Bildquelle: Pressefoto Roche

Das Virus und seine Ausbreitung

Lange Zeit schienen die Aktienmärkte gegen das Coronavirus (SARS-CoV-2) und die Lungenkrankheit Covid-19 (Corona Virus Disease 2019), die durch SARS-CoV-2 ausgelöst werden kann, immun zu sein. Es ist gerade einmal rund zwei Wochen her, dass der deutsche Leitindex DAX mit dem Sprung auf 13.795 Punkte ein neues Allzeithoch erreicht hatte. Auch andere Märkte wie die Wall Street zeigten sich zu Beginn des Jahres 2020 relativ unbeschwert. Doch mit dieser Unbeschwertheit ist es inzwischen vorbei. Im Zuge einer scharfen Korrektur rutschte der DAX sogar zeitweise unter die Marke von 12.000 Zählern. Auslöser dieser neuen Börsenhysterie war die rapide ansteigende Zahl von Corona-Fällen außerhalb Chinas. Hierzulande sorgte vor allem die Lage in einigen Regionen Norditaliens für Verunsicherung.

Auch in Deutschland ist die Zahl der infizierten Personen angestiegen. Stand 2. März zählte das Robert Koch-Institut 157 bestätigte Fälle einer SARS-CoV-2-Infektion. In Italien waren es zu diesem Zeitpunkt bereits 1.694 Fälle. Die Bundesregierung hat ihrerseits zum Schutz der Bevölkerung und Eindämmung der Corona-Epidemie einen im Pandemieplan des Bundes vorgesehenen Krisenstab eingesetzt. Angesichts der Verschärfung der Situation fragen sich Finanzmarktteilnehmer, wie schwer die Weltwirtschaft durch das Coronavirus getroffen wird. Unternehmen wie Apple haben bereits Umsatzwarnungen herausgebracht. Kein Wunder. Die Lieferketten sind extrem verzahnt. Vor allem China spielt in der Produktion und beim Absatz vieler Produkte als zweitgrößte Volkswirtschaft und Konjunkturmotor der Welt eine wichtige Rolle.

Individuelle Unternehmensrisiken

Die Analysten beim Schweizer Bankhaus Vontobel haben sich diesen Umstand zu Herzen genommen und jede Aktie aus ihrem Coverage-Universum auf Abhängigkeiten vom Virus überprüft. Heraus kam eine „Risikoskala“, um die individuellen Unternehmensrisiken in Bezug auf die Epidemie zu quantifizieren. Die Skala weist Werte von 0 bis 5 auf, wobei 0 das geringste Risiko signalisiert – und Unternehmen sogar in Zeiten des Coronavirus Chancen einräumen könnte – ein Rating von 5 steht für die riskanteste Kategorie, welche den betroffenen Unternehmen eine starke Abhängigkeit von China zusagt. Eine 0 erhielt zum Beispiel der Roche (WKN: 855167 / ISIN: CH0012032048). Ein Grund dafür sei, dass der Pharmakonzern seine gesamte Produktion außerhalb Chinas habe und die Lieferkette keiner kritischen Gefährdung ausgesetzt sei.

Außerdem sei laut Einschätzung der Analysten bei Vontobel nicht zu erwarten, dass die Verkäufe nach China eingeschränkt werden, da es sich meist um lebenswichtige Arzneimittel handeln würde. Die Sparte Diagnostik könnte sogar von einer höheren Nachfrage profitieren. Allerdings ist Corona für Roche nicht unmittelbar ein Geschäft. Die Schweizer haben vor kurzem Schnelltests in den betroffenen Gebieten in China an Krankenhäuser und Behörden verschenkt. Langfristig erhofft sich Roche natürlich positive Auswirkungen dieser Maßnahmen auf das immer wichtiger werdende China-Geschäft. So sagte Konzernchef Severin Schwan gegenüber dem Schweizer Rundfunk (SRF): „Es ist kein großes Geschäft für uns. Aber es stärkt sicher unsere langfristige Reputation in China. Wenn sie in solchen Krisensituationen wirklich einen Beitrag im Gesundheitssystem leisten, dann merken sich das die entsprechenden Institutionen in diesen Ländern auch.“

