Bildquelle: Pressefoto Fresenius SE & Co. KGaA

Viele Anleger achten bei Aktien vor allem auf die Kursentwicklung und vernachlässigen dabei den Dividendenaspekt. Doch Dividenden sind weit mehr als nur ein Bonus, denn häufig stellen die Ausschüttungen den Hauptertragstreiber einer Aktienanlage dar.

Bei den sogenannten Dividendenaktien handelt es sich um Aktien von Unternehmen, die ihre Aktionäre in Form von regelmäßigen Ausschüttungen an den Gewinnen teilhaben lassen. Wie hoch dieser Gewinnanteil ausfällt, wird im Rahmen der einmal jährlich veranstalteten Hauptversammlung festgelegt. Die Dividendenhöhe kann dabei von unterschiedlichen Faktoren abhängig sein. Dazu zählen vor allem die Ertragskraft und Dividendenpolitik des Unternehmens, die Auftragslage und die Einschätzung der weiteren Konjunkturaussichten.

Dividenden: Mehr als nur ein Sahnehäubchen

Viele Menschen unterschätzen den Einfluss der Ausschüttungen auf die Gesamt-Performance einer Dividendenaktien-Anlage ganz erheblich und legen das Augenmerk nur auf die Wertsteigerungen des jeweiligen Aktienkurses. Die regelmäßigen Dividendenzahlungen werden oftmals eher als „Sahnehäubchen oben drauf“ wahrgenommen. Dass die Bedeutung der Dividenden aber weit darüber hinaus gehen kann, zeigt bspw. die Kursentwicklung des DAX-Kursindexes (ohne Dividenden) im Vergleich zum allgemein bekannten DAX-Performance-Index (mit Dividendenberücksichtigung und unterstellter Wiederanlage). Die Indexbasis liegt bei beiden Indizes bei 1.000 Punkten per 31. Dezember 1987. Während es für den DAX-Kursindex bis Ende Februar 2020 auf 5.200 Punkte nach oben ging (+420 Prozent), legte der DAX-Performance-Index trotz des Corona-Virus im selben Zeitraum auf etwa 11.800 Zähler zu (+1.080 Prozent).

Der DAX-Performance-Index verzeichnet gegenüber dem DAX-Kursindex also eine zweieinhalb Mal so hohe Wertsteigerung. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass Dividenden einen großen Anteil an der Gesamt-Performance einer Aktienanlage ausmachen können. Die Strategie, in dividendenstarke Aktien zu investieren, macht deshalb durchaus Sinn. Das muss im Umkehrschluss jedoch nicht heißen, dass dividendenlose Aktien im Vergleich zu Dividendenaktien immer den Kürzeren ziehen. Denn es gibt auch sehr erfolgreiche, wachstumsstarke Unternehmen wie z.B. aus dem Technologiesektor, die keine Dividenden zahlen, sondern die erwirtschafteten Gewinne vollständig nutzen, um bspw. neue Investitionen zu tätigen.

Dividenden als wichtiges Qualitätsmerkmal

Gleichwohl stellen kontinuierliche Dividendenzahlungen in der Regel ein wichtiges Qualitätsmerkmal einer profitablen Aktie dar. Die dahinterstehenden Unternehmen zeichnen sich häufig durch langfristig erfolgreiche Geschäftsmodelle und starke Marken aus, die sich häufig auch in kontinuierlichen Kurssteigerungen niederschlagen. Gerade für konservative Anleger, denen es nicht um schnelle, hohe kurzfristige Kurssteigerungen geht, sondern um den sukzessiven langfristigen Vermögensaufbau, können Dividendenaktien eine sehr gute Wahl sein. Bei der Auswahl eines geeigneten Kandidaten gilt es dabei, zwei wichtige Kennzahlen zu beachten: Die Dividendenrendite und das Dividendenwachstum.

Dividendenrendite

Die Dividendenrendite errechnet sich, indem die im Kaufjahr erwartete Dividendenausschüttung durch den Aktienkaufkurs geteilt wird. Wurde bspw. eine Aktie im Frühling zum Kurs von 100 Euro gekauft, für die im selben Jahr eine Dividende von 5 Euro ausgeschüttet wird, so beträgt die Dividendenrendite des Anlegers entsprechend 5 Prozent. Diese Kennzahl berücksichtigt also nur die Rendite in Bezug auf die gezahlte Dividende, mögliche Kurssteigerungen oder -verluste bleiben hier außen vor. Manche Anleger fokussieren sich bei ihrer Dividendenstrategie nur auf die Aktien mit den höchsten Dividendenrenditen. Diese Strategie kann sich auszahlen, möglich sind hierbei aber auch Fehlgriffe. Denn entsprechend der Formel steigt – bei gleichbleibender Ausschüttung – Die Dividendenrendite, wenn der Aktienkurs fällt. Hinter hohen Dividendenrenditen können deshalb auch Aktien stehen, die an der Börse kräftige Kursverluste verzeichnen und sich im Sinkflug befinden. Um diese Titel sollten Anleger natürlich einen großen Bogen machen.

