Bildquelle: Markus Koch / Dirk Eusterbrock

Das Börsenjahr 2019 ist passé. Wir geben in den kommenden Tagen in der Reihe „Ausblick 2020“ marktEINBLICKE zu den Faktoren, die das Anlegerjahr 2020 mitbeherrschen sollten. Dazu haben wir uns wieder kompetente Verstärkung ins Haus geholt und verschiedene Börsen-Experten gebeten, einen Ausblick zu wagen. Ihre Einschätzungen werden wir zum Jahreswechsel an dieser Stelle veröffentlichen. Heute ist Markus Koch an der Reihe.

Warum man sich als Anleger für eine bestimmte Aktie oder Position entschieden hat, interessiert die Märkte genauso wenig, wie die Frage wie viel Research dafür im Vorfeld betrieben wurde. Geht es um Investments, liegt man häufig aus den falschen Gründen richtig. Das Gegenteil sollte allerdings möglichst vermieden werden.

2019 war ein Spaziergang durch ein Minenfeld der Gefahren. Und es war ganz egal auf welcher Mine man gerade stand, die Explosion blieb aus. Das Phänomene Trump und Johnson waren vor allem ein Fressen für die Medien, aber eben nicht für die Märkte. Blumen hat keiner der Beteiligten verdient und wenn überhaupt, dann nur der schmerzbefreite Aktienmarkt. Es ist erstaunlich, dass weder die global abkühlende Wirtschaft, noch die sinkenden Gewinne der Unternehmenswelt, dem Bullenmarkt Einhalt bieten konnten. Vielleicht ist die Antwort eine leichte: viel Geld und wenige Aktien.

Die Bilanz der Federal Reserve wurde ab Oktober und binnen nur acht Wochen um 285 Milliarden Dollar ausgeweitet. Das entspricht dem BIP von Chile. Gemeinsam mit der EZB, sollen die Bilanzen der beiden Zentralbanken in den nächsten sechs Monaten um weitere 420 Milliarden Dollar ausgeweitet werden. Gleichzeitig bleiben auch die größten Käufer amerikanischer Aktien aktiv:

Rund 80 Prozent der Unternehmen im S&P 500 kaufen die eigenen Aktien zurück. Mag sein, dass die Volumen im Vergleich zu den letzten beiden Jahren geringer ausfallen, und trotzdem rechnet die Wall Street auch in 2020 mit 570 Milliarden Dollar an Rückkäufen. Seit 2009 haben die Konzerne im S&P 500 rund 5 Billionen Dollar der eigenen Aktien erworben. Trotz der Börsengänge sind somit so wenige Aktien im Umlauf wie schon seit zwanzig Jahren nicht mehr. Man muss kein Genie sein, um zu verstehen, was passiert, wenn viel Geld, weniger Aktien hinterherläuft: die Kurse steigen! Schaut man sich das Kurs-/Gewinn- oder das Kurs-/Umsatzverhältnis an, ist die Wall Street im historischen, wie internationalen Vergleich ausgesprochen teuer. Die Emerging Markets oder Europa bieten daran gemessen mehr Chancen.

FAZIT. Wie dem auch sei: Die Börse kann länger irrational sein, als man sich leisten kann rational zu denken. Es ist außerdem im Interesse von Donald Trump, die  Aktienmärkte bis zu den Wahlen bei Laune zu halten. Noch nie waren die Netto-Vermögen im Vergleich zur Konjunktur so hoch wie heute. Bricht die Wirtschaft oder der Aktienmarkt bis dahin ein, kann Trump seine Koffer packen. Vieles spricht dafür, dass die Wirtschaft im ersten Quartal einen zweiten Frühling erlebt. Sollte diese Hoffnung nicht bestätigt werden und die Macht der Notenbanken wird überschätzt, könnte die Quittung teuer ausfallen. Schon jetzt ist die Lücke zwischen dem Aktienmarkt und der Konjunktur und Ertragslage der Unternehmen erschreckend groß.

MarkusKochEin Beitrag von Markus Koch.

Er ist seit Jahrzehnten das deutsche Gesicht an der Wall Street. Egal ob als Börsenreporter für n-tv oder das Handelsblatt, als Vortragsredner und Moderator, in den sozialen Medien oder bei ganz neuen Veranstaltungsformaten, Markus Koch erklärt die Börse immer kurzweilig, humorvoll und kenntnisreich.
www.markuskoch.de

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Bildquelle: Markus Koch / Dirk Eusterbrock

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