen, die seit längerem zu den größten Positionen in Berkshires Depot gehören und deutlich unterdurchschnittlich performen: Wells Fargo und Kraft Heinz.

Wells Fargo

Bei Wells Fargo (WKN: 857949 / ISIN: US9497461015) läuft schon länger nichts mehr rund. Nachdem die Bank lange zeit als rentabelste US-Bank angesehen wurde, steht sie seit einigen Jahren am Pranger. Sie hatte sich die vermeintlichen Erfolge durch ein aggressives Vertriebskonzept erkauft, das Angestellte dazu missbrauchten, Fake-Konten anzulegen und Kunden unbemerkt Produkte unterzujubeln, die diese niemals beantragt oder gar abgeschlossen hatten. Den anschließenden Skandal ging die Bank nur halbherzig an und musste schließlich ihren Chef feuern und hohe Strafzahlungen leisten. Am schwersten wiegt aber bis heute, dass die Bank eine Neugeschäftssperre auferlegt bekommen hat, so dass sie seit Jahren hinter die prosperierenden Wettbewerber zurückfällt.

Doch der Wind scheint sich drehen. Mit Charles Scharf, dem bisherigen Chef der Bank of New York Mellon und früheren CEO von VISA, hat Wells Fargo eine anerkannte Führungsperson gefunden, die die Bank wieder auf den Erfolgskurs bringen wird und auch die Neugeschäftsbeschränkungen dürften in absehbarer Zeit aufgehoben werden, wodurch Wells Fargo operativ wieder angreifen könnte.

Kraft Heinz

Und auch Kraft Heinz (WKN: A14TU4 / ISIN: US5007541064) hat einen neuen Chef, Miguel Patricio, der von AB Inbev kommt. Großaktionär von AB Inbev ist 3G Capital unter der Führung von Jorge Paulo Lemann und zusammen mit Berkshire Hathaway hält man die Mehrheit an Kraft Heinz.

Das Unternehmen hatte sich zu lange auf seine bekannten Marken verlassen und versucht, aus dem Business noch den letzten Dollar herauszuquetschen. Doch die Macht der Marken schwindet, vor allem wenn die Marke nicht lebendig, aufregend, aktuell gehalten wird. Dazu bedarf es eines stetigen Marketingsaufwands, den man sich bei Kraft Heinz gespart hat. Mit der Folge, dass die Marken eher als angestaubt und altbacken daherkommen und ihnen zunehmend von „frischeren“ und aufstrebenden Newcommern das Wasser abgegraben wird. Hier dürfte der neue CEO nun kräftig umsteuern und auch den bisherigen Weg des blinden Zukaufens weiterer, teurer Marken beenden. Marken muss man pflegen und lieber das Geld hierfür aufwenden, als einfach weitere Marken hinzuzukaufen, so dass sich die vielen überlappenden Marken dann gegenseitig kanibalisieren…

Auf www.intelligent-investieren.net geht es weiter…

Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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