Bildquelle: © Niels Thies / Deutsche Bundesbank

Seit Anfang März gaben auch Bitcoin und andere Kryptowährungen deutlich nach. Anders als in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 bestehen die Liquiditätsengpässe aber nicht bei Banken, sondern bei großen Kapitalanlegern.

Wenn diese in einer Phase massiver Aktienkursverluste Liquidität benötigen – bspw. weil sie die Hinterlegung von Sicherheiten für Derivatepositionen erhöhen müssen (Margin Call) – verkaufen sie Anlagen mit noch vorhandenen Gewinnen oder geringeren Verlusten. Die Liquidität im Bankensystem hingegen wurde von den Notenbanken durch Zinssenkungen und langfristige zinsgünstige Refinanzierungsmöglichkeiten maximal unterstützt bevor ein Vertrauensverlust gegenüber Geschäftsbanken entsteht wie vor zwölf Jahren.

Zur Sicherung der Versorgung mit US-Dollar-Liquidität haben sechs Zentralbanken, unter anderem die EZB und die Fed zudem eine konzertierte Aktion mit u.a. zusätzlichen und günstigeren Leihgeschäften umgesetzt. In den USA wurden die Leitzinsen innerhalb von zwei Wochen um 1,50 Prozent nahe an die Nullgrenze geschleust und ein neues Wertpapierkaufprogramm mit einem Volumen in Höhe von 700 Mrd. Euro aufgelegt. Allerdings konnten alle geldpolitischen Notmaßnahmen selbst gebündelt bisher nicht für eine Stabilisierung der Kurse sorgen.

Es kommt jetzt vor allem auf die Politik der Regierungen an, um eine weitere Ausbreitung des Virus und eine Corona-bedingte Konkurswelle operativ gesunder Unternehmen zu vermeiden. Kurzfristig braucht es positive Nachrichten aus medizinischer Sicht, also sich stabilisierende Neuinfektionszahlen, um Käufer zu ermutigen. Wo sich das Tief befindet, kann daher derzeit niemand prognostizieren, weil vergleichbare historische Erfahrungen fehlen.

 

Ein Kommentar von Carsten Mumm
Er ist Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel. Das Traditionshaus mit Sitz in Hamburg und München setzt auf qualifizierte und umfassende Beratung für vermögende Privatkunden, Unternehmer, Immobilienkunden und institutionelle Kunden.

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Bildquellen: Donner & Reuschel / © Niels Thies / Deutsche Bundesbank

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