Die Profiteure

Andere Unternehmen könnten wesentlich schneller und direkter vom Coronavirus profitieren. Für Anleger stellen solche Werte eine gute Gelegenheit dar, um sich gegen weitere negative Einflüsse des Virus auf die Märkte abzusichern. Es kommen einem Hersteller von Mundschutzmasken in den Sinn. Dazu gehört Alpha Pro Tech aus den USA. Der Wert der Aktie hat sich innerhalb von einer Woche mehr als verachtfacht. Kein Wunder. Das Unternehmen aus dem US-Bundesstaat Arizona, das 2019 Umsatzerlöse in Höhe von 46,7 Mio. US-Dollar erwirtschaftete, vermeldete gerade, dass der Auftragsbestand für seine „N-95“-Atemschutzmasken innerhalb kurzer Zeit um 3,6 Mio. US-Dollar auf 14,1 Mio. US-Dollar gestiegen sei. Daher soll die Produktion angekurbelt werden. Bis Ende März sollen Bestellungen im Volumen von 4,0 Mio. US-Dollar abgearbeitet worden sein. Im zweiten Quartal sollen die restlichen Bestellungen abgearbeitet werden.

Bis Ende Mai soll die Produktion ihre volle Stärke erreicht haben, um noch größere Bestellungen bearbeiten zu können. Eine andere Gruppe von Unternehmen versucht derzeit, einen Impfstoff gegen das Coronavirus zu finden. Im Spiel sind Unternehmen wie Regeneron, Inovio Pharmaceuticals, Moderna, aber auch Branchengrößen wie Gilead Sciences. Der US-Konzern beginnt im März zwei Phase-3-Studien mit seinem Ebola-Mittel Remdesivir im Kampf gegen Covid-19. Das Mittel erhielt bereits eine Art Ritterschlag. Laut Bruce Aylward von der WHO zeige bisher ausschließlich Remdesivir Wirksamkeit gegen das Coronavirus. Sollte Remdesivir Erfolge im Kampf gegen das Coronavirus erzielen, könnte Gilead wieder positiv von sich reden machen, nachdem das Unternehmen in den vergangenen Jahren mit seinen zunächst sehr erfolgreichen Hepatitis-C-Mitteln nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen konnte.

Impfstoffsuche läuft auf Hochtouren

Regeneron hatte seinerseits Anfang Februar mit der Ankündigung einer engeren Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Gesundheitspflege und Soziale Dienste der Vereinigten Staaten (U.S. Department of Health and Human Services, HHS) auf der Suche nach Antikörpern gegen das Coronavirus aufhorchen lassen. Regeneron hatte sich bereits im Kampf gegen Ebola auszeichnen können. Inovio Pharmaceuticals hatte bereits im Januar mitgeteilt, von der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) einen Zuschuss von bis zu 9 Mio. US-Dollar für die Entwicklung eines Coronavirus-Impfstoffes erhalten zu haben. Einige Tage später folgte die Nachricht über die Zusammenarbeit mit Beijing Advaccine Biotechnology Co. an einen Impfstoff.

Seitdem ist es jedoch rund um Inovio deutlich ruhiger geworden. Die Aktie hatte zwischenzeitlich Teile ihre Kursgewinne wieder abgegeben. Seit der jüngsten Verschärfung der Lage ziehen die Anteilsscheine wieder an. Auch das Biotechnologieunternehmen Moderna konnte sich über eine CEPI-Finanzierung der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes freuen. Zuletzt konnte das Unternehmen sogar verkünden schnell Fortschritte erzielt zu haben. So wurde ein erster Impfstoffkandidat an das Nationale Institut für Allergien und Infektionskrankheiten der USA zur Begutachtung im Rahmen einer Phase-1-Studie geschickt.

Fazit

Auf Sicherheit bedachte Anleger können in Zeiten der Corona-Turbulenzen auf defensive Werte aus den Bereichen Gesundheit, Konsumgüter oder Versorgerwerte zurückgreifen. Wer jedoch starke Nerven mitbringt und mit heftigen Kursbewegungen, in die eine oder andere Richtung leben kann, kann einen Blick auf innovative Biotech-Unternehmen, die an einen Corona-Impfstoff arbeiten, oder Nischenanbietern wie Herstellern von Atemschutzmasken werfen.

Long Mini Future auf Roche
WKN VF1BAR
ISIN DE000VF1BAR7
Emissionstag 28. Dezember 2018
Produkttyp Mini Futures
Emittent Vontobel

 

Bildquelle: Pressefoto Roche

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