Bildquelle: Pixabay / mrsebastianhofmann

Norwegen hat einen, die Chinesen gleich mehrere und die Golf-Staaten schon sehr lange: Die Rede ist von Staatsfonds, die aus verschiedensten Gründen aufgelegt wurden bzw. werden und die alle dennoch eins gemeinsam haben: In Deutschland existiert so ein Staatsfonds schlichtweg nicht.

Die Konsequenzen für uns hierzulande sind deutlich zu spüren. Andere Staatsfonds, wie z. B. der Fonds der Chinesen, kaufen Technologieführer in Deutschland auf. Dies ist sicherlich eine aggressivere und damit vielleicht auch negativ belegte Art und Weise, wie Staatsfonds auftreten. Wir hierzulande haben dem allerdings nichts entgegenzusetzen.

Viel entscheidender ist aber, dass man sich die positive Wirkungsweise von Staatsfonds vor Augen führt. So kann mit Hilfe eines solchen Staatsfonds die Altersvorsorge auf ein neues Niveau und damit zu einer neuen Qualität geführt werden.

Und hier sind wir mitten in einer intensiven Debatte in Deutschland, die nicht zuletzt und erfreulicherweise von der FDP sowie der CDU getrieben wird. Die Idee ist eine Art Bürgerfonds, der dafür sorgt, dass die dritte, private Säule der Altersvorsorge für jeden Bundesbürger möglich und vor allen Dingen auch finanzierbar ist. Gerade die aktuelle Debatte um die weitere steuerliche Belastung von Anlegern gezeigt, dass die Diskussion hierzulande eher etwas „Trennendes“ aufweist. Oft wird das Thema Anlegen gerade in Kombination mit dem Thema Steuern auch unter Gerechtigkeitsaspekten geführt.

Auf der einen Seite gibt es Bundesbürger, die sich privat und das auch mit Hilfe von Wertpapieren und damit Aktien um ihre Altersvorsorge kümmern. Auf der anderen Seite gibt es aber einen großen Teil der Bundesbürger, die sich aus verschiedensten Gründen eben nicht um ihre private Altersvorsorge über Wertpapiere engagieren (können). Neben dem fehlenden Wissen über Börse, Aktien und das Anlegen ist vor allen Dingen aber ein Argument, was wiederholt angeführt wird: die wirtschaftliche Not vieler Bundesbürger, die es schlichtweg nicht zulässt, jeden Monat etwas für die Altersvorsorge oder für den Vermögensaufbau zur Seite zu legen.

Auch hier ist ein Staatsfonds das Mittel der Wahl, denn über diesen Weg könnte jeder Bundesbürger von den Möglichkeiten der Kapitalmärkte profitieren, auch wenn er selbst weder über das Wissen, noch über das notwendige freie Kapital verfügt.

Aber wie soll dies möglich sein? Entscheidend ist, wie ein solcher Staatsfonds finanziert wird. Gerade bei der Finanzierung muss man neue Wege gehen und genau das wird zugleich das Hauptproblem bei der Umsetzung werden. So wäre es notwendig, einen Teil der umlagefinanzierten Rente bzw. der dafür vereinnahmten Beiträge in einen Kapitalstock einzuzahlen, der zur Erwirtschaftung einer Rendite bereitsteht. Ein solcher Staatsfonds würde dann auch eher den Namen „Bürgerfonds“ tragen können, da es nicht darum geht, staatliche Interessen durch finanzielle Power durchzusetzen, sondern allen Bürgern die Möglichkeit zu eröffnen, an den Kapitalmärkten langfristig, diversifiziert und vor allen Dingen weltweit anzulegen.

Gerade die aktuelle Phase mit den realen Negativzinsen, die wir noch für eine sehr lange Zeit sehen werden, macht es dringend notwendig, das System zu überdenken und neue Wege zu gehen. Wir Deutschen sind Sparweltmeister. Das ist in Zeiten, in denen es Zinsen gibt, sicherlich nicht die beste, aber doch eine gute Lösung. Wenn aber über die nächsten 10 bis 20 Jahren real nicht mit Zinserträgen zu rechnen ist, stehen wir vor einem sehr großen Problem. Hier ist auch der Staat aufgefordert, sich um das Wohl der Bürger zu sorgen, und allen zu ermöglichen, von den Renditen an den Kapitalmärkten zu profitieren.

Zunächst sollte kleinerer Teil der aktuellen Rentenbeiträge in einen solchen Fonds fließen. Ein solcher Fonds könnte auch an der Börse gehandelt werden und somit für jeden, auch für alle nicht sozialversicherungspflichtige Bürger ein zusätzlicher, wertvoller Baustein für die private Altersvorsorge darstellen. Auf diese Weise könnten die Vorteile des Umlageverfahrens mit denen einer kapitalgedeckten Altersvorsorge verbunden werden.

Auf diesem Wege ist es aber vor allen Dingen auch für alle Bundesbürger möglich, die Anlageform „Aktie“ in das Altersvorsorgesystem zu integrieren. Dieses fehlt heute vollends, was in dem aktuellen und zukünftigen Zinsumfeld für alle Bundesbürger katastrophale Folgen haben wird.

Ein Beitrag von Marc Tüngler

Er ist Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und ist ein profunder Kenner des deutschen Aktienmarktes. Als Redner und Aktionärsvertreter auf vielen Hauptversammlungen weiß er um die Befindlichkeiten von Vorständen und Aktionären.
www.dsw-info.de

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