Dividendenwachstum

Anstatt bei der Auswahl von passenden Dividendenaktien nur auf die aktuelle Dividendenrendite zu achten, empfiehlt es sich, das langfristige Dividendenwachstum näher zu untersuchen. Und zwar deshalb, weil langfristig weniger erfolgreiche Unternehmen ihre Ausschüttungen auch kürzen oder ganz aussetzen können. Eine hohe aktuelle Dividendenrendite stellt also nur eine Momentaufnahme dar. Entscheidend ist jedoch, dass lediglich Unternehmen in die engere Auswahl kommen, die über einen möglichst langfristigen Zeitraum verlässlich Dividenden gezahlt haben und dies höchstwahrscheinlich auch in Zukunft machen. Im Idealfall handelt es sich dabei um Konzerne, die ihre Dividenden regelmäßig, am besten sogar jährlich anheben. Bei diesen Unternehmen spiegeln sich im kontinuierlichen Dividendenanstieg in der Regel auch sukzessive ansteigende Unternehmensgewinne wider, woraus wiederum überdurchschnittliche Aktienkursgewinne resultieren können.

Persönliche Dividendenrendite

Steigende Dividenden bedeuten außerdem für die Anleger auch steigende persönliche Dividendenrenditen. Hierzu ein Beispiel: Kauft ein Anleger eine Aktie zum Kurs von 100 Euro, für die eine Dividende von 5 Euro ausgezahlt wird, errechnet sich eine aktuelle Dividendenrendite von 5 Prozent. Erhöht das Unternehmen im nächsten Jahr die Dividende um 10 Prozent auf 5,50 Euro, steigt die „persönliche Dividendenrendite“ bezogen auf den Kaufpreis der Aktie (100 Euro) auf 5,5 Prozent. Wird die Dividende in den folgenden 9 Jahren weiterhin um 10 Prozent jährlich angehoben, beträgt die Dividende im 10. Jahr 12,97 Euro. Damit würde sich eine persönliche Dividendenrendite von rund 13 Prozent errechnen. Dieses Beispiel macht deutlich, warum Aktien mit kontinuierlich steigenden Dividenden die erste Wahl sein sollten.

Dividendenaristokraten

Wer auf der Suche nach dividendenstarken Qualitätstiteln ist, sollte einen Blick auf die sogenannten „Dividendenaristokraten“ werfen. Zu diesem erlesenen Kreis zählen Unternehmen, die ihre Dividendenausschüttungen über einen Zeitraum von mindestens 25 Jahren Jahr für Jahr erhöht haben. Die mit Abstand meisten Dividendenaristokraten haben ihren Sitz in den USA. Denn dort hat eine zuverlässige Dividendenzahlung im Rahmen der Altersvorsorge mit Aktien, auch über staatliche Förderung wie den 401 (k) (steuerlich begünstigte Rentensparpläne), einen besonders hohen Stellenwert. Dazu zählen viele große, weltweit bekannte Konzerne wie 3M, Coca-Cola, Colgate-Palmolive, Johnson & Johnson und Procter & Gamble. Im Vergleich dazu hat dieses Kriterium in Deutschland bisher nur ein einziges Unternehmen erfüllt: Fresenius (WKN: 578560 / ISIN: DE0005785604). Der DAX-Konzern hat die Dividende seit 1993 jedes Jahr erhöht. Die Dividende 2020 für das Geschäftsjahr 2019 soll bei 0,84 Euro je Aktie liegen. Wer die Aktie im Jahr 1993 erworben hatte, zum Kurs von bspw. umgerechnet 1,20 Euro, kommt somit inzwischen auf eine persönliche Dividendenrendite von 70 Prozent.

Der Index für den europäischen „DividendenAdel“

Eine Auswahl von Unternehmen der Eurozone, die sich ebenfalls durch ihre Dividendenstärke auszeichnen, findet sich im DividendenAdel-Eurozone-Index. Dieser Aktienindex umfasst Aktien von 25 europäischen Unternehmen mit hoher Ausschüttungsqualität. In der Auswahl sind Unternehmen enthalten, die ihre Dividenden 10 Jahre lang wenigsten stabil gehalten haben, zwischen 25 und 75 Prozent ihrer Gewinne ausschütten, historisch wie aktuell eine Dividendenrendite von über 1 Prozent abwerfen und für die vergangenen 5 Jahre ein überdurchschnittliches Dividendenwachstum aufweisen.

Fazit

Dividendenaktien können zur Hauptertragsquelle für ein Aktienportfolio werden. Bei der Auswahl der besten Dividendenaktien sollten Anleger aber nicht nur auf die aktuellen Dividendenrenditen achten, sondern auch auf die Ausschüttungshistorie und das Dividendenwachstum der entsprechenden Aktien. Hierzu lohnt ein Blick auf die US-Dividendenaristokraten, die ihre Dividendenqualitäten langfristig erfolgreich unter Beweis gestellt haben. Eine europäische Alternative hierzu stellt der europäische „Dividendenadel“ dar. Diese dividendenstarke Auswahl ist im DividendenAdel-Eurozone-Index zusammengefasst.

Bildquelle: Pressefoto Fresenius SE & Co. KGaA

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Mr.FinanzMinimalist
7 Monate zuvor

Ein schöner und informativer Artikel über die Wichtigkeit von Dividenden. Kann ich nur voll und ganz unterschreiben. Es gibt in den USA etwa (?) 64 Dividendenaristokraten und in Deutschland .. 1 (!).. und zwar Fresenius … das sagt alles zur langfristigen Qualität und Berechenbarkeit deutscher Unternehmen. Eine deutsche Aktienkultur kann so nicht entstehen …

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