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Ist ein Hochpunkt an den Aktienmärkten zuverlässig identifizierbar? Generationen von Analysten versuchen sich an der Lösung dieser Frage. Ob Bullenmarkthoch oder ein sekundäres Hoch: Zur Entscheidungsfindung über Gewinnmitnahmen, zur Beendigung eines Trades oder zum Managen von Absicherungen sind technische Signale, die ein Hoch signalisieren können, hochwillkommen. Eine Reihe kluger Entwürfe existiert, wir stellen drei davon vor.

Nasdaq Ohama Titanic Syndrom

Kürzlich wurde auf Marketwatch.com ein Verkaufssignal-Indikator beschrieben, das so genannte „Ohama Titanic Syndrom“, erdacht von Bill Ohama im Jahr 1965. Das Signal wird ausgelöst, wenn ein Index ein neues 52-Wochen-Hoch markiert und dann innerhalb von 7 Tagen die Zahl der neuen Tiefs die Zahl der neuen Hochs aussticht. Es ist dem Hindenburg-Omen nicht unähnlich.

Der Leitgedanke hinter dem Ohama-Titanic-Syndrom dürfte sein, zu hinterfragen, ob ein Index, der kürzlich ein neues 52-Wochen-Hoch markiert hat, die innere Stärke hat, um diesen Anstieg fortzuführen. Wenn die Zahl der neuen Tiefs kurz nach einem frischen Verlaufshoch überhandnimmt, dann kann es mit der Marktstärke nicht allzu weit her sein.

Das Ohama-Titanic-Syndrom ergibt eine recht gute Trefferquote, kommt jedoch an die Signalstärke eines Hindenburg-Omens nicht heran.

Hindenburg-Omen

Beide Indikatoren haben ihren Reiz, aber nur das Hindenburg-Omen hat den tiefen Fall im Herbst 2018 annonciert.

Die Konstruktion von Hindenburg-Omen und Titanic-Syndrom beinhaltet eine gemeinsame Komponente, nämlich die Zahl der neuen Hochs und neuen Tiefs. Deshalb können beide Signale nicht allzu unterschiedlich sein. Das Hindenburg-Omens wurde später aufgelegt, enthält mehr Bedingungen und hat deshalb das bessere Feintuning.

VIX-PCR

Genauso, wie man Call- oder Put-Optionen auf fast jeden beliebigen Index handeln kann, geht das auch auf den VIX. Der VIX ist der Volatilitätsindex des S&P 500. Ein hoher Wert weist auf einen ängstlichen Markt hin, ein niedriger Wert auf ein ruhiges Marktumfeld. Wer erwartet, dass der VIX steigt und die Unruhe weiter zunimmt, der kauft VIX-Calls. Bei Erwartung eines stabilen Marktumfeldes werden VIX-Puts präferiert.

Wir haben festgestellt, dass ein geringer Wert der VIX-Put-Call-Ratio häufig Hochpunkte im S&P 500 ankündigt. Die Erklärung ist, dass sich das smarte Geld schützt, indem es sehr viel mehr Calls als Puts kauft, nämlich fast im Verhältnis 10 zu 1. Es kauft Calls, weil es einen steigenden VIX und damit fallende Aktienkurse erwartet. Ähnlich wie die OEX-Put-Call-Ratio (die wir ebenfalls gern nutzen) ist die VIX-PCR ein Indikator des smarten Geldes.

Den Wert von 0,12 haben wir gewählt, um einer zu starken Signalhäufung und damit einer Entwertung vorzubeugen. Genauso wie das Titanic-Syndrom vergaß die VIX-PCR im September 2018 ein Signal auszusenden, der niedrigste Wert war 0,25. Die Put-Call-Ratio auf den VIX wird handelstäglich auf der Website „Cboe Daily Market Statistics“ ausgewiesen. Wir analysieren die diversen Put-Call-Ratios handelstäglich in unserem Wellenreiter-Börsendienst.

Reißerische Namen wie „Titanic-Syndrom“ oder „Hindenburg-Omen“ sind entstanden, weil deren Erfinder mit diesen Signalen Crashes identifizieren wollten. Die Konstruktionen sind handwerklich gut gemacht, in sich logisch und funktionieren auch nach 50 Jahren immer noch recht zuverlässig im Aufzeigen von primären und sekundären Hochpunkten, ohne das gleich ein Crash angenommen werden muss. Die Stärke und die Dauer des Abschwungs können weder Hindenburg-Omen noch Titanic-Syndrom beschreiben. Die oben gestellte Frage, ob ein Hoch regelmäßig und zuverlässig identifizierbar ist, kann aber nicht mit voller Überzeugung mit ja beantwortet werden, Vorsicht vor gegenteiligen Behauptungen.

Wie beurteilen wir die aktuelle Situation? Die genannten Indikatoren sandten zwischen Mitte November und Anfang Dezember vermehrt Signale aus. Es gilt, auf eine Signalhäufung zu achten, das hilft schon mal, und die ist ja vorhanden. Wir können uns daher die Ausbildung eines Hochpunktes im S&P 500 gut vorstellen. Die Bestätigung durch den Index selbst fehlt bisher.

Zudem erscheint der Januar für den Beginn eines Abwärtstrends prädestinierter als der Dezember, der häufig noch von einer Weihnachtsrally getragen wird. Insofern könnte die Phase der Top-Bildung noch einige Wochen andauern, bevor ein Abwärtstrend die Regie übernimmt.

robert-rethfeldEin Beitrag von Robert Rethfeld.

Robert Rethfeld betreibt den Börsendienst Wellenreiter-Invest. Kernprodukt ist ein handelstäglich erscheinender, abonnementsbasierter Börsenbrief. Seit Ende der 80er Jahre lebt er im Vordertaunus, zunächst in Bad Homburg und seit dem Jahr 1999 in Oberursel. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und hält sich durch Laufen im Taunus sowie durch Golfspielen fit.

P.S. Ein kostenloses 14tägiges Schnupperabonnement erhalten Sie unter www.wellenreiter-invest.de